Berlin, 18. August 2026. Dieses Jahr wird zum Weltalphabetisierungstag am 8. September 2026 in Berlin erneut das „Wortgetüm des Jahres“ bekanntgegeben. Das Wortgetüm ist ein sehr langes, für viele Menschen zu komplexes, aber alltagsrelevantes Wort. Hinter der Aktion stehen die Berliner Alpha-Bündnisse, die Stiftung Grundbildung Berlin und das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS) der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Ziel ist es, auf unterhaltsame, aber eindringliche Weise auf die alltäglichen Hürden für Menschen mit geringen Lese- und Schreibkompetenzen aufmerksam zu machen.
Hintergrund: Laut der Studie „LEO 2018 – Leben mit geringer Literalität“ der Universität Hamburg haben in der Bundesrepublik rund 6,2 Millionen deutschsprachige Erwachsene im Alter von 18 bis 64 Jahren Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben. Laut LEO PIAAC 2023, der Folgestudie mit schwierigeren Kriterien, sind es sogar 10,6 Millionen. Das bedeutet: Mindestens jede:r Achte, streng genommen sogar jede:r Fünfte stolpert regelmäßig über Formulare, Behördenbriefe oder Fachartikel.
Sprache kann mächtig sein – Sprache kann Hürde sein
Gerade die für die deutsche Sprache typischen langen, komplexen und abstrakten Wörter – insbesondere aus der Amts-, Medizin- oder Rechtssprache – stellen eine erhebliche Hürde dar. Dabei geht es ausdrücklich nicht um berüchtigte Beispiele wie „Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz“. Diese Wörter sind zwar außergewöhnlich lang und komplex, spielen im Alltag jedoch keine Rolle. Anders verhält es sich bei Begriffen mit hoher Alltagsrelevanz für gering literalisierte Menschen: So zählt etwa das Wortgetüm des Jahres 2025, „Antidiskriminierungsbeauftragte“, mit seinen 31 Buchstaben und 11 Silben zu den sprachlichen Herausforderungen dieser Gruppe. Gleiches gilt für die sechs Wörter, die sich derzeit in der noch geheimen Auswahl für das Wortgetüm 2026 befinden.
Eine Jury aus wahren Expert*innen
Das „Wortgetüm 2026“ wird von den Menschen gewählt, die von diesen Schwierigkeiten selbst betroffen sind. In einem begleiteten Auswahlverfahren stimmen gering literalisierte Erwachsene über das Wort ab, das ihnen dieses Jahr am meisten Kopfzerbrechen bereitet hat. Mit in der Jury ist unter anderem Tina F., bekannt aus der preisgekrönten ZDF-Dokumentation „Buchstäblich leben!“, in der Personen mit Lese- und Schreibproblemen einen Einblick in ihren Alltag geben.
Die Wissenschaft hinter dem Wortgetüm
Das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS) liefert die sprachwissenschaftliche Grundlage: Mithilfe seiner riesigen Textdatenbanken – darunter das tagesaktuelle Webmonitor-Korpus sowie ein umfangreiches Zeitungskorpus – identifizieren die Forschenden besonders komplexe und lange Wörter, die aktuell und in verschiedenen Kontexten sehr verbreitet sind. Die Vorauswahl, aus der die Jury den Gewinner bestimmt, wird also nicht zufällig generiert, sondern basiert auf relevanten und belastbaren sprachlichen Daten.
Die Aktion gibt Betroffenen das Wort. Und sie zeigt: Es ist an der Zeit, sprachliche Barrieren abzubauen – und damit endlich mehr Teilhabe zu ermöglichen.
Pressekontakte:
Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften
Franziska Nojack
Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache
Jägerstraße 22/23, 10117 Berlin
Tel. 030 20370-595
E-Mail: nojack@bbaw.de
https://www.dwds.de/
Dr. Ann-Christin Bolay
Präsidialbüro, Leiterin Kommunikation
Jägerstraße 22/23, 10117 Berlin
Tel. 030 20370-657
E-Mail: bolay@bbaw.de
https://www.bbaw.de/
Alpha-Bündnis Spandau
Gesellschaft für interkulturelles Zusammenleben gGmbH (GIZ)
Julia Naji
Koordination Alpha-Bündnis Spandau und Lerncafe Spandau
Reformationsplatz 2, 13597 Berlin
Tel. 030 513010022
E-Mail: julia.naji@giz.berlin
https://www.giz.berlin/
Stiftung Grundbildung Berlin
Björn Helbig
Referent Schulungen & Lerner-Expert:innen
Paretzer Straße 1, 10713 Berlin
Tel. 030 25563311
E-Mail: b.helbig@grundbildung-berlin.de
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https://www.giz.berlin/
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Criteria of this press release:
Journalists
interdisciplinary
transregional, national
Press events
German

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