Die Rolle der Religion für Wachstum, Wohlstand und wirtschaftliche Entwicklung ist größer als viele Menschen denken. Das geht hervor aus einem Research Insight, den die Rockwool Foundation Berlin (RFBerlin) jetzt vor Pfingsten veröffentlicht hat, an dem die christlichen Kirchen ihre Gründung feiern. „Religion wirkt über zentrale wirtschaftliche Abläufe: über Sparen und Finanzverhalten, über Bildung, über Kinderzahl und Arbeitsangebot, über technische Offenheit, gesellschaftliche Normen und politische Institutionen“, sagt RF-Berlin-Projektleiter Sascha Becker.
„Die Botschaft ist ebenso einfach wie unbequem für ein immer weniger religiöses Europa: Wer Religion für einen Randfaktor hält, übersieht einen Teil der Tiefenstruktur unserer Gesellschaften“, fügt er hinzu.
Selbst in Gesellschaften, die Religion gern für überholt halten, wirke sie weiter – leise, verborgen und oft gerade dort, wo man sie am wenigsten vermute, schreiben Becker und seine Ko-Autoren Jared Rubin und Ludger Wößmann. „Religiöse Vorstellungen prägen, was Menschen für richtig halten, wie stark sie Zukunftsvorsorge betreiben, welche Rolle Familie und Bildung spielen, und wie Gemeinschaften Autorität, Vertrauen und Wandel bewerten“, sagt Becker weiter, der auch Professor an der Universität Warwick ist. „Das alles hat wirtschaftliche Folgen: Religion kann Wachstum fördern – etwa, wenn sie Bildung, Verlässlichkeit oder langfristiges Denken stärkt. Sie kann Wachstum aber auch hemmen – etwa, wenn sie Innovationen blockiert, Konflikte verschärft oder Hierarchien verfestigt."
Gerade in Europa sei dies aktuell, schreiben die Autoren weiter. Denn der Kontinent verstehe sich gern als modern, aufgeklärt und zunehmend postreligiös. Doch seine Feiertage, seine Wirtschaftsordnung, seine Bildungslandschaften, sein Vereinswesen, selbst seine Vorstellungen von Arbeit, Armenfürsorge und sozialer Verantwortung seien historisch ohne Religion kaum zu begreifen. Vieles davon wirke fort, auch dort, wo der Glaube im Alltag an Sichtbarkeit verloren habe. Religion sei nicht nur ein Thema für Kirchenhistoriker oder Theologen, sondern gehöre ins Zentrum jeder ernsthaften Debatte über Europas wirtschaftliche Zukunft und Vergangenheit.
In einer Zeit, in der Europa über Wachstumsschwäche, Fachkräftemangel, Bildungsdefizite und gesellschaftlichen Zusammenhalt diskutiere, lohne es sich, die religiöse Dimension nicht als Folklore abzutun. Sie gehöre, wie die neue Forschung zeige, zur Erklärungskraft moderner Ökonomik, fügte Becker hinzu.
Prof. Sascha Becker, 0044 7878 7578 11; s.o.becker@warwick.ac.uk
RFBerlin Research Insight: “Religion and Economic Growth: What We Know and Why It Matters”, von Sascha Becker, Jared Rubin und Ludger Wößmann;
veröffentlicht hier: https://www.rfberlin.com/research-insight/
https://www.aeaweb.org/articles?id=10.1257/jel.20231666 “Religion and Growth” von Becker, Sascha O., Rubin, Jared, & Woessmann, Ludger (2024), in: Journal of Economic Literature 62(3), 1094–1142,
Criteria of this press release:
Journalists, Scientists and scholars, all interested persons
Economics / business administration, Religion
transregional, national
Research results
German

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