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08/17/2026 11:36

Landschaftsbrände: Neues Positionspapier empfiehlt Integriertes Feuermanagement und eine nationale Konferenz

Claudia Dolle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Chemie

    Zur Unterstützung politischer Entscheidungen legt das Global Fire Monitoring Center des Max-Planck-Instituts für Chemie und der Universität Freiburg ein Positionspapier mit einer Neubewertung der Landschaftsbrände in Deutschland vor – verbunden mit der Empfehlung, eine fachübergreifende nationale Klimakonferenz einzurichten.

    - Gemeinsame Pressemitteilung des Max-Planck-Instituts für Chemie und der Universität Freiburg -

    • Neubewertung der Brandrisiken in Deutschland: Brände betreffen zunehmend auch Landschaften außerhalb von Wäldern, wie Siedlungsränder, Heiden und landwirtschaftliche Flächen.
    • Es werden unter anderem mehr Präventionsmaßnahmen und eine nationale Konferenz zur Klimakrise empfohlen.

    Derzeit werden täglich verheerende Brände in Südeuropa und Nordamerika gemeldet. Doch auch hierzulande steigt die Brandgefahr. Brände in Deutschland betreffen nicht nur Wälder: Sie greifen zunehmend auch auf Offenland-Ökosysteme über, darunter Naturschutzgebiete, Moore, Heiden, landwirtschaftliche Flächen und Randzonen von Ortschaften. Das Global Fire Monitoring Center (GFMC) – eine gemeinsame Einrichtung des Max-Planck-Instituts für Chemie und der Universität Freiburg – hat daher nun eine umfassende Neubewertung der Landschaftsbrände in Deutschland veröffentlicht. Darin empfiehlt es eine grundlegende Neuausrichtung der politischen und administrativen Ansätze des Feuermanagements.

    Landschaftsbrände sind mehr als nur Waldbrände

    Der Begriff „Landschaftsbrand“ wurde vom GFMC eingeführt, um die komplexe Realität zu beschreiben, dass Brände heute oft über verschiedene Landschaftselemente hinweg brennen. „Die bisherige Fokussierung auf Waldbrände ist zu eng“, betont der Leiter des GFMC, Prof. Johann Georg Goldammer. „Deutschland ist zwar zu knapp einem Drittel von Wald bedeckt. 50 Prozent der Fläche werden jedoch landwirtschaftlich genutzt und weitere vier Prozent sind Offenlandflächen wie Moore und Heiden. Alle sind durch Brände gefährdet. Doch es gibt bislang keine systematische Erfassung von Bränden außerhalb der Wälder.“

    Erste Satellitendaten, die das GFMC analysiert hat, zeigen: Seit einigen Jahren sind außerhalb von Wäldern deutlich größere Flächen von Bränden betroffen als in Wäldern selbst. „Diese Daten erfordern jedoch eine differenzierte Betrachtung, denn nicht jeder Brand im Offenland verursacht einen ökologischen Schaden und nicht jede in den Waldbranddatensätzen erfasste Fläche ist tatsächlich Wald. In den Datensätzen sind teilweise auch Nichtwaldflächen enthalten, in denen Feuer sogar eine wichtige Rolle für den Erhalt der Artenvielfalt spielen kann. So werden beispielsweise artenreiche Heiden durch kontrolliertes Brennen vor Wiederbewaldung bewahrt“, sagt Goldammer.

    Positionspapier berücksichtigt volkswirtschaftliche Schäden von Landschaftsbränden

    Das Positionspapier weist zudem auf volkswirtschaftliche Schäden hin, die in den Waldbrandstatistiken nicht vollständig erfasst werden. Die Statistik erfasst beispielsweise weder die Bekämpfungskosten noch den Verdienstausfall für freiwillige Feuerwehrleute.

    In diesem Zusammenhang verweist das Papier auf den im Juni 2026 veröffentlichten Global Landscape Fire Fatalities and Damages Report 2025, in dem das GFMC die weltweiten Auswirkungen von Landschaftsbränden dokumentiert. Wie in den Vorjahren nennt der Bericht auch Todesopfer, Verletzte, Evakuierungen sowie zerstörte Gebäude und Infrastruktur durch weltweite Landschaftsbrände. Weiterhin verweist der Bericht auf Studien, die die Auswirkungen von Landschaftsbränden auf die Gesundheit und Sicherheit der Bevölkerung untersuchen.

    Fokus auf notwendige präventive Maßnahmen legen

    „Die politische Debatte in Deutschland muss sich von der alleinigen Betrachtung von Waldbränden lösen“ , heißt es in der Neubewertung der Landschaftsbrände des GFMC vom 23. Juli 2026. Stattdessen sei ein ganzheitlicher, interdisziplinärer Ansatz notwendig, der die Brandanfälligkeit der facettenreichen Kultur- und Industrielandschaft Deutschlands als Querschnittsaufgabe versteht. Diese könne nur kooperativ zwischen den verschiedenen Verwaltungsebenen, sektoralen Institutionen und der Zivilgesellschaft geregelt werden.

    Ein zentrales Instrument dafür sei, die Prinzipien des Integrierten Feuermanagements anzuwenden, die international zunehmend als strategische Leitlinien priorisiert werden. In Deutschland seien diese bislang jedoch aufgrund der stark fragmentierten Zuständigkeiten noch nicht verankert. Das Konzept zielt darauf ab, die Widerstandsfähigkeit vulnerabler Öko- und Landnutzungssysteme gegenüber Wildfeuern zu stärken – und damit langfristig die Prioritäten von der reaktiven Brandbekämpfung hin zu notwendigen präventiven Maßnahmen zu verlagern.

