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09/11/2026 09:00

Die Frühstartrente ist eine Chance, erste Erfahrungen am Kapitalmarkt zu sammeln

Pascal Ausäderer Media Relations and Creation
ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH Mannheim

    Am 12. August hat das Bundeskabinett die Frühstartrente beschlossen. Die Initiative soll junge Menschen frühzeitig beim Aufbau von Altersvorsorgekapital unterstützen und mit den Chancen des Kapitalmarkts vertraut machen. Wenn Eltern keinen individuellen Vertrag für die Altersvorsorge des Kindes abschließen, soll durch eine sogenannte kollektive Anlage kein Startkapital verloren gehen.

    Am 12. August hat das Bundeskabinett die Frühstartrente beschlossen. Die Initiative soll jungen Menschen frühzeitig beim Aufbau von Altersvorsorgekapital unterstützen und mit den Chancen des Kapitalmarkts vertraut machen. Auch die Kinder, deren Eltern keinen individuellen Vertrag für ihr Kind abschließen, sollen durch eine sogenannte kollektive Anlage eingebunden werden, so dass ihnen kein Startkapital verloren geht.

    Finanzökonominnen betonen in einer aktuellen Untersuchung, wie wichtig klare und unabhängige Strukturen dieser automatischen Default-Kapitalanlage sind. Die Autorinnen Tabea Bucher-Koenen (ZEW Mannheim und Universität Mannheim), Christine Laudenbach (SAFE), Ulrike Malmendier (University of California, Berkeley und SAFE), Claudia Schaffranka (SAFE) und Milena Schwarz (Sachverständigenrat Wirtschaft) empfehlen, ausschließlich in Aktien anzulegen und einer passiven, breitgestreuten und regelgebundenen Anlagestrategie zu folgen. Ihre Empfehlungen leiten die fünf Ökonominnen aus langjähriger Forschung auf den Gebieten Altersvorsorge, Aktienmarktteilnahme und Finanzbildung ab.

    Kapitalmarkterfahrungen prägen das Anlageverhalten

    Ulrike Malmendier, Direktorin des O’Donnell Centers für Behavioral Economics an der UC Berkeley und Distinguished Policy Advisor am Leibniz-Institut für Finanzmarktforschung SAFE, fasst zusammen: „Aus der Forschung wissen wir, dass Menschen aus Erfahrungen lernen und persönliche Erfahrungen mit dem Kapitalmarkt einen starken Einfluss auf ihr späteres Anlageverhalten haben. In Deutschland fehlte es bislang am einfachen Zugang zu breit diversifizierten Aktienanlagen.“

    Christine Laudenbach, Leiterin der Abteilung Household Finance am Leibniz-Institut für Finanzmarktforschung SAFE, betont: „Eine wichtige Hemmschwelle ist dabei die Vorstellung, sehr viel über Finanzmärkte wissen zu müssen, um bei der Geldanlage keine Fehler zu machen. Gerade diese wahrgenommene Komplexität kann Menschen davon abhalten, überhaupt mit dem Investieren zu beginnen. Durch die automatische Einbindung aller Familien kann die breite Bevölkerung mitgenommen werden. Die Frühstartrente ist ein Neuanfang und bietet enorme Chancen, die Aktienkultur in Deutschland nachhaltig zu ändern.“ Für eine nachhaltige Finanzmarkterfahrung brauche es daher hohe Transparenz und geringe Komplexität bei der Frühstartrente.

    Politische Vorgaben und Umsetzung trennen

    „Erfahrungen aus Schweden zeigen, dass die Ausgestaltung des Standardportfolios das Anlageverhalten der großen Mehrheit über Jahrzehnte prägt“, sagt Tabea Bucher-Koenen, Leiterin des ZEW-Forschungsbereichs „Altersvorsorge und nachhaltige Finanzmärkte“. Auch eine Trennung zwischen den politischen Vorgaben und der operativen Umsetzung sei wichtig: „Für ein transparentes und stabiles System braucht es eine langfristige und konsequente Renditeorientierung, ein professionelles Management und eine unabhängige Aufsicht durch Kapitalmarktexperten.“

    Die Frühstartrente soll zum 1. Januar 2027 in Kraft treten. Nach den Planungen der Bundesregierung soll das Gesetzgebungsverfahren bis November 2026 abgeschlossen werden, damit die Umsetzung rechtzeitig vorbereitet werden kann. Laut den Autorinnen muss die im Referentenentwurf vorgeschlagene aktienbasierte Anlage dazu beibehalten werden. Sie sehen in dem Projekt große Chancen, nicht nur die Finanzbildung, sondern vor allem das Finanzverhalten nachhaltig zu unterstützen. Voraussetzung sei, dass unterschiedlichste Bevölkerungsschichten dadurch eigene Erfahrungen mit breit diversifizierten, kostengünstigen und damit ertragreichen Anlagen machen und diese durch gezielte Bildungsangebote unterstützt werden.

    Breit diversifiziertes Aktienportfolio

    Aktien haben historisch mit etwa 7 Prozent pro Jahr die höchsten realen Renditen erzielt. Deutlich höher als Anleihen. Bei einem langen Anlagehorizont haben diese Unterschiede eine erhebliche Auswirkung auf die spätere Rentenhöhe. Eine passive, regelgebundene Strategie hält dabei die Kosten niedrig und schützt vor dem Versuch, den Markt zu timen, oder vor kurzfristigem politischem Einfluss auf die Anlageentscheidungen.

    Eine Gewichtung nach Marktkapitalisierung ist der im Markt etablierte und transparente Standard. Alternativen, wie eine Gewichtung nach Wirtschaftsleistung (BIP-Gewichtung) können die Konzentration auf einzelne Länder und Unternehmen zusätzlich reduzieren.


    Contact for scientific information:

    Prof. Dr. Tabea Bucher-Koenen
    Leiterin des Forschungsbereichs „Altersvorsorge und nachhaltige Finanzmärkte“
    E-Mail tabea.bucher-koenen@zew.de
    Telefon: +49 (0)621 1235-147


    Original publication:

    https://safe-frankfurt.de/de/policy-center/publikationen/detailsview/publication...


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    Criteria of this press release:
    Journalists
    Economics / business administration, Politics, Social studies
    transregional, national
    Miscellaneous scientific news/publications, Research results
    German


     

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