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07/21/2026 10:26

»SilverCruiser« soll älteren Menschen flexible Mobilität im ländlichen Raum ermöglichen

Michael Kraft Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS

    Ein besonders ergonomisches, leichtes und nachhaltiges Leichtelektrofahrzeug hat das Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS gemeinsam mit Partnern aus Mitteldeutschland entwickelt. Der »SilverCruiser« soll vor allem die Mobilität älterer Menschen im ländlichen Raum unterstützen. Der Prototyp ist bereits bei Testgruppen im Einsatz.

    Ältere Menschen auf dem Land sind hinsichtlich ihrer Mobilität mehrfach benachteiligt. Meist gibt es ein geringeres Angebot, etwa nur ein sehr dünnes ÖPNV-Netz. Oft sind die Wege für tägliche Erledigungen länger als in der Stadt, vom Einkauf über den Arztbesuch oder den Zwischenstopp in der Postfiliale bis zum Einlösen eines Rezepts in der Apotheke. Altersbedingte Einschränkungen erschweren die Nutzung des bestehenden Angebots zusätzlich, denn rund ein Fünftel der Seniorinnen und Senioren ist mobilitätseingeschränkt. Dazu kommt: Ältere haben seltener einen Führerschein und nutzen seltener Car-Sharing-Angebote als jüngere Menschen.

    Dabei ist individuelle Mobilität ein wichtiges Element für Lebensqualität, für die Gestaltung des Alltags und die Pflege sozialer Kontakte. Ältere Menschen wollen möglichst lange im eigenen Zuhause leben, auch mit Pflegebedarf. Altersgerechte Mobilitätslösungen sind deshalb ein Wachstumsmarkt, und insbesondere für den ländlichen Raum, wo der demografische Wandel besonders spürbar ist und erhebliche Strukturveränderungen mit sich bringt, ist der Bedarf erheblich: Für ein Drittel der über 65-Jährigen in Deutschland ist der Weg zum nächsten Supermarkt mehr als einen Kilometer weit, ca. 6,5 Millionen Menschen in dieser Altersgruppe leben im ländlichen oder sehr ländlichen Raum.

    Eine vielversprechende Lösung können hier Leichtelektrofahrzeuge (LEV) sein. LEV sind günstiger, ergonomischer und nachhaltiger als andere Mobilitätsoptionen, zudem können sie ohne Führerschein genutzt werden und bringen kaum Wartungskosten mit sich. Diesen Ansatz haben das Fraunhofer IMWS, die FVK Dessau GmbH und die AG Versorgungsforschung aus dem Department für Innere Medizin der Universitätsmedizin Halle in einem gemeinsamen Forschungsprojekt verfolgt. Eine flexible Leichtfahrzeugplattform, die in einem Vorgängerprojekt entwickelt und bereits erfolgreich im Logistikbereich erprobt wurde, haben sie für die alterstaugliche Individualmobilität weiterentwickelt.

    In das Fahrzeugkonzept sind die spezifischen Bedarfe älterer Menschen auf dem Land eingeflossen, etwa Mobilitätsmuster und typische Nutzungsszenarien. Daraus haben die Projektpartner den seniorengerechten LEV-Prototyp mit dem Arbeitstitel »SilverCruiser« umgesetzt. In wissenschaftlich fundierteren Feldtests wurden Praxistauglichkeit und Akzeptanz analysiert. Auch die Nutzerinnen und Nutzer wurden befragt und in einem co-kreativen Prozess einbezogen, um sicherzustellen, dass die neuen Mobilitätslösungen bedarfsgerecht sind. Dazu kooperierten die Projektpartner mit dem Seniorenverein Nauendorf (Wettin-Löbejün). Im nächsten Schritt soll das Fahrzeug in Kleinserie gefertigt werden.

    »Bei Bedarf auch einmal spontan von A nach B zu kommen, alltägliche Erledigungen eigenständig zu bewältigen und das eigene Umfeld aktiv zu erschließen, ist zentral für die soziale Teilhabe im Alter. Mit dem LEV können wir hier wichtige Unterstützung bieten, auch für eine verbesserte häusliche Pflege«, sagt Sven Wüstenhagen, der das Projekt am Fraunhofer IMWS leitet.

    Der »SilverCruiser« bietet Platz für drei Personen und kann zusätzlich zum Elektroantrieb auch mit Pedalen betrieben werden, was die Fitness verbessern kann. Das Fahrzeug stellt altersgerechte Ergonomie in den Mittelpunkt: Der Einstieg ist sowohl in aufrechter Köperhaltung mit Gehhilfen möglich als auch über eine flache Rampe mit Rollstuhl. Die Höhe des Fahrzeugaufbaus bietet große Bewegungsfreiheit und genug Raum etwa für das Verstauen von Einkäufen. Es gibt einen planaren Fahrzeugboden, hohe Sitzmöglichkeiten und eine durchgehende Reling.

    »Die Verbesserung des Mobilitätsangebots leistet dabei auch einen Beitrag zur positiven Gestaltung des Strukturwandels in Sachsen-Anhalt, ebenso wie die Herstellung des Fahrzeugs in der Region«, sagt Wüstenhagen. Das Fraunhofer IMWS unterstützt dabei sowohl in der Entwicklung des Elektrofahrzeugs in Faserverbundbauweise als auch bei der Praxiserprobung.

    Aus den Ergebnissen sollen Lösungsstrategien entwickelt werden, die sich auch auf andere ländliche Räume übertragen lassen, so Wüstenhagen: »Wir wollen beispielsweise herausfinden, wie groß die Nachfrage und Akzeptanz ist. Dabei nehmen wir auch bereits Fragen wie Assistenzsysteme oder für Muskelkraft elektrische Fahrzeuge spezifische Aspekte in den Blick. Beispielsweise wird im Rahmen der Pflegeforschung ein Ansatz diskutiert, muskelkraft-elektrische Fahrzeuge als Therapiehilfen zur Rehabilitation nach Schlaganfällen weiter zu entwickeln. Ebenso wird die Integration von LEV in seniorengerechte Sharing-Angebote oder ÖPNV-Netzwerke untersucht. So können neue Geschäftsmodelle entstehen und zugleich ältere Menschen in ihrem Alltag unterstützt werden.«


    Contact for scientific information:

    Sven Wüstenhagen, Gruppe »Nachhaltige Werkstoffe und Prozesse«, Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS, Walter-Hülse-Straße 1, 06120 Halle (Saale), Telefon +49 345 5589-228, sven.wuestenhagen@imws.fraunhofer.de


    More information:

    https://www.imws.fraunhofer.de/de/kompetenzfelder/Kunststoffe_1/aktuelle-forschu...


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    Der Prototyp des Leichtelektrofahrzeugs kommt bereits bei Testfahrten zum Einsatz.
    Der Prototyp des Leichtelektrofahrzeugs kommt bereits bei Testfahrten zum Einsatz.

    Copyright: Fraunhofer IMWS


    Criteria of this press release:
    Journalists
    Materials sciences, Nutrition / healthcare / nursing, Traffic / transport
    transregional, national
    Research results
    German


     

    Der Prototyp des Leichtelektrofahrzeugs kommt bereits bei Testfahrten zum Einsatz.


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