Circular-C ist ein Forschungs- und Innovationsprojekt, das die Entwicklung einer neuen Generation kreislauffähiger, nachhaltiger und biobasierter Klebstoffe, Beschichtungen, Schaumstoffe und funktionalisierter Fasern für Holz- und Faserplatten vorantreibt. Diese sollen in Fußböden, Möbeln und Dämmstoffen eingesetzt werden. Das Projekt wird von der Europäischen Kommission im Rahmen von Horizon Europe gefördert.
Das Steinbeis Europa Zentrum hat das Konsortium von Circular-C erfolgreich bei der Antragstellung begleitet. Die Evaluierung ergab 15/15 Punkten. Als einer der zehn Projektpartner übernimmt es nun die Aufgabe der Kommunikation, Verbreitung, das Stakeholder-Engagement und gemeinsam mit Soprema die Verwertung der Projektergebnisse.
Am 10. Juni 2026 traf sich das Konsortium und markierte den erfolgreichen Abschluss des ersten Projektjahres. Die Partner aus sieben Ländern tauschten sich über die Fortschritte aus, diskutierten Herausforderungen und Chancen und einigten sich auf die nächsten Schritte.
Das Projekt Circular-C
Zur Entwicklung der chemischen Formulierungen wird in Circular-C nachhaltige Biomasse aus land- und forstwirtschaftlichen Rückständen zunächst in Zellstoff, Hemicellulosehydrolysat und Lignin fraktioniert. Durch weiteres Lignin-Tailoring (Fraktionierung) und Depolymerisation sowie die Herstellung von Furfural und Maleinsäureanhydrid aus Hemicellulosezuckern entstehen vielseitige und leistungsfähige Komponenten. Diese Bausteine beherbergen das Potenzial, Formaldehyd und Phenol in duroplastischen Klebstoffen zu ersetzen sowie thermoreversible Klebstoffe herzustellen und somit die Recyclingfähigkeit der Endprodukte zu steigern. Darüber hinaus können sie fossile Komponenten bei der Synthese von PU-Schaumstoff und Beschichtungen ersetzen.
Das Ziel des Projekts besteht darin, Recycling von Holz- und Faserplatten zu erleichtern und somit den Bedarf an Frischholz im Bausektor zu verringern. Zudem werden für die bei der Wiederverwertung von Holz- und Faserplatten anfallenden minderwertigen Materialien Sekundärmärkte erschlossen. Um das Recycling zu erleichtern und mehr Transparenz in der gesamten Wertschöpfungskette zu schaffen, wird außerdem ein digitaler Produktpass eingeführt, welcher den gesamten Produktionsprozess von Kopf bis Fuß abbildet und kritische Informationen für Recyclingdienstleister liefert.
Erste Resultate
Im ersten Jahr hat Circular-C den Schritt von der nachhaltigen Rohstoffverarbeitung zur Materialentwicklung vollzogen. Buche, Birke, Weizenstroh und Miscanthus wurden zu Zellstoff, Hemicellulose-Zucker und Lignin fraktioniert und bildeten so die Grundlage für biobasierte Harze, Beschichtungen, Klebstoffe und Schaumstoffe. Die Partner trieben die Prozessierung von Lignin durch weitere Fraktionierung und Depolymerisation sowie die Furfuralproduktion und die Gewinnung von Maleinsäureanhydrid voran. Gleichzeitig finden Tests zur Veredelung und chemischen Modifizierung der Zellstoffe statt. Zu den ersten Ergebnissen zählen ligninbasierte, duroplastische Klebstoffe, die relevante Leistungsstandards erfüllen, thermoreversible Klebstoffsysteme mit vielversprechender Wiederaufarbeitbarkeit, selbstlöschende, flammhemmende Beschichtungen sowie antibakterielle Lignin-Nanopartikel-Dispersionen. Zudem haben die Partner damit begonnen, Lignin mit zyklischen Carbonat-Linkern zu PU-freien Dämmschaumstoffe zu verarbeiten.
Kreislauforientierte Wertschöpfungsketten und Schaffung von Transparenz
Das Konsortium hat zudem wichtige Grundlagen für Zerlegung, Recycling, Rückverfolgbarkeit und die Einbindung von wichtigen Interessensgruppen in den Entwicklungsprozess geschaffen. Darüber hinaus wurden Synergien mit ähnlichen Initiativen aufgebaut, um Informationen über geeignete Technologien für die mechanische Zerkleinerung von Endprodukten zu Recyclingzwecken zu auszutauschen und zu identifizieren. Erste Tests mit recyceltem Material geringerer Qualität zeigten Potenzial für die Weiterverarbeitung von Papierbögen und geformten Zelluloseprodukten, einschließlich Verpackungsanwendungen. Darüber hinaus hat Circular-C einen Meilenstein bei der Entwicklung seines „Digital Product Passport“ erreicht. Gemeinsam mit Interessengruppen wurden die Grundlagen für das Produktinformationssystem geschaffen. Erste Mock-ups, Prototypen und Konzepte für Produktetiketten wurden erstellt, während verschiedene Kennzeichnungsansätze untersucht werden, um künftig Transparenz entlang der gesamten Lieferkette zu gewährleisten.
Höhepunkt des Meetings: Workshop zur Nachhaltigkeitsbewertung
Ein Höhepunkt der Sitzung war der von TNO durchgeführte Workshop zur Bewertung von „Safe-and-Sustainable-by-Design“ (SSbD). Dabei wurden die Grenzen der techno-ökonomischen Bewertung, sowie zentrale Prozessannahmen und Referenzsysteme für die Wertschöpfungsketten des Projekts festgelegt. So können Verbesserungspotenziale, beispielsweise beim Einsatz von Lösungsmitteln oder kritischen Rohstoffen, frühzeitig identifiziert werden. Es wird außerdem sichergestellt, dass Nachhaltigkeitsaspekte in alle im Rahmen von „Circular-C“ angestrebten Entwicklungen konstant einfließen.
Nächste Schritte
In den kommenden Monaten wird das Konsortium verschiedene Prozesse und Materialien weiter optimieren. Dazu gehören die Fraktionierung von Biomasse, Materialrezepturen, Recyclingwege und Produktinformationssysteme. Ziel ist es, ausgewählte Ergebnisse für eine Validierung im größeren Maßstab und die künftige Nutzung vorzubereiten.
Kontakt
Dr. Kai Miadowitz,
E-Mail: kai.miadowitz@steinbeis-europa.de
Dr. Kelly Servaes - VITO NV, Circular-C Koordinator
Dr. Kelly Servaes - VITO NV, Circular-C Koordinator, Tel. +32 14335615 | E-mail: Circular-c@vito.be
https://circular-c.eu/ - Projektwebsite
Criteria of this press release:
Journalists, Scientists and scholars
Construction / architecture, Economics / business administration, Environment / ecology, Materials sciences, Zoology / agricultural and forest sciences
transregional, national
Research projects, Transfer of Science or Research
German

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