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09/11/2026 15:35

Welt-Sepsis-Tag: DGAI fordert mehr Aufklärung und bessere Früherkennung

Jana Schneeberg Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und lntensivmedizin e.V.

    Nürnberg. Eine Sepsis ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Unbehandelt kann sie innerhalb kurzer Zeit zu lebensbedrohlichen Organdysfunktionen bis hin zum septischen Schock führen. Eine rasche Diagnostik und Behandlung sind deshalb entscheidend. Doch noch immer wird die lebensbedrohliche Erkrankung häufig zu spät erkannt. Zum Welt-Sepsis-Tag am 13. September fordert die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e.V. (DGAI) deshalb, die Früherkennung konsequent zu stärken: durch mehr Wissen über Warnzeichen in der Bevölkerung, eine kontinuierliche Sensibilisierung aller, die in der Gesundheitsversorgung tätig sind, und den gezielten Einsatz neuer digitaler Möglichkeiten.

    „Bei Herzinfarkt und Schlaganfall ist heute weithin bekannt, dass schnelles Handeln entscheidend ist. Dieses Bewusstsein brauchen wir auch für die Sepsis“, sagt Prof. Dr. Thorsten Brenner, Sprecher der Sektion Intensivmedizin und des Arbeitskreises Intensivmedizin der DGAI sowie Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Universitätsklinikum Essen. Er fordert: „Die Frage ‚Könnte es eine Sepsis sein?‘ müssen wir viel stärker verankern – sowohl in der Bevölkerung als auch bei allen Beteiligten in der Gesundheitsversorgung.“

    Eine Sepsis ist eine lebensbedrohliche Komplikation einer Infektion: Die körpereigene Abwehrreaktion gerät außer Kontrolle und beginnt, lebenswichtige Organe zu schädigen. Das Tückische: Sie kann sich zunächst mit sehr unterschiedlichen und unspezifischen Beschwerden bemerkbar machen. Warnzeichen sind insbesondere eine plötzliche Verschlechterung des Allgemeinzustands, Verwirrtheit, Atemnot oder auffällig schnelle Atmung, Kreislaufprobleme, ein außergewöhnlich starkes Krankheitsgefühl sowie Fieber oder Untertemperatur. Treten solche Symptome im Zusammenhang mit einer Infektion auf, sollte auch an eine Sepsis gedacht und umgehend medizinische Hilfe gesucht werden. Denn je früher die Erkrankung erkannt wird, desto schneller können Diagnostik und Behandlung beginnen.

    Früherkennung gehört in Aus-, Fort- und Weiterbildung

    Mehr Wissen über Sepsis brauche es aber nicht nur in der Bevölkerung. Auch Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte und weitere im Gesundheitswesen Tätige müssten für das Krankheitsbild kontinuierlich sensibilisiert werden. „Das gehört in die Ausbildung, in die Fort- und Weiterbildung“, betont DGAI-Präsident Prof. Dr. Gernot Marx, Direktor der Klinik für Operative Intensivmedizin und Intermediate Care am Universitätsklinikum Aachen. „Es reicht nicht, das einmalig zu lehren. Wir müssen das Wissen kontinuierlich wiederholen, damit es tief verankert ist.“

    Wie viel das bewirken kann, erlebt Prof. Marx im Klinikalltag. Mitarbeitende, die zeitweise auf einer Intensivstation tätig waren und anschließend auf andere Stationen zurückkehrten, hätten häufig ein geschärftes Bewusstsein für mögliche Sepsisverläufe und könnten früher reagieren. Aus Sicht der DGAI muss das Wissen über Sepsis deshalb weit über die Intensivstation hinaus in allen Bereichen der Versorgung präsent sein.

    Digitale Frühwarnsysteme können wertvolle Zeit gewinnen

    Zusätzliche Chancen eröffnet die Digitalisierung. Algorithmen können routinemäßig erhobene Patientendaten analysieren und Behandlungsteams frühzeitig auf Veränderungen aufmerksam machen, die auf eine sich entwickelnde Sepsis hindeuten.

