idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Instance:
Share on: 
07/22/2026 09:00

Rund die Hälfte der Studierenden nutzt KI täglich

Jan Thiemann Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
CHE Centrum für Hochschulentwicklung

    Künstliche Intelligenz ist vom gelegentlichen Hilfsmittel zum festen Bestandteil des Studienalltags geworden. Vier von fünf Studierenden verwenden KI-Tools mindestens wöchentlich, 47 % sogar täglich. Die Angebote ihrer Hochschulen zum Erwerb von KI-Kompetenzen bewerten sie jedoch weiterhin nur mäßig. Für die Nutzung von KI bei Prüfungen zeigt sich ein breites Meinungsbild, weniger als die Hälfte der Studierenden steht diesem Punkt offen gegenüber. Das zeigt eine der größten Befragungen an deutschen Hochschulen des CHE zu diesem Thema. Hierfür wurden im Rahmen des CHE Hochschulrankings im WS 2025/26 mehr als 28.000 Studierende der wirtschafts- und rechtswissenschaftlichen Fächer befragt.

    Vier von fünf Studierenden verwenden ChatGPT & Co. mindestens wöchentlich für Studienzwecke

    Fast die Hälfte der Studierenden (46,5 %) nutzt Künstliche Intelligenz, kurz KI, im Studium täglich. Bei der Befragung im Jahr zuvor war es mit 24,9 Prozent noch ein Viertel. Weitere 34,5 Prozent greifen mindestens wöchentlich darauf zurück. Lediglich 2,4 Prozent geben an, KI im Studium nie zu verwenden. Im Jahr zuvor lag der Anteil noch bei 6,1 Prozent.

    Aufgrund der unterschiedlichen Fächerzusammensetzung in den Erhebungen der beiden Jahre ist die Veränderung laut der Autor*innen des DatenCHECKS vorsichtig zu interpretieren. Sie könne aber auf eine wachsende Offenheit für den Einsatz von KI zu Studienzwecken hinweisen.

    Am häufigsten kommt KI für allgemeine Recherchen und zur Gewinnung eines ersten Überblicks über ein Thema zum Einsatz. Ebenfalls verbreitet ist die Nutzung für Brainstorming sowie als digitaler Lernpartner oder Tutor. Für die Textgenerierung wird KI dagegen laut Angaben der befragten Studierenden deutlich seltener regelmäßig verwendet.

    „Künstliche Intelligenz ist aus dem Studienalltag vieler Studierender kaum noch wegzudenken“, sagt Nina Horstmann, Expertin für empirische Methoden am CHE. „Für Hochschulen stellt sich deshalb nicht mehr die Frage, ob KI genutzt wird, sondern wie ihr Einsatz sinnvoll, lernförderlich und verantwortungsvoll gestaltet werden kann.“

    Große Unterschiede zwischen den Studienfächern

    Wie intensiv Studierende KI verwenden, hängt stark vom Studienfach ab. In der Wirtschaftsinformatik, der Wirtschaftspsychologie, dem Wirtschaftsingenieurwesen und der Betriebswirtschaftslehre nutzen mehr als neun von zehn Befragten KI mindestens wöchentlich. In der Sozialen Arbeit liegt der Anteil bei rund 69 Prozent, in der Rechtswissenschaft bei rund 53 Prozent.

    Auch die Einsatzbereiche unterscheiden sich: In der Wirtschaftsinformatik wird KI häufig für Programmieraufgaben eingesetzt, in der Wirtschaftspsychologie besonders oft für Brainstorming. Die Rechtswissenschaft weist über nahezu alle Anwendungsbereiche hinweg vergleichsweise niedrige Nutzungswerte auf.

    Geteilte Meinungen zum KI-Einsatz in Prüfungen

    Bei der Frage, ob KI auch für Prüfungsleistungen wie Hausarbeiten oder Referate verwendet werden darf, zeigt sich ein breites Meinungsbild: 46 Prozent stimmen einer erlaubten Nutzung eher oder vollständig zu. 31 Prozent lehnen sie hingegen (eher) ab, weitere 24 Prozent sind unentschlossen.

    Besonders zurückhaltend sind Studierende der Rechtswissenschaft. Dort steht nur etwas mehr als ein Viertel einer KI-Nutzung für Prüfungsleistungen offen gegenüber. In den Fächern Wirtschaftspsychologie, Betriebswirtschaftslehre, Wirtschaftsinformatik und Wirtschaftsrecht stimmt hingegen die Hälfte der Studierenden einem diesbezüglichen Einsatz von KI (eher) zu.

