Im März 2026 gab Professor Dr. Georg F. Hoffmann mit seinen Funktionen an der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg auch sein Amt als Ärztlicher Direktor der Klinik für Kinderheilkunde I: Allgemeine Pädiatrie, Neuropädiatrie, Stoffwechsel, Gastroenterologie und Nephrologie ab. Nun kann nach Abschluss eines Förderprojekts der Ruhestand beginnen.
Seit 36 Jahren ist Professor Dr. Prof. h.c. mult.(PRC) Georg F. Hoffmann i.R. eng mit der Kinderklinik des Universitätsklinikums Heidelberg (UKHD) verbunden, seit 1999 als Ärztlicher Direktor der Klinik für Kinderheilkunde I und langjähriger Geschäftsführender Direktor des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin Heidelberg. Unter seiner Ägide entstand die 2008 eingeweihte Angelika-Lautenschläger-Kinderklinik, die alle Kinderkliniken des UKHD unter einem Dach vereint und mit 200 Betten eine der deutschlandweit größten Kinderkliniken ist. 2012 folgte der Verbindungsbau zur Universitäts-Frauenklinik mit modernen Räumlichkeiten unter anderem der Neonatologie, der Frühgeborenen-Intensivstation (FIPS) und der Kinderherzchirurgie. 2014 wurde das Dietmar Hopp-Stoffwechselzentrum, in dem Neugeborenen-Screening, Stoffwechsellabor, Notfalldiagnostik und Forschung zu angeborenen Stoffwechselerkrankungen erstmals zusammengeführt wurden, im neu errichteten Analysezentrum III eröffnet. Professor Hoffmanns Ziel war es dabei stets, optimale Bedingungen für Patientinnen und Patienten, Angehörige sowie Mitarbeitende zu schaffen und gleichzeitig die Voraussetzungen für innovative Forschung und interdisziplinäre Zusammenarbeit zu verbessern.
Die unter Hoffmanns Leitung kontinuierlich gewachsene Klinik wird mit dem Generationenwechsel zweigeteilt: in die Kinderklinik I für Allgemeine Pädiatrie, Gastroenterologie, Nephrologie, Rheumatologie und Organtransplantation, deren neuer Ärztlicher Direktor, Professor Dr. Jun Oh, am 1. September 2026 sein Amt angetreten hat, und in die Kinderklinik V für Neuropädiatrie, Stoffwechselmedizin, Endokrinologie und Diabetologie, die aktuell von Professor Dr. Steffen Syrbe kommissarisch geleitet wird.
„Professor Hoffmann hat die pädiatrische Versorgung und Infrastruktur am UKHD nachhaltig geprägt und weit über die Region hinaus Maßstäbe gesetzt. Er hat Neugeborenen-Screening, Spezialdiagnostik und Erforschung angeborener Stoffwechselerkrankungen zusammengeführt und damit wesentlich dazu beigetragen, dass Heidelberg heute zu den führenden Stoffwechselzentren in Europa zählt. Sein wissenschaftlicher Weitblick, sein unermüdlicher Einsatz für betroffene Familien und sein anhaltendes Engagement in der Diagnostik und Therapie seltener Erkrankungen haben zahllosen Kindern und ihren Familien ein weitgehend normales Leben ermöglicht“, sagt Professor Dr. Hanns-Peter Knaebel, Vorstand Medizin und Vorstandsvorsitzender des Verbunds der Universitätsklinika Heidelberg und Mannheim. „Diese Lebensleistung verdient höchsten Dank und Anerkennung.“
„Professor Hoffmann hat die Medizinische Fakultät Heidelberg mit seiner wissenschaftlichen Exzellenz und seinem außerordentlichen Engagement über Jahrzehnte hinweg in Forschung und Lehre maßgeblich geprägt und die Versorgung von Kindern mit seltenen Erkrankungen national wie international entscheidend vorangebracht“, sagt Professor Dr. Michael Boutros, Dekan der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg. „Studierende, Ärztinnen und Ärzte sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben von seiner Expertise, seiner Förderung und seinem Anspruch an wissenschaftliche Qualität profitiert. Zugleich war ihm der internationale wissenschaftliche Austausch stets ein besonderes Anliegen. Durch sein Engagement hat er internationale Netzwerke aufgebaut und die Sichtbarkeit Heidelbergs weit über Deutschland hinaus gestärkt.“
18 Erkrankungen auf Grundlage Heidelberger Pilotstudien in Neugeborenen-Screening aufgenommen
1990 kam Hoffmann erstmals an die Heidelberger Kinderklinik, im Gepäck das in den USA erworbene Knowhow um die massenspektrometrische Analyse von Stoffwechselprodukten im Blut – der Grundstein für die spätere Erweiterung des Neugeborenen-Screenings. Damals wurden Neugeborene auf die Stoffwechselstörung Phenylketonurie (PKU) und die angeborene Schilddrüsenunterfunktion untersucht. Die frühe Diagnose weiterer angeborener Erkrankungen war noch nicht möglich. Die Zeit als Oberarzt auf der Frühgeborenen-Intensivstation führten Hoffmann die Relevanz dieser Versorgungslücke vor Augen: „Rund 30 bis 40 Prozent der Kinder, die in den ersten Lebenstagen und -wochen starben, litten an seltenen Erkrankungen, die wir weder rechtzeitig feststellen noch behandeln konnten“, so der Kinderarzt.
Als er 1999 nach fünfjähriger Tätigkeit am Universitätsklinikum Marburg als Ärztlicher Direktor der Klinik für Kinderheilkunde I nach Heidelberg zurückkehrte, schrieb er sich die Entwicklung geeigneter Analyseverfahren und Therapien für angeborene Stoffwechselerkrankungen