Wie entstehen politische Ordnungen nach dem Zerfall von Imperien und Kolonialstaaten? Die ZMO-Vortragsreihe „Politische Ordnungen jenseits von Staatlichkeit“ untersucht Vorstellungen von Staatlichkeit und Legitimität in muslimisch geprägten Kontexten in Asien und Afrika. International renommierte Wissenschaftler*innen beleuchten historische und aktuelle Prozesse – von Iran über Syrien, von der Sahara zum Tschadsee-Becken und bis zum Südkaukasus. Auftakt ist am 24. September 2026 mit Alireza Doostdar. Die Vorträge finden donnerstags um 17 Uhr hybrid am ZMO in Berlin-Nikolassee statt.
Im 19. und 20. Jahrhundert machten Niedergang und Auflösung von Imperien und Kolonialstaaten in weiten Teilen Asiens und Afrikas den Weg frei für die Etablierung von „Nationalstaaten“. Als viele dieser neuen Einheiten im späten 20. und im 21. Jahrhundert zerfielen, traten andere Solidaritätsbindungen (religiöse, ethnische, stammesbezogene) zutage. Welche Aufgaben sollten die politischen Strukturen und die neue gesellschaftliche Ordnung nun gewährleisten?
Die Vortragsreihe konzentriert sich auf analoge Prozesse in muslimisch geprägten Kontexten, ohne sich dabei auf spezifisch religiöse Projekte zu beschränken. In den Vorträgen wird untersucht, welche konkreten Vorstellungen von Staatlichkeit zum Ausdruck kommen und welche weltlichen wie auch überirdischen Rahmenkonzepte herangezogen werden, um die neuen Staaten zu legitimieren. Wie beeinflussen diese Vorstellungen unsere Darstellungen der gesellschaftspolitischen Prozesse, die die heutige Welt prägen?
Den Auftakt macht Alireza Doostdar mit dem Vortrag "Der schelmische Revolutionär: Unfug, Spiel und Gegen-Souveränität im Iran" am 24. September. Der Professor für Islamwissenschaft und Religionsanthropologie an der Divinity School der Universität von Chicago organisiert parallel dazu mit Ahmad Moradi vom ZMO den Workshop "Judging Evil in Anthropology", der sich der Frage widmet, wie Anthropolog*innen beurteilen, wann eine Gesellschaft böse wird.
Es folgen weitere Vorträge zu politischen Ordnungen und Staatlichkeit aus asiatischer und afrikanischer Perspektive:
"Ein Polypol legitimer Gewalt? Politische Ordnungen an der Sahara-Grenze." Vortrag von Judith Scheele, Sozialanthropologin und Studiendirektorin an der École des Hautes Études en Sciences Sociales (EHESS) in Marseille, 29. Oktober 2026, 17 Uhr
"Regierungsstrategien und Staatsaufbau nach Bürgerkriegen mit mehreren Akteuren: Erkenntnisse aus Syrien und darüber hinaus." Vortrag von Regine Schwab, Konfliktforscherin und Postdoktorandin am Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung (PRIF), 26. November 2026, 17 Uhr
"Dschihadistische Debatten über politische Identität und Regierungsformen im Tschadsee-Becken." Vortrag von Vincent Foucher, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Nationalen Zentrum für wissenschaftliche Forschung (CNRS) und am Institut für politische Studien in Bordeaux, 28. Januar 2027, 17 Uhr
"Die Südwestkaukasische Republik (1918–1919) und die Grenzen der Pseudostaatlichkeit." Vortrag von Alexander Balistreri, Juniorprofessor Turkologie an der Universität Hamburg. 25. Februar 2027, 17 Uhr
Die englischsprachige Veranstaltungsreihe findet einmal im Monat donnerstags um 17h am ZMO in Berlin-Nikolassee statt.
Es ist keine Anmeldung erforderlich. Die Vorträge finden hybrid, das heißt, vor Ort und online über Zoom statt. Weitere Informationen: https://www.zmo.de/veranstaltungen/vortragsreihen/zmo-kolloquium-im-wintersemest...
https://www.zmo.de/veranstaltungen/vortragsreihen/zmo-kolloquium-im-wintersemest...
Criteria of this press release:
Journalists, Scientists and scholars, Students
Politics, Social studies
transregional, national
Transfer of Science or Research
German

You can combine search terms with and, or and/or not, e.g. Philo not logy.
You can use brackets to separate combinations from each other, e.g. (Philo not logy) or (Psycho and logy).
Coherent groups of words will be located as complete phrases if you put them into quotation marks, e.g. “Federal Republic of Germany”.
You can also use the advanced search without entering search terms. It will then follow the criteria you have selected (e.g. country or subject area).
If you have not selected any criteria in a given category, the entire category will be searched (e.g. all subject areas or all countries).