    „Es gibt bereits Algorithmen, die auf Basis von Standardparametern frühzeitig auf eine drohende Sepsis hinweisen können – teilweise mehrere Stunden, bevor klinische Zeichen auftreten“, erklärt DGAI-Präsident Marx. Solche Systeme könnten Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte bei der Früherkennung unterstützen. „Wenn wir diese Technologien in die Routineversorgung überführen, können wir viele Leben retten.“ Dabei sollen die digitalen Systeme die klinische Beurteilung nicht ersetzen. Ihr Potenzial liegt vielmehr darin, große Mengen ohnehin vorhandener Daten kontinuierlich auszuwerten und Behandlungsteams frühzeitig auf kritische Entwicklungen hinzuweisen – und damit möglicherweise wertvolle Zeit für Diagnostik und Therapie zu gewinnen.

    Sepsis verhindern, bevor sie entsteht

    Doch der Kampf gegen Sepsis beginnt nicht erst mit der Früherkennung. Jeder Sepsis geht eine Infektion voraus. Mit dem umgangssprachlichen Begriff „Blutvergiftung“ verbinden viele Menschen dagegen noch immer die Vorstellung einer entzündeten Wunde und eines roten Streifens auf der Haut, der in Richtung des Herzens zieht. „Eine Sepsis kann jedoch aus ganz unterschiedlichen Infektionen hervorgehen“, erklärt Brenner. Prävention und Aufklärung müssten deshalb ebenso zusammengedacht werden wie Früherkennung und schnelle Behandlung.

    Dazu gehört auch ein ausreichender Impfschutz: Impfungen können bestimmte Infektionskrankheiten verhindern oder das Risiko schwerer Verläufe reduzieren und damit zugleich das Risiko einer daraus entstehenden Sepsis senken. Das gilt beispielsweise für Impfungen gegen Influenza, Pneumokokken oder – für die jeweils empfohlenen Personengruppen – RSV.

    Auch bei der Therapie sieht die DGAI große Entwicklungspotenziale. Sepsis ist kein einheitliches Krankheitsbild: Ursache, betroffene Organe und die individuelle Reaktion des Körpers können sich erheblich unterscheiden. Die Forschung müsse deshalb stärker darauf abzielen, unterschiedliche Krankheitsverläufe besser zu verstehen und Behandlungen künftig gezielter auf die einzelnen Patientinnen und Patienten abzustimmen.

    „Sepsis wird bereits heute am Infektionsfokus, am Erreger, an den Organfunktionsstörungen und an individuellen Risikofaktoren ausgerichtet behandelt“, sagt Brenner. „Das kann aber nicht der Endpunkt sein. Unser Ziel muss es sein, besser zu erkennen, welche Patientengruppen von spezifischen Therapieansätzen profitieren.“

    Für die DGAI ist deshalb die gesamte Kette entscheidend: Infektionen möglichst verhindern, Warnzeichen frühzeitig wahrnehmen, eine mögliche Sepsis früh erkennen und unverzüglich behandeln – und zugleich Diagnostik und Therapie weiterentwickeln. „Dass in Deutschland noch immer etwa 85.000 Menschen pro Jahr an oder mit einer Sepsis sterben, dürfen wir nicht einfach hinnehmen. Prävention, moderne Diagnostik und medizinischer Fortschritt geben uns Möglichkeiten, diese erschreckende Zahl zu senken. Diese Möglichkeiten müssen wir konsequent nutzen“, betont DGAI-Präsident Prof. Marx.


    Original publication:

    https://www.dgai.de/aktuelles-patientinnen-projekte/pressemitteilungen/3302-zum-...


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    Eine Sepsis ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Unbehandelt kann sie innerhalb kurzer Zeit zu lebensbedrohlichen Organdysfunktionen bis hin zum septischen Schock führen. Eine rasche Diagnostik und Behandlung sind deshalb entscheidend.
    Eine Sepsis ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Unbehandelt kann sie innerhalb kurzer Zeit zu lebensbed ...

    Copyright: DGAI e.V.


    Criteria of this press release:
    Journalists
    Medicine, Nutrition / healthcare / nursing
    transregional, national
    Miscellaneous scientific news/publications
    German


     

    Eine Sepsis ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Unbehandelt kann sie innerhalb kurzer Zeit zu lebensbedrohlichen Organdysfunktionen bis hin zum septischen Schock führen. Eine rasche Diagnostik und Behandlung sind deshalb entscheidend.


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