    Risikoanalyse sollte die Zunahme von Extremwetterereignissen berücksichtigen

    Aufgrund der zunehmenden Extremwetterereignisse wird in dem Positionspapier eine umfassende Risikoanalyse gefordert, die sich mit der Resilienz gegenüber Landschaftsbränden befasst und darüber hinaus die gesamten Auswirkungen der Klimakrise miteinbezieht. Denn neben Trockenheit und Hitze spielen auch vermehrter Starkregen und Starkwinde eine Rolle. Diese Extremwettereignisse beeinflussen ebenfalls den Naturhaushalt und die Naturausstattung unserer Landschaften – besonders dort, wo Böden und Pflanzen bereits durch Trockenheit betroffen sind.

    „Die kürzlich vom Verkehrsministerium des Bundes einberufene Niedrigwasserkonferenz und die in Berlin am 6. August 2026 vorgelegte Forderung von 36 Verbänden, weitaus umfassendere Konsequenzen aus der Klimakrise zu ziehen, zielen in die gleiche Richtung wie unsere Erkenntnisse. Die Lage ist dringlich. Durch die Erderwärmung steigt nicht nur das Brandrisiko, auch hitzebedingte vorzeitige Todesfälle nehmen zu und die Zukunft der Trinkwasserversorgung ist bedroht “, so Goldammer.

    Das Global Fire Monitoring Center empfiehlt eine nationale Konferenz zur Klimakrise

    Aufgrund der Entwicklungen in den vergangenen Monaten empfiehlt das GFMC die Einrichtung einer nationalen Konferenz zur Klimakrise. Diese sollte als zentrale Plattform dienen, um den aktuellen Stand des Wissens sowie bewährte technische und gesellschaftspolitische Lösungsansätze pragmatisch und umsetzungsorientiert auf nationaler Ebene zu bündeln und weiterzuentwickeln. Bestehende internationale und nationale Foren – wie der Petersberger Klimadialog oder der Umsetzungsprozess der Deutschen Strategie zur Stärkung der Resilienz gegenüber Katastrophen – sollten weitergeführt und gezielt in eine wirksame, koordinierte nationale Handlungsebene überführt werden.

    Besonders wichtig sei es, dass die vorgeschlagene Konferenz über die etablierten staatlichen Institutionen hinausgeht und die Wissenschaft sowie die Zivilgesellschaft als gleichberechtigte Akteure einbezieht. Ihre Expertise und lokalen Erfahrungen seien entscheidend, um resilientere, nachhaltige und gesellschaftlich akzeptierte Strategien zu entwickeln. Erst durch eine breite, partizipative Zusammenarbeit ließen sich die komplexen Herausforderungen der Klimakrise wirksam bewältigen.

    Mehr Informationen

    Das Global Fire Monitoring Center (GFMC) ist eine Einrichtung des Max-Planck-Instituts für Chemie in Kooperation mit der Universität Freiburg. Es versteht sich als internationale Plattform für wissenschaftliche Forschung, Monitoring und politische Beratung im Bereich von Feuern in Natur- und Kulturlandschaften weltweit. Dabei unterstützt das GFMC vor allem den „Global Fire Management Hub“ der Vereinten Nationen und multilaterale Organisationen wie den Europarat und die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE).

    Das Positionspapier „Landschaftsbrände in Deutschland 2026“ mit umfassenden Quellenangaben wurde am 23. Juli 2026 online im Global Fire Monitoring Center (GFMC) und als Webseite des Deutschen Komitees für Katastrophenvorsorge (DKKV) veröffentlicht.

    Zum Positionspapier:

    https://gfmc.online/wp-content/uploads/GFMC-23-Juli-2026-Landschaftsbraende-Deut...
    Landschaftsbrände in Deutschland - Bewertung und Hintergrundinformation

    Weiterhin sind der Global Landscape Fire Fatalities and Damages Report 2025 des GFMC (https://gfmc.online/wp-content/uploads/GFMC-Global-Landscape-Fire-Damages-Report...)

    und eine Stellungnahme des GFMC gegenüber dem Science Media Center (SMC) online im GFMC verfügbar. (https://gfmc.online/wp-content/uploads/SMC-GFMC-Stellungnahme-Waldbrandgefahr-Mi...)


    Contact for scientific information:

    Prof. Johann Georg Goldammer
    johann.goldammer@fire.uni-freiburg.de


    More information:

    https://www.mpic.de/6071147/landschaftsbraende1?c=3477744


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    Brand bei Zell am Harmersbach und Biberach (Baden) am 11. August 2026. In Südwestdeutschland ist das Brandrisiko durch die langanhaltende Trockenheit in diesem Jahr stark erhöht.
    Brand bei Zell am Harmersbach und Biberach (Baden) am 11. August 2026. In Südwestdeutschland ist das ...
    Source: Lena Himmelsbach, GFMC
    Copyright: Lena Himmelsbach, GFMC

    Prof. Johann Georg Goldammer, Leiter des Global Fire Monitoring Center (GFMC)
    Prof. Johann Georg Goldammer, Leiter des Global Fire Monitoring Center (GFMC)
    Source: Philipp von Ditfurth
    Copyright: Philipp von Ditfurth


    Criteria of this press release:
    Journalists
    Environment / ecology
    transregional, national
    Cooperation agreements, Transfer of Science or Research
    German


     

    Brand bei Zell am Harmersbach und Biberach (Baden) am 11. August 2026. In Südwestdeutschland ist das Brandrisiko durch die langanhaltende Trockenheit in diesem Jahr stark erhöht.


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