Das Projekt AHOI.SH der HAW Kiel und VIVO Carbon untersucht gemeinsam mit Partnern die Potenziale von Agroforstsystemen in Schleswig-Holstein. Im Fokus stehen Wirtschaftlichkeit, Erträge, Klimaanpassung, Artenvielfalt und die Nutzung des erzeugten Holzes. Dafür werden bestehende Agroforstflächen direkt in der Praxis untersucht. Die Ergebnisse sollen in Kalkulationsmodelle, einen Praxisleitfaden und ein frei zugängliches KI-gestütztes Entscheidungstool einfließen. Ziel ist es, landwirtschaftlichen Betrieben belastbare Entscheidungsgrundlagen zu bieten und Agroforst als klimaresiliente und wirtschaftlich interessante Bewirtschaftungsform stärker zu etablieren.
Agroforstsysteme verbinden landwirtschaftliche Nutzung mit dem Anbau von Bäumen und Sträuchern. Sie können das Mikroklima verbessern, die Artenvielfalt fördern, Bodenverluste minimieren und bieten zusätzliche Ertragsmöglichkeiten für landwirtschaftliche Betriebe. Mit dem Projekt AHOI.SH (Agroforstliche Holzerzeugung aus Innovativen Anbausystemen in Schleswig-Holstein) untersuchen Agrarwirtschaftler der HAW Kiel und das gemeinnützige Unternehmen VIVO Carbon gemeinsam mit ihren Projektpartnern, wie sich diese Potenziale in der Praxis nutzen lassen.
Bislang ist Agroforst in Schleswig-Holstein noch wenig verbreitet. Die Gesamtfläche der eingetragenen Agroforstflächen beträgt 44 Hektar. Der Grund: Es fehlen belastbare Daten zur Wirtschaftlichkeit, zu möglichen Auswirkungen auf Acker- und Grünlanderträge sowie zu den Potenzialen des erzeugten Holzes. Genau hier setzt AHOI.SH an: Auf bestehenden Agroforstflächen werden pflanzenbauliche, betriebswirtschaftliche und holztechnische Daten erhoben und ausgewertet. „Agroforst muss sich in den jeweiligen Betrieb integrieren lassen – ökologisch genauso wie wirtschaftlich“, sagt Projektleiter Prof. Dr. Tammo Peters, dessen Professur für Grünlandwirtschaft und Klimaschutz an der HAW Kiel vom Land Schleswig-Holstein gefördert wird. „Mit AHOI.SH wollen wir deshalb belastbare Daten aus der Praxis gewinnen und daraus konkrete Entscheidungshilfen für Landwirt*innen entwickeln.“
Forschung direkt auf den Betrieben
Die Untersuchung zeigt unter anderem, welchen Einfluss Gehölzstreifen auf Futterertrag und -qualität sowie auf die Artenvielfalt im Grünland haben. Gleichzeitig steht die Nutzung des Pappelholzes im Fokus. Die schnell wachsende Pappel wird meist verwendet, da sie in vergleichsweiser kurzer Zeit viel CO₂ binden und zeitnah geerntet werden kann. Dafür betrachten die Forschenden verschiedene Verwertungswege – von der Wärmeenergiegewinnung und der Herstellung von Pflanzenkohle über Holzwerkstoffe bis hin zu höherwertigen Holzprodukten.
Der Fokus des Projektpartners VIVO Carbon liegt auf der Erschließung von attraktiven Wertschöpfungsmöglichkeiten für schnellwachendes Agroforstholz. Das gemeinnützige Hamburger Unternehmen betreibt gemeinsam mit Landwirt*innen Agroforstsysteme auf 230 Hektar Acker und Grünland mit 50.000 Bäumen und bringt Erfahrungen aus der betrieblichen Umsetzung in das Projekt ein. „Pappeln lassen sich besonders gut und einfach in die Landwirtschaft integrieren, ob als Windschutz auf Ackerflächen, oder als Schattenspender für Hühner, Rinder und Milchkühe. Gleichzeitig kann Pappelholz vielfältig verwertet werden und in weniger als zehn Jahren gute Erträge bringen“, erklärt Michael Weitz, Geschäftsführer von VIVO Carbon.
