idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
idw-Abo


Instance:
Share on: 
08/25/2026 16:14

Durchbruch beim Verständnis der Eisbildung in Wolken

Jörg Heeren Medien und News
Universität Bielefeld

    Warum gefrieren Wolken oft bei höheren Temperaturen als erwartet? Ein Forschungsteam der Universität Bielefeld und der Universität Wien in Kooperation mit der Universität Helsinki zeigt erstmals auf molekularer Ebene, warum das Mineral Mikroklin besonders wirksam Eis bildet. Die Ergebnisse, veröffentlicht in einer renommierten Fachzeitschrift, liefern neue Einblicke in Prozesse, die Niederschlag und Klima weltweit beeinflussen. Ein begleitender Film aus der Reihe research_tv der Universität Bielefeld veranschaulicht die Entdeckung.

    In der Atmosphäre ist Wasser selten rein. Winzige Staubpartikel wirken dort als Kristallisationskeime, an denen sich Eiskristalle bilden. Dieser Prozess entscheidet mit darüber, wann Wolken gefrieren, ob und wie viel Regen fällt und wie stark Wolken Sonnenlicht reflektieren und beeinflusst damit das Klima.

    „Wir konnten zeigen, dass beim Mineral Mikroklin bereits atomar flache Oberflächen effektiver Eis bilden als bei nah verwandten Mineralien,“ sagt Dr. Florian Schneider von der Universität Bielefeld, Erstautor der Studie. „Damit zeigen wir erstmals, wie die außergewöhnliche Eisbildungsfähigkeit von Feldspat Mineralien von der atomaren Struktur abhängt.“

    Bislang ging die Forschung davon aus, dass die Eisbildung durch seltene Risse oder Kanten der Mineralien dominiert wird. Die Bielefelder Experimente belegen nun: Beim Mikroklin spielen nicht nur solche besonderen Stellen eine große Rolle, sondern auch die genaue chemische Struktur. Bestimmte chemische Gruppen auf der Oberfläche – sogenannte Aluminolgruppen – binden Wassermoleküle besonders gut und stabilisieren so die ersten winzigen Eiskristalle.

    Unerwartete Kristallstruktur

    „Interessanterweise passt die Struktur der stabilsten Oberfläche von Mikroklin eigentlich nicht gut zur Struktur der typischen Kristallflächen von Eis. Die Eiskristalle in unseren Experimenten wachsen deshalb ausgehend von einer eher unkonventionellen, sogenannten hochindizierten Kristallfläche“, sagt Dr. Tobias Dickbreder von der Universität Wien, Letztautor der Studie. „Dieses überraschende Ergebnis liefert eine ganz neue Perspektive auf die Bedeutung von hochindizierten Kristallflächen für das Verständnis von heterogener Eisbildung.“

    Mithilfe hochauflösender Rasterkraftmikroskopie machten die Forschenden winzige Eiscluster direkt sichtbar und kombinierten ihre Beobachtungen mit Computersimulationen. Die Ergebnisse liefern eine neue Grundlage, um Wolkenprozesse besser zu verstehen und Klimamodelle zu präzisieren.

    Weitere Hintergründe zu den Experimenten und anschauliche Einblicke in die molekularen Aufnahmen bietet ein begleitender Film zur Studie.

    An der Universität Bielefeld ist die Erforschung von Eisbildung auf Mineraloberflächen dem strategischen Fokusbereich „Architektur der Natur: Elementare Bausteine und Entstehung neuer Strukturen“ (ANBauEn) zugeordnet.

