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06/08/2026 13:30

Hormon als Booster bei antidepressiver Behandlung

Markus Heggen GB Unternehmenskommunikation
Charité – Universitätsmedizin Berlin

    Bei einigen Menschen mit Depression wirken herkömmliche Therapien nicht ausreichend. Trotz der konsequenten Einnahme antidepressiver Medikamente bestehen die Symptome weiter. Mediziner:innen sprechen dann von einer "behandlungsresistenten" Depression. Für Betroffene ist diese Situation frustrierend und belastend. Ein Anliegen der Forschung ist daher, wirksame Zusatzbehandlungen zu finden. Manches deutet darauf hin, dass ein auch als Anti-Aging-Produkt vermarkteter Botenstoff, das Hormon DHEA, die Behandlung schwerer Depressionen unterstützen könnte. Ob dem so ist, wollen Forschende der Charité – Universitätsmedizin Berlin jetzt in einer groß angelegten klinischen Studie herausfinden.

    Charité-Studie prüft Zusatzbehandlung mit dem körpereigenen Hormon DHEA

    Depressionen zählen zu den häufigsten Erkrankungen weltweit. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind sie eine der Hauptursachen der weltweiten Krankheitslast. In der Regel lassen sich Depressionen gut behandeln, meist durch eine Kombination aus Psychotherapie und Medikation. Doch was, wenn diese Standardbehandlungen nicht ausreichend wirken?

    Ein körpereigenes Hormon als Unterstützung

    Es gibt Hinweise aus vorangegangenen Forschungen darauf, dass das körpereigene Hormon DHEA, oder auch Dehydroepiandrosteron, eine hilfreiche Ergänzungstherapie in der Behandlung von Depressionen sein könnte. DHEA ist ein Botenstoff, der ganz natürlich in unserem Körper produziert wird – hauptsächlich in den Nebennieren. Es fungiert als eine Art Vorstufe für andere wichtige Hormone wie Testosteron und Östrogen, die vielfältige Aufgaben im Körper erfüllen. Etwa ab dem 25. bis 30. Lebensjahr sinkt der körpereigene DHEA-Spiegel allerdings kontinuierlich. Aus diesem Grund wird das Hormon auch als Nahrungsergänzungsmittel zur Leistungs- und Stimmungssteigerung oder als „Jungbrunnen“ vermarktet, insbesondere in den USA. In Deutschland ist es dagegen als Medikament eingestuft.

    „Es ist bekannt, dass Menschen mit Depression häufig niedrigere DHEA-Spiegel im Körper haben als gesunde Personen. Erste Studien legen zudem nahe, dass die Gabe von DHEA depressive Symptome verbessern könnte. Allerdings gibt es dazu aktuell noch keine wirklich klinisch aussagekräftigen Daten“, erklärt Prof. Christian Otte, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Campus Benjamin Franklin der Charité. „Was seine tatsächlichen medizinischen Wirkungen sind, und ob DHEA eine antidepressive Behandlung effektiv unterstützen kann, prüfen wir deshalb jetzt in einer klinischen Studie unter der Beteiligung von insgesamt neun deutschen Zentren.“ Neben der Frage, ob DHEA im Gehirn antidepressiv wirkt, untersuchen die Forschenden mögliche weitere Effekte, etwa positive Auswirkungen auf den Stoffwechsel, auf Blutfette oder den Blutzucker. Unterstützt wird das Vorhaben durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) mit rund 2,3 Millionen Euro.

    Studiendesign nach dem „Goldstandard“ der Forschung

    Angelegt ist die Studie für Menschen, bei denen bisherige medikamentöse Behandlungen nicht ausreichend gewirkt haben. Teilnehmende erhalten zusätzlich zu ihrer bestehenden antidepressiven Behandlung sechs Wochen lang entweder das Hormon DHEA oder ein Placebo, also ein Scheinmedikament. Weder die Teilnehmenden noch die Studienärzt:innen wissen, wer das echte Hormon und wer das Placebo bekommt, entschieden wird per Zufallsprinzip. Diese in der Wissenschaft als „doppelblinde, randomisierte“ Studie bekannte Methode gilt als Goldstandard der Therapieforschung. Sie stellt sicher, dass die Ergebnisse nicht durch Erwartungen beeinflusst werden und zeigt daher zuverlässig, ob DHEA tatsächlich einen zusätzlichen Nutzen bei der Behandlung von Depressionen hat oder nicht.

    Während der sechswöchigen Behandlung finden insgesamt fünf Kontrolltermine statt. Mithilfe standardisierter klinischer Untersuchungen und Fragebögen wird erfasst, ob und wie sich die depressiven Symptome verändern. „Sollten sich die positiven Effekte von DHEA in der Studie bestätigen, könnte dies langfristig zu verbesserten Behandlungsmöglichkeiten für Menschen mit Depressionen beitragen – insbesondere für diejenigen, bei denen bisherige Therapien nicht ausreichend wirken“, so Christian Otte. Senkt DHEA auch das Risiko für Stoffwechselerkrankungen und Herz-Kreislauferkrankungen, wäre das für Betroffene ein zusätzlicher gesundheitlicher Nutzen.


    Contact for scientific information:

    Prof. Christian Otte
    Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
    Campus Benjamin Franklin
    Charité – Universitätsmedizin Berlin
    T: +49 30 450 517 501
    christian.otte@charite.de


    More information:

    https://psychiatrie.charite.de/metas/person/person/address_detail/univ_prof_dr_m...


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    Criteria of this press release:
    Journalists, Scientists and scholars
    Medicine, Psychology
    transregional, national
    Research projects
    German


     

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