Sepsis-Stiftung legt zum World Sepsis Day das „Sepsis-Dossier
Deutschland 2026“ vor: Acht konkrete Forderungen verbinden die bislang
häufig getrennt bearbeiteten Handlungsfelder Infektionsprävention,
Pandemiebereitschaft, Bekämpfung antimikrobieller Resistenzen und den
zeitkritischen Notfall Sepsis und können im Rahmen einer Nationalen
Infektionsmanagementstrategie wirksamer und kosteneffizienter umgesetzt
werden.
Berlin, 31. August 2026
Vor diesem Hintergrund lädt die Sepsis-Stiftung am 3. September 2026 zu
einem Media & Policy Briefing in Berlin und online ein. Ziel ist, Politik,
Selbstverwaltung, Qualitätssicherung, Leistungserbringer,
Patientenvertretungen, Medien und medizinische Fachwelt
zusammenzubringen, um die acht Forderungen in verbindliches
gemeinsames Handeln zu übersetzen, Verantwortlichkeiten zu klären und
konkrete nächste Schritte für jährlich mindestens 10.000 weniger
sepsisbedingte Todesfälle festzulegen.
Sepsis ist ein zeitkritischer medizinischer Notfall. Dennoch sind Warnzeichen,
Präventionsmöglichkeiten und Dringlichkeit in Deutschland noch immer nicht
ausreichend bekannt. Nach den im neuen Dossier ausgewerteten
GBD/MICROBE-Daten der Autoren des Global Burden of Disease Reports ist in
Deutschland selbst ohne COVID-19-bedingte virale Sepsis von mindestens
140.000 sepsisbedingten Todesfällen pro Jahr auszugehen. Internationale
Vergleiche zeigen ein erhebliches Verbesserungspotenzial: Während die
sepsisbezogene Mortalität in Deutschland zwischen 1990 und 2019 um 10,1
Prozent zunahm, ging sie in Norwegen um 26,7 Prozent und in Finnland um 21,1
Prozent zurück. Während der COVID-19-Pandemie stieg sie in Deutschland von
2019 bis 2021 nochmals um 51,5 Prozent. Die internationalen Vergleiche zeigen
einen erheblichen Handlungs- und Lernbedarf.
Das daraus abgeleitete gesundheitspolitische Ziel ist klar: In Deutschland sollen
künftig mindestens 10.000 sepsisbedingte Todesfälle pro Jahr verhindert
werden. Selbst bei einer jährlichen Verringerung um 10.000 Todesfälle würde es
unter der Annahme einer kontinuierlichen Entwicklung etwa sieben Jahre dauern,
bis Deutschland das bereits vor vier bis fünf Jahren erreichte Niveau Schwedens
und anderer vergleichbarer Länder erreicht. Die Zielmarke ist daher ambitioniert,
vor allem aber Ausdruck eines erheblichen gesundheitspolitischen
Nachholbedarfs.
Das Sepsis-Dossier Deutschland 2026 benennt mit acht konkreten Forderungen
die jetzt notwendigen Schritte. Ihre zeitnahe Umsetzung ist eine wesentliche
Voraussetzung dafür, in Deutschland künftig mindestens 10.000 sepsisbedingte
Todesfälle pro Jahr zu verhindern.
Besonders wirksam und kosteneffizient können diese Forderungen umgesetzt
werden, wenn die bislang häufig getrennt bearbeiteten Handlungsfelder
Infektionsprävention, Pandemiebereitschaft, Bekämpfung antimikrobieller
Resistenzen und der zeitkritische Notfall Sepsis miteinander verknüpft werden.
Eine Nationale Infektionsmanagementstrategie schafft dafür den gemeinsamen
Rahmen, nutzt Synergien, überwindet getrennte Zuständigkeits- und
Förderbereiche und verbindet Verantwortlichkeiten sowie Umsetzungsschritte.
„Deutschland verfügt über hervorragende medizinische und
wissenschaftliche Voraussetzungen. Mit einer nationalen
Infektionsmanagementstrategie wollen wir Prävention, Früherkennung,
Akutversorgung, Rehabilitation sowie Forschung und Innovation bei
Sepsis weiter deutlich verbessern. Entscheidend ist, vorhandenes Wissen
konsequent in bessere Versorgung und weniger Todesfälle zu übersetzen.“
Prof. Bernd Böttiger, Vorstandsvorsitzender, und Prof. Marlies Ostermann,
stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Sepsis-Stiftung.
Die gemeinsame Position verbindet Erfahrungen aus dem deutschen und
britischen Gesundheitssystem. Die Sepsis-Stiftung fordert konkretes
gemeinsames Handeln entlang der gesamten Rettungs- und Versorgungskette –
von Prävention, Früherkennung und Diagnostik über zeitkritische Behandlung
und Qualitätssicherung bis zu Rehabilitation, Langzeitfolgen sowie Forschung
und Innovation.
