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09/02/2026 13:43

Rätsel der verzweigten Meereswürmer gelöst

Thomas Richter Öffentlichkeitsarbeit
Georg-August-Universität Göttingen

    Verzweigte Meereswürmer gehören zu den außergewöhnlichsten Lebewesen im Tierreich. Ihr Merkmal: Hinter dem Kopf teilen sie sich baumartig in mehrere Enden auf. Die Entwicklung dieser ungewöhnlichen Tiere war lange Zeit ein Mysterium. Jetzt hat ein internationales Forschungsteam unter Leitung der Universität Göttingen ihre Evolutionsgeschichte rekonstruiert und dabei zehn neue Arten entdeckt. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Zoological Journal of the Linnean Society veröffentlicht.

    Verzweigte Meereswürmer sind weltweit in verschiedenen Meeresregionen verbreitet – von Flachwassergebieten bis hin zu Tiefen von bis zu 1.000 Metern. Dort leben sie im Inneren von Meeres-Schwämmen, wo sie sich dank ihres einzigartigen Körperbaus optimal aufhalten können. Über ein Jahrhundert lang wurden die verzweigten Würmer als eine einzige Art klassifiziert. Jetzt identifizierten die Forschenden jedoch zwei Hauptlinien: Die Gattung Ramisyllis und die völlig neue Gattung, Cladosyllis. Außerdem klassifizierte das Team dreizehn verschiedene Formen, darunter mindestens zehn vermutlich völlig neue Arten. Möglich gemacht hat das die Kombination von DNA-Sequenzierungen von Museumsexemplaren mit neu gesammelten Exemplaren und detaillierten anatomischen Analysen.

    „Diese Sammlungen sind wertvolle Ressourcen, die stetig neue Entdeckungen hervorbringen“, erklärt Prof. Maria Teresa Aguado, wissenschaftliche Kuratorin des Biodiversitätsmuseum an der Universität Göttingen und Leiterin der Studie. Mitautor Dr. Ekin Tilic vom Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt fügt hinzu: „Einige der Schwämme, in denen sich verzweigte Würmer versteckten, stammten aus der Senckenberg-Sammlung und reichen bis ins Jahr 1914 zurück. Mithilfe der Mikro-CT-Bildgebung konnten wir Würmer freilegen, ohne die Schwämme zu beschädigen – moderne Techniken helfen uns dabei, verborgene Artenvielfalt in jahrhundertealten Sammlungen wiederzuentdecken.“

    Doch wie entstand diese Vielfalt? Dr. Guillermo Ponz Segrelles, ehemaliger Forscher an der Autonomen Universität von Madrid und Mitautor der Studie, erklärt: „Wir haben gezeigt, dass der Stammbaum von verzweigten Würmern – genau wie ihre Körper – viele Verästelungen aufweist. Jede davon ist eng mit einer bestimmten Schwammart verbunden. Es ist also die Art des Wirtes, welche die Evolution von verzweigten Würmen maßgeblich geleitet hat.“

    Die Forschung löst damit nicht nur das Rätsel um die Klassifizierung der bizarren Lebewesen, sondern liefert auch neue Einblicke in die Evolution tierischer Körper im Allgemeinen: Alle verzweigten Würmer stammen von einem gemeinsamen Vorfahren ab, was bedeutet, dass sich ihre außergewöhnliche Körperarchitektur ein einziges Mal entwickelt hat. Die beiden Hauptlinien bildeten dann ihre Verzweigungen auf unterschiedliche Weise – ein Zeugnis für die Flexibilität der Evolution. Die Forschenden gehen davon aus, dass noch viele weitere Arten verzweigter Würmer unentdeckt sind, und dass diese Tiere ein wichtiges Modell für die Entschlüsselung der Evolution komplexer Körperformen, der Symbiose und der Artenvielfalt in marinen Ökosystemen darstellen könnten.


    Contact for scientific information:

    Prof. Dr. Maria Teresa Aguado Molina
    Georg-August-Universität Göttingen
    Kustodin Biodiversitätsmuseum
    Abteilung Evolution und Biodiversität der Tiere
    Untere Karspüle 2, 37073 Göttingen
    Telefon: +49 (0)551 39-25536
    E-Mail: aguadomolina@uni-goettingen.de
    Internet: http://www.biodivmuseum.de/ und http://www.uni-goettingen.de/de/623758.html

    Dr. Guillermo Ponz-Segrelles
    IES El Burgo-Ignacio-Echeverría
    28231 Las Rozas de Madrid, Madrid, Spanien
    Telefon: +34 (0)689402289
    E-Mail: guillermo.ponz.segrelles@gmail.com


    Original publication:

    Aguado Molina, MT et al. Many Branches, One Lineage: Museomic Insights into the Diversity and Evolution of Branching Syllid Worms. Zoological Journal of the Linnean Society (2026). DOI: http://10.1093/zoolinnean/zlag120


    More information:

    https://www.uni-goettingen.de/de/3240.html?id=8269 Fotos


    Images

    Criteria of this press release:
    Journalists, all interested persons
    Biology, Oceanology / climate, Zoology / agricultural and forest sciences
    transregional, national
    Research results, Scientific Publications
    German


     

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