Hof, 27.05.2026 – Mit einer gut besuchten Auftaktveranstaltung startete an der Hochschule Hof das neue Projekt „EnerTECH+ – Wissenstransfer für Zukunftstechnologien“. Ziel des zunächst auf drei Jahre angelegten Vorhabens ist es, aktuelles Forschungswissen gezielt in kleine und mittlere Unternehmen (KMU) zu transferieren und diese bei der Umsetzung zentraler Technologien der Energiewende zu unterstützen.
Hochschulpräsident Prof. Dr. Dr. h.c. Jürgen Lehmann ordnete in seiner Begrüßung die strategische Bedeutung des Projektes ein: „Energie ist weltweit eines der großen Megathemen unserer Zeit. Für uns ist das Thema in vielfacher Hinsicht interessant. Entscheidend ist dabei die Frage: Was braucht die Wirtschaft? Gleichzeitig wollen wir den Unternehmen auch neue Erkenntnisse aus der Forschung mitgeben.“ Ein zentraler Bestandteil des Projekts ist der Aufbau eines aktiven Netzwerks zwischen Forschung und Praxis. Unternehmen erhalten Zugang zu kostenfreien Weiterbildungs- und Informationsangeboten sowie zu einem kontinuierlichen fachlichen Austausch. Durch Workshops, Veranstaltungen und praxisnahe Formate sollen neue Technologien schneller in die Anwendung gelangen und damit ein konkreter Beitrag zur Transformation des Energiesystems geleistet werden.
Dr. Stefan Bayer, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Wasserstoff- und Energietechnik (iwe), betonte die gesellschaftliche Dimension der Energiewende: „Das reichste ein Prozent der Menschheit produziert so viel CO₂ wie die ärmsten 66 Prozent.“ Ziel des Projektes sei es deshalb, bayerischen Unternehmen praxisnahe Weiterbildungsmöglichkeiten in zukunftsweisenden Technologien zu bieten. Dazu sind jährlich zwei Netzwerktreffen mit den Themenschwerpunkten dezentrale Wasserstoffbereitstellung, Energieeffizienztechnologien und Energiespeichertechnologien vorgesehen. Projektbeteiligte sind neben Bayer auch iwe-Institutsleiter Prof. Dr.-Ing. Tobias Plessing, Diana Stein und Nicole Bierwert. Gefördert wird „EnerTECH+“ im Rahmen des Programms ESF+ STEP2 für Strategische Technologien.
Unternehmen gestalten Netzwerk aktiv mit
Im Rahmen der Auftaktveranstaltung wurden die inhaltlichen Schwerpunkte des Projekts, geplante Workshopformate sowie erste Angebote für Unternehmen vorgestellt. Nicole Bierwert informierte dabei über den Ablauf der Netzwerkentwicklung. In einer Design-Thinking-Phase konnten Unternehmen zudem eigene Ideen und Interessensgebiete einbringen und so die zukünftigen Inhalte des Netzwerks aktiv mitgestalten.
Wasserstoff, Energiespeicher und Energieeffizienz im Fokus
Inhaltlich konzentriert sich „EnerTECH+“ auf sogenannte STEP-Technologien, die wesentliche Herausforderungen der Energiewende adressieren – darunter Versorgungssicherheit, Systemstabilität und Ressourceneffizienz.
Das Projekt gliedert sich insbesondere in folgende Themenschwerpunkte:
• Dezentrale Wasserstoffbereitstellung
• Energiespeichertechnologien
• Energiesystembezogene Energieeffizienztechnologien
•
Dabei werden sowohl technologische Grundlagen als auch regulatorische und strategische Rahmenbedingungen vermittelt. Ziel ist es, Unternehmen Orientierung in einem dynamischen und zunehmend komplexen Marktumfeld zu geben.
Neues iwe-Gebäude als Innovationszentrum der Region
Prof. Dr.-Ing. Tobias Plessing, der auch neue Promotionsmöglichkeiten an der Hochschule Hof sowie die Tätigkeitsschwerpunkte des iwe vorstellte, verwies auf die Vorgängerprojekte „ADerN“, „EnerNET“ und „HyBaBo“, aus denen bereits ein wertvolles Netzwerk entstanden sei. „Mit EnerTECH+ führen wir diesen erfolgreichen Ansatz fort und stärken insbesondere den Wissens- und Erfahrungsaustausch zwischen Forschung und Wirtschaft“, so Plessing.
Zudem erläuterte er die Rolle des neuen iwe-Gebäudes, das künftig als zentraler Knotenpunkt des Netzwerks dienen soll. Das Gebäude verfügt unter anderem über eine modulare Forschungsfassade, ein Dachlabor, einen Erdbehälter für solare Eisspeicher, einen 140.000-Liter-Wärmespeicher zur autarken Wärmeversorgung, moderne Labore, einen Wärmepumpenprüfstand, eine Klimakammer, einen Großwärmespeicher sowie ein Kraft-Wärme-Kopplungslabor und vieles weitere mehr. Ziel sei es, das Gebäude eng mit der Region und den Netzwerkpartnern zu verknüpfen. Robin Fick vom iwe stellte die Energieversorgung und technische Konzeption des Neubaus näher vor.