    KI-Kompetenzvermittlung bleibt ausbaufähig

    Das Angebot ihrer Hochschule oder ihres Fachbereichs zum Erwerb von KI-Kompetenzen bewerten die Studierenden im Durchschnitt mit 3,3 von 5 Sternen. Knapp 46 Prozent vergeben vier oder fünf Sterne, rund 30 Prozent lediglich einen oder zwei. Die besten Bewertungen erhält die Wirtschaftsinformatik. Deutlich kritischer urteilen Studierende der Rechtswissenschaft und der Sozialen Arbeit.

    Zugleich erwartet mehr als die Hälfte aller befragten Studierenden zusätzliche Lernangebote sowie eine stärkere Thematisierung von KI in der Lehre. 70 Prozent wünschen sich klare Richtlinien für den ethischen Umgang mit KI und den Schutz persönlicher Daten.

    „Die Förderung KI-bezogener Kompetenzen sollte systematisch curricular verankert und in die reguläre Fachlehre integriert werden“, sagt Nina Horstmann. „Entscheidend ist dabei nicht nur die technische Anwendungskompetenz, sondern ein kritisch-reflektierter, verantwortungsvoller und selbstbestimmter Umgang mit KI.“

    Über den DatenCHECK

    Grundlage der Auswertung ist eine der größten Befragungen an deutschen Hochschulen zum Thema KI im Rahmen des CHE Hochschulrankings im Wintersemester 2025/26. Insgesamt machten 28.584 Studierende gültige Angaben zu den zusätzlichen Fragen zur Nutzung Künstlicher Intelligenz im Studium. Untersucht wurden die Fächer Betriebswirtschaftslehre, Rechtswissenschaft, Soziale Arbeit, Volkswirtschaftslehre, Wirtschaftsinformatik, Wirtschaftsingenieurwesen, Wirtschaftspsychologie, Wirtschaftsrecht und Wirtschaftswissenschaften sowie weitere Studiengänge aus diesem Fächerspektrum. Befragt wurden Studierende in grundständigen Studiengängen ab dem dritten Fachsemester bis einschließlich zwei Semester über der Regelstudienzeit an 194 Hochschulen in Deutschland und acht Hochschulen in Österreich. Die Ergebnisse zu Nutzungshäufigkeit, Anwendungszwecken, hochschulischen Angeboten und Erwartungen können im interaktiven DatenCHECK nach Fächern analysiert werden. Autor*innen des „DatenCHECK – Künstliche Intelligenz im Studium – Die Sicht der Studierenden im Wintersemester 2025/26“ sind Nina Horstmann und Marc Hüsch vom CHE Centrum für Hochschulentwicklung sowie Andreas Breiter von der Universität Bremen.

    Über das CHE:

    Das CHE Centrum für Hochschulentwicklung ist ein führender Think Tank für die Hochschullandschaft mit mehr als 30 Jahren Erfahrung. Im deutschen Hochschulsystem ist der Ansatz des CHE einzigartig: Es kombiniert empirische Evidenz, Lösungsentwicklung und Umsetzung unter einem Dach. Der Sitz der gemeinnützigen Einrichtung ist in Gütersloh. Gesellschafter sind die Bertelsmann Stiftung und die Hochschulrektorenkonferenz.


    Contact for scientific information:

    Dr. Nina Horstmann
    Senior Expert Empirische Methoden, Autorin DatenCHECK
    CHE Centrum für Hochschulentwicklung
    Tel. 05241-9761-64
    E-Mail: nina.horstmann@che.de


    Original publication:

    Horstmann, Nina; Hüsch, Marc; Breiter, Andreas: DatenCHECK 9/2026: Künstliche Intelligenz im Studium – die Sicht von Studierenden im Wintersemester 2025/26, CHE, Gütersloh – veröffentlicht am 22. Juli 2026 auf www.hochschuldaten.de https://hochschuldaten.che.de/kuenstliche-intelligenz-im-studium-die-sicht-von-s...


    More information:

    https://hochschuldaten.che.de/kuenstliche-intelligenz-im-studium-die-sicht-von-s... - Link zum interaktiven DatenCHECK


    Images

    Criteria of this press release:
    Journalists, Scientists and scholars, Students, Teachers and pupils, all interested persons
    interdisciplinary
    transregional, national
    Research results, Studies and teaching
    German


     

    Help

    Search / advanced search of the idw archives
    Combination of search terms

    You can combine search terms with and, or and/or not, e.g. Philo not logy.

    Brackets

    You can use brackets to separate combinations from each other, e.g. (Philo not logy) or (Psycho and logy).

    Phrases

    Coherent groups of words will be located as complete phrases if you put them into quotation marks, e.g. “Federal Republic of Germany”.

    Selection criteria

    You can also use the advanced search without entering search terms. It will then follow the criteria you have selected (e.g. country or subject area).

    If you have not selected any criteria in a given category, the entire category will be searched (e.g. all subject areas or all countries).