    Einschätzung von Professorin Dr. Angelika Kühnle von der Universität Bielefeld:
    „Dass wir das Wachstum der ersten Eiskristalle direkt beobachten konnten, ist ein methodischer Durchbruch. Unsere Ergebnisse zeigen, wie stark kleinste Strukturen auf Mineraloberflächen großräumige atmosphärische Prozesse beeinflussen können.“


    Contact for scientific information:

    Dr. Florian Schneider, Universität Bielefeld
    Fakultät für Chemie
    Telefon: +49 521 106-2199
    E-Mail: fschneider8@uni-bielefeld.de

    Prof. Dr. Angelika Kühnle, Universität Bielefeld
    Fakultät für Chemie
    Telefon: +49-521-106-2045
    E-Mail: angelika.kuehnle@uni-bielefeld.de


    Original publication:

    Florian Schneider, Rasmus Väinö Erik Nilsson, Ralf Bechstein, Hans-Georg Stammler, Bernhard Reischl, Thomas Koop, Angelika Kühnle, Tobias Dickbreder: Ice nucleation on microcline (001) in the absence of active sites. Nature Communications, https://www.nature.com/articles/s41467-026-76548-7, erschienen am Dienstag, 25. August 2026.


    More information:

    Hier geht es zum Film aus der Reihe research_tv
    https://www.uni-bielefeld.de/fakultaeten/chemie/ag/pc1-kuehnle/ Website der Arbeitsgruppe Physikalische Chemie I
    https://www.uni-bielefeld.de/uni/presse-medien/publikationen/researchtv/ Mehr research tv an der Universität Bielefeld
    https://www.uni-bielefeld.de/forschung/profil/fokusbereiche/anbauen/ Der strategische Fokusbereich ANBauEn


    Images

    Dr. Florian Schneider (li.) und Prof’in Dr. Angelika Kühnle (re.) von der Universität Bielefeld nutzen das Rasterkraftmikroskop zur Untersuchung der Eiskristallbildung auf Mikroklin-Oberflächen.
    Dr. Florian Schneider (li.) und Prof’in Dr. Angelika Kühnle (re.) von der Universität Bielefeld nutz ...
    Source: Magnus Krenz
    Copyright: Universität Bielefeld/Magnus Krenz

    Diese Rasterkraftmikroskopie-Aufnahme aus der Studie zeigt Eiskristalle (exemplarisch mit weißen Sechsecken markiert), die auf dem Mineral Mikroklin gewachsen sind. Schwarze Linien kennzeichnen Stufenkanten der ansonsten atomar flachen Oberfläche.
    Diese Rasterkraftmikroskopie-Aufnahme aus der Studie zeigt Eiskristalle (exemplarisch mit weißen Sec ...
    Source: Florian Schneider
    Copyright: Universität Bielefeld


    Criteria of this press release:
    Journalists, Scientists and scholars, Students, Teachers and pupils, all interested persons
    Chemistry, Environment / ecology, Geosciences, Oceanology / climate, Physics / astronomy
    transregional, national
    Research results
    German


     

    Dr. Florian Schneider (li.) und Prof’in Dr. Angelika Kühnle (re.) von der Universität Bielefeld nutzen das Rasterkraftmikroskop zur Untersuchung der Eiskristallbildung auf Mikroklin-Oberflächen.


    For download

    x

    Diese Rasterkraftmikroskopie-Aufnahme aus der Studie zeigt Eiskristalle (exemplarisch mit weißen Sechsecken markiert), die auf dem Mineral Mikroklin gewachsen sind. Schwarze Linien kennzeichnen Stufenkanten der ansonsten atomar flachen Oberfläche.


    For download

    x

    Help

    Search / advanced search of the idw archives
    Combination of search terms

    You can combine search terms with and, or and/or not, e.g. Philo not logy.

    Brackets

    You can use brackets to separate combinations from each other, e.g. (Philo not logy) or (Psycho and logy).

    Phrases

    Coherent groups of words will be located as complete phrases if you put them into quotation marks, e.g. “Federal Republic of Germany”.

    Selection criteria

    You can also use the advanced search without entering search terms. It will then follow the criteria you have selected (e.g. country or subject area).

    If you have not selected any criteria in a given category, the entire category will be searched (e.g. all subject areas or all countries).