Nach mehreren Jahrhunderten ist die Europäische Wildkatze (Felis sylvestris) in den Landkreis Barnim zurückgekehrt. Im Rahmen des Wahlpflichtmoduls „Wildtiermonitoring“ der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) wurden in einem Waldgebiet bei Hirschfelde südlich von Eberswalde erstmals mehrere Wildkatzen fotografisch dokumentiert und anschließend genetisch bestätigt. Die molekularbiologischen Untersuchungen belegen, dass es sich um genetisch reine Wildkatzen handelt. Mindestens drei verschiedene Tiere konnten identifiziert werden: zwei Weibchen und ein Männchen.
Damit liegt der erste genetisch bestätigte Nachweis der Europäischen Wildkatze im Landkreis Barnim vor, seit die Art vor mehreren Jahrhunderten aus dem Gebiet des heutigen Brandenburgs verschwunden war. Der Fund ist zugleich ein weiteres Zeichen für die allmähliche Rückkehr der streng geschützten Art in ihre früheren Verbreitungsgebiete.
„Dieser Nachweis ist für uns eine kleine Sensation. Dass wir nicht nur ein einzelnes durchwanderndes Tier, sondern mindestens drei verschiedene Wildkatzen nachweisen konnten, ist ein außergewöhnliches Ergebnis“, sagt Dr. Frank Michler, Dozent für Wildbiologie und Wildtiermanagement an der HNEE und Beauftragter für das Wildkatzenmonitoring. „Besonders freut mich, dass dieser Erfolg gemeinsam mit unseren Studierenden gelungen ist. Sie haben das Monitoring mit großer Begeisterung, hoher Sorgfalt und viel persönlichem Einsatz durchgeführt.“
21 Lockstöcke und mehr als 30 Haarproben
Das Wildkatzenmonitoring fand von Januar bis April 2026 statt. Gemeinsam mit den Studierenden brachte Michler insgesamt 21 sogenannte Lockstöcke im Landkreis Barnim aus. Die angerauten Holzpflöcke wurden regelmäßig mit Baldriantinktur besprüht. Der Geruch lockt Wildkatzen an und regt sie dazu an, sich an den Stöcken zu reiben. Dabei bleiben Haare am Holz zurück, die anschließend genetisch untersucht werden können.
Jeder Lockstock wurde zusätzlich mit einer Funkfotofalle überwacht. Sobald die Kameras ein Tier mit den typischen äußeren Merkmalen einer Wildkatze erfassten, konnte das Monitoringteam den betreffenden Standort zeitnah aufsuchen und vorhandene Haare fachgerecht sichern. Die Studierenden kontrollierten die Lockstöcke wöchentlich, werteten die Kamerabilder aus, reinigten die Stöcke und erneuerten den Lockstoff.
An insgesamt neun Lockstöcken wurden phänotypische Wildkatzen dokumentiert. Insgesamt sicherte das Team mehr als 30 Haarproben. Nach Abschluss des Monitoringdurchgangs wurden diese über Jens Teubner von dem Artenkompetenzzentrum für Säugetiere des Landesamtes für Umwelt (LfU) Brandenburg in Zippelsförde an das auf Wildtiergenetik spezialisierte Labor in Gelnhausen übermittelt.
Die jetzt vorliegenden Ergebnisse der molekulargenetischen Analysen bestätigen den besonderen Fund: Sämtliche untersuchten Proben stammen von genetisch reinen Europäischen Wildkatzen. Durch die genetische Individualisierung ließen sich mindestens zwei weibliche und ein männliches Tier unterscheiden.
Angewandter Artenschutz als Bestandteil der Lehre
Das zweisemestrige Wahlpflichtmodul „Wildtiermonitoring“ wurde 2022 von Frank Michler entwickelt und an der HNEE etabliert. Seitdem beginnen jährlich jeweils 25 Studierende im Wintersemester mit dem Modul. Sie lernen darin unterschiedliche wissenschaftliche Methoden zur Erfassung freilebender Tiere kennen und wenden diese unmittelbar in der Praxis an. Das Spektrum reicht vom Monitoring von Wolf, Luchs, Wildkatze und Elch über die Untersuchung von Wildtierquerungshilfen, das Brutvogelmonitoring und die Spurenkunde bis zum Elektrofischen.