Herausforderungen beim Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft
Praxisnahe Einblicke boten auch die Fachvorträge externer Experten. Dr.-Ing. Andy Gradel, Geschäftsführer von, sprach zum Thema „Wasserstoffbereitstellung zwischen Politik, Markt und Technologie“. Er erläuterte die aktuellen Herausforderungen beim Markthochlauf der Wasserstoffwirtschaft. Anschaffung und Infrastruktur seien weiterhin sehr kostenintensiv. Als zentrale Herausforderungen bezeichnete er das bekannte „Henne-Ei-Problem“: „Krankt die Tankstelleninfrastruktur daran, dass der Fahrzeugbestand so niedrig ist oder ist es genau umgekehrt?“
Auch regulatorische Vorgaben wie die RFNBO-Kriterien, gekürzte Förderprogramme und ein durch Betrugsfälle belasteter THG-Quotenmarkt hätten den Hochlauf gebremst. Hoffnung setzt Gradel unter anderem auf eine Reform des THG-Quotensystems, neue Förderprogramme, den Aufbau von Importmärkten sowie beschleunigte Genehmigungsverfahren durch das Wasserstoffbeschleunigungsgesetz.
Forschung zu Energiespeichern und Wasserstofftechnologien
Einen weiteren Schwerpunkt bildeten Energiespeichertechnologien. Alexander Feldner und Nora Elhaus stellten aktuelle Entwicklungen in Forschung, Regulierung und Umsetzung vor. Feldner, der Energietechnik an der FAU Erlangen-Nürnberg studierte und seit 2021 am Lehrstuhl für Energieverfahrenstechnik forscht, beschäftigt sich insbesondere mit der katalytischen Energieumwandlung und der Umwandlung von Biogas zu Wasserstoff und Methan. Im Vortrag wurden unterschiedliche Speichertechnologien – von Pumpspeicherkraftwerken bis Batteriespeichern – ebenso thematisiert wie Verfahren der Wasserstoffherstellung, etwa Elektrolyse, thermochemische Verfahren oder Methanisierung. Dabei wurde deutlich: Der Bedarf an Speichertechnologien zur Überbrückung von Phasen geringer erneuerbarer Energieeinspeisung wird künftig massiv steigen. Zudem erläuterten die Referenten regulatorische Rahmenbedingungen.
Beitrag zur regionalen und überregionalen Energiewende
Das Projekt „EnerTECH+“ wird im Rahmen des Europäischen Sozialfonds Plus (ESF+) gefördert und setzt gezielt an einer zentralen Herausforderung der Energiewende an: dem Transfer von wissenschaftlichen Erkenntnissen in die praktische Anwendung. Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen sollen frühzeitig Zugang zu fundiertem Technologie-Know-how erhalten und so in die Lage versetzt werden, Innovationspotenziale realistisch zu bewerten und umzusetzen.
Mit „EnerTECH+“ baut die Hochschule Hof ihre Aktivitäten im Bereich des Wissens- und Technologietransfers weiter aus. Das Institut für Wasserstoff- und Energietechnik (iwe) verfolgt dabei das übergeordnete Ziel, innovative Energietechnologien aus der Forschung schneller in die Praxis zu überführen und so die Energiewende aktiv mitzugestalten.
Nächste Veranstaltungen
Im Rahmen der Bayerischen Energietage präsentiert das Institut für Wasserstoff- und Energietechnik der Hochschule Hof (iwe) am Samstag, den 18. Juli, von 10 bis 16 Uhr das Projekt EnerTECH+ einer breiten Öffentlichkeit. Die Veranstaltung mit dem Titel „Energiewende zum Anfassen“ findet auf dem Gelände neben der Sommergaststätte am Untreusee („Die Wertschaft“) statt und wird gemeinsam mit dem Kompetenznetzwerk Wasser und Energie e.V., der Klimaschutzkoordination des Landkreises Hof und der Energieagentur Oberfranken e.V. ausgerichtet. Interessierte Besucherinnen und Besucher erhalten dabei kostenfrei einen praxisnahen Einblick in aktuelle Entwicklungen, innovative Technologien und Zukunftsperspektiven der Energiebranche.
Ein weiterer Meilenstein des Projekts ist das geplante Netzwerktreffen am 11. November 2026 am Standort der Firma Wilo in Hof. Dort sollen die drei Clusterbereiche von EnerTECH+ zusammengeführt und der interdisziplinäre Austausch zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und regionalen Akteuren gezielt weiterentwickelt werden.
Prof. Dr.-Ing. Tobias Plessing
Teilnehmende des EnerTech+-Auftakts an der Hochschule Hof;
Source: Hochschule Hof
Criteria of this press release:
Business and commerce, Journalists, Scientists and scholars, Students, Teachers and pupils, all interested persons
Economics / business administration, Energy
regional
Cooperation agreements, Transfer of Science or Research
German

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