„Hausärztinnen und Hausärzte spielen eine Schlüsselrolle dabei, die
Krankheitslast durch Sepsis nachhaltig zu senken. Sie erreichen das durch
Prävention mit überzeugender Impfberatung, frühzeitiges Erkennen von
Infektionen und Sepsis, sofortigen Beginn ärztlicher Therapie unter
richtiger Einschätzung einer möglichen Notfallsituation und im Verlauf
qualifizierte Begleitung von Betroffenen mit Langzeitfolgen. Besonders an
den Schnittstellen zwischen ambulanter und stationärer Versorgung
können sie dazu beitragen, dass aus Wissen rechtzeitiges Handeln wird.“
Dr. Irmgard Landgraf, Vorstandsmitglied der Sepsis-Stiftung.
Eltern, Betroffene und Angehörige benötigen bei einer akuten gesundheitlichen
Verschlechterung, wenn eine schwere Infektion oder Sepsis nicht
ausgeschlossen ist, rund um die Uhr einen niedrigschwelligen Zugang zu
qualifizierter medizinischer Beratung mit fachärztlicher Expertise. Ihre
Beobachtungen müssen ernst genommen werden und einen klaren
Eskalationsweg auslösen können.
„Als Angehörige weiß ich, welche Folgen es haben kann, wenn Sepsis
nicht rechtzeitig erkannt wird. Angehörige müssen vom medizinischen
Personal ernst genommen und gehört werden – sie kennen den Menschen
und bemerken Veränderungen oft am besten. Bei Zweifeln muss zudem
eine unabhängige Zweitmeinung möglich sein. Das muss Pflicht werden –
auch das ist ein Punkt in Bezug auf Patientensicherheit! In der
Vorreiterregion erleben wir, was im Kleinen erreicht werden kann, wenn
Impfberatung, frühe Warnzeichen, konsequentes Handeln im Notfall und
die Versorgung von Langzeitfolgen zusammengedacht werden.
Hausärztinnen und Hausärzte spielen dabei eine zentrale Rolle – für
Betroffene, Angehörige und das Gesundheitssystem.“
Marion Pfeiffer, Angehörige und Mitinitiatorin der Sepsis-Vorreiterregion Main-Taunus-Kreis
Der Schirmherr der Sepsis-Stiftung, Prof. Dr. Helge Braun, eröffnet beide
Veranstaltungen mit einer etwa zweiminütigen Videobotschaft.
Das vollständige Dossier, die Übersicht zur Nationalen
Infektionsmanagementstrategie und ihre acht Forderungen werden am 3.
September 2026 von 11:00 bis 12:45 Uhr beim Verband der Ersatzkassen e. V.
(vdek) am Askanischen Platz in Berlin vorgestellt. Die Moderation übernimmt
Jürgen Zurheide. Ciaran Staunton, Mitbegründer von „END SEPSIS – The
Legacy of Rory Staunton“, nimmt online teil. Global Sepsis Alliance und
European Sepsis Alliance unterstützen die Veranstaltung ideell und technisch.
Programm und Informationsmaterialien: https://weltsepsistag2026.de
Der öffentliche YouTube-Livestream am 3. September ist ohne Anmeldung
erreichbar: https://www.youtube.com/live/o1icWEUKEEw
Fragen können über die Chatfunktion eingereicht werden. Medienvertreterinnen und Medienvertreter sowie politische Entscheidungsträger können nach vorheriger persönlicher
Anmeldung unter presse@sepsis-stiftung.de entweder vor Ort in Berlin oder aktiv
über Zoom teilnehmen. Die Zugangsdaten und organisatorischen Hinweise
werden nach der Anmeldung persönlich übermittelt.
Am World Sepsis Day, Sonntag, 13. September 2026, folgt von 15:00 bis 17:00
Uhr die Online-Gesundheitssprechstunde „Was alle über Sepsis wissen sollten –
vorbeugen, Warnzeichen erkennen, richtig handeln“.
Weitere Informationen: https://weltsepsistag2026.de
Pressekontakt
Iljana Schmitz | Sepsis-Stiftung | E-Mail: presse@sepsis-stiftung.de | Telefon:
+49 162 8755451
Prof. Dr. Konrad Reinhart
https://weltsepsistag2026.de Programm und Informationsmaterialien
Criteria of this press release:
Business and commerce, Journalists, Scientists and scholars, all interested persons
Economics / business administration, Medicine, Nutrition / healthcare / nursing, Politics, Social studies
transregional, national
Press events, Science policy
German

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