„Unser Ziel ist es, wissenschaftliche Lehre, praktische Ausbildung und konkreten Artenschutz miteinander zu verbinden“, erläutert Michler. „Die Studierenden bearbeiten keine rein theoretischen Übungsaufgaben, sondern wirken an einem realen, wissenschaftlich fundierten Monitoring mit. Der aktuelle Wildkatzennachweis zeigt eindrucksvoll, welchen Beitrag eine praxisnahe Hochschullehre zur Erforschung und zum Schutz unserer heimischen Tierwelt leisten kann.“
Das Monitoring erfolgt auf Grundlage einer Kooperationsvereinbarung zwischen der HNEE und dem Landesamt für Umwelt Brandenburg. Eine wichtige Rolle spielt dabei die langjährige und enge Zusammenarbeit mit Jens Teubner vom Artenkompetenzzentrum für Säugetiere des LfU. Ebenso entscheidend ist die Unterstützung der privaten und staatlichen Flächeneigentümer, die das Monitoring in ihren Waldgebieten ermöglichen.
Naturgemäße Waldwirtschaft schafft geeigneten Lebensraum
Alle genetisch bestätigten Nachweise gelangen in einem Privatwald von Mathias Graf von Schwerin bei Hirschfelde. Das Waldgebiet zeichnet sich durch eine naturgemäße Bewirtschaftung, einen hohen Totholzanteil, laubholzreiche Naturmischwälder sowie eine dichte und artenreiche Naturverjüngung aus. Damit bietet es der Wildkatze besonders geeignete Lebensbedingungen.
Strukturreiche Wälder stellen geeignete Jagdhabitate bereit und verfügen über zahlreiche Versteck- und Schlafplatzmöglichkeiten. Totholz, Wurzelteller, Baumhöhlen und dichte Vegetationsbereiche bieten zugleich störungsarme Rückzugsräume, die insbesondere für die Jungenaufzucht von Bedeutung sind.
„Dass die ersten Wildkatzen im Landkreis Barnim ausgerechnet in diesem Waldgebiet nachgewiesen wurden, überrascht uns deshalb nicht“, sagt Michler. „Die dort seit vielen Jahren praktizierte naturgemäße Waldwirtschaft hat vielfältige Strukturen entstehen lassen, von denen nicht nur die Wildkatze, sondern zahlreiche weitere Arten profitieren.“
Die Wildkatze kehrt nach Brandenburg zurück
Die Europäische Wildkatze war ursprünglich in weiten Teilen Deutschlands verbreitet, wurde jedoch über Jahrhunderte intensiv verfolgt und aus vielen Regionen verdrängt. Kleine Restpopulationen konnten unter anderem im Harz überleben. Seit Ende der 1990er-Jahre breitet sich die Art wieder zunehmend aus.
Für die Wiederbesiedlung Brandenburgs kommt der Wildkatzenpopulation im Harz eine besondere Bedeutung zu. Inzwischen ist die Art vor allem im Süden Brandenburgs wieder nachgewiesen. Auch aus dem Norden des Landes liegen aus den vergangenen Jahren einzelne Nachweise vor. Der aktuelle Fund im Barnim schließt eine weitere Lücke und lässt hoffen, dass die Wildkatze zunehmend geeignete Lebensräume im Nordosten Brandenburgs erreicht.
Das Wildkatzenmonitoring im Landkreis Barnim soll in den kommenden Jahren fortgesetzt werden. Dadurch soll untersucht werden, ob sich die Tiere dauerhaft in der Region etablieren, welche Gebiete sie nutzen und ob weitere Wildkatzen hinzukommen.
Dr. Frank-Uwe Michler
Dozent für Wildbiologie und Wildtiermanagement
Tel.: 03334 657-280
frank.michler@hnee.de
Wildkatze am Lockstock: Eine genetisch bestätigte Europäische Wildkatze passiert einen kameraüberwa ...
Source: Frank-Uwe Michler
Copyright: HNEE | Frank-Uwe Michler
Wildkatze beim Reiben: Der Geruch von Baldrian regt die Wildkatze dazu an, sich am angerauten Lock ...
Source: Frank-Uwe Michler
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Criteria of this press release:
Journalists, all interested persons
Environment / ecology, Zoology / agricultural and forest sciences
transregional, national
Research results, Transfer of Science or Research
German

Wildkatze am Lockstock: Eine genetisch bestätigte Europäische Wildkatze passiert einen kameraüberwa ...
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