Eine zentrale Rolle übernehmen die beteiligten landwirtschaftlichen Betriebe. Auf dem Hof Fuhlreit in Kropp, im Landwirtschaftsbetrieb Rauert auf Fehmarn und auf Rieckens Eichhof in Großbarkau untersuchen die Projektpartner Agroforstsysteme direkt in der Praxis. So verbinden sie die Erfahrungen der Betriebe vor Ort mit wissenschaftlicher Forschung und fachlicher Beratung. „Rein ökonomisch betrachtet ist es schwer für Agroforstsysteme zu werben, da sie durch die Diversifizierung immer erstmal einen Mehraufwand bedeuten. Deshalb ist die Forschung zu Ökosystemleistungen so wichtig für die Etablierung der neuen Landnutzungsform in Schleswig-Holstein“, erklärt Felix Riecken, Betriebsleiter auf Rieckens Eichhof.
Von der Forschung zum Entscheidungstool
Die Ergebnisse sollen in Kalkulationsmodelle, einen praxisorientierten Leitfaden und ein frei zugängliches KI-gestütztes Entscheidungstool einfließen. Gemeinsam mit holzverarbeitenden Partnern sollen Perspektiven für Abnehmer, Verarbeitung und Vermarktung entwickelt werden.
Langfristig soll AHOI.SH dazu beitragen, Agroforstsysteme in Schleswig-Holstein stärker zu etablieren – als klimaresiliente Bewirtschaftungsform, als Beitrag zu einer vielfältigen Landschaft und als mögliche zusätzliche Einkommensquelle für landwirtschaftliche Betriebe. „Das Thema Agroforst gewinnt derzeit erheblich an Bedeutung. Daher bringen wir uns als Landwirtschaftskammer aktiv ein“, so Hans Jacobs, Leiter der neu geschaffenen Stabsstelle Zukunft Land und Forst der Landwirtschaftskammer. Er weist darauf hin, dass die Beratung der Landwirt*innen und die aktive Unterstützung in der Umsetzung zukünftig Teil des Dienstleistungsangebotes der Landwirtschaftskammer werden sollen.
AHOI.SH auf einen Blick
• Projekt: AHOI.SH – Agroforstliche Holzerzeugung aus innovativen Anbausystemen in Schleswig-Holstein
• Projektleitung: Prof. Dr. Tammo Peters, Professor für Grünlandwirtschaft und Klimaschutz, HAW Kiel
• Laufzeit: 01.01.2026 bis 31.12.2028
• Fördersumme: 496.945,35 Euro
• Förderung: Das Projekt AHOI.SH ist an der F&E GmbH (ehemals FuE-Zentrum der FH Kiel GmbH) verankert. Zuwendung aus Mitteln des GAP-Strategieplans 2023–2027 im Rahmen der Intervention EL-0702 „Europäische Innovationspartnerschaft für Produktivität und Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft (EIP-Agri)“
• Im Fokus: Pflanzenbau, Betriebswirtschaft, Holzverwertung, Klimaschutz und Klimaanpassung
• Ergebnisse: Kalkulationsmodelle, Praxisleitfaden und frei zugängliches KI-gestütztes Entscheidungstool
HAW Kiel
Prof. Dr. Tammo Peters
E-Mail: tammo.peters@haw-kiel.de
VIVO Carbon gGmbH
Michael Weitz
E-Mail: michael.weitz@vivocarbon.de
Auf Rieckens Eichhof in Großbarkau wurden bereits Pappeln angepflanzt und liefert so Daten zur Forsc ...
Source: VIVO Carbon gGmbH
Copyright: VIVO Carbon gGmbH
Prof. Dr. Tammo Peters, Professor für Grünlandwirtschaft und Klimaschutz an der HAW Kiel leitet das ...
Source: Ines Sell
Copyright: Ines Sell
Criteria of this press release:
Journalists
Biology, Economics / business administration, Environment / ecology, Oceanology / climate, Zoology / agricultural and forest sciences
transregional, national
Cooperation agreements, Research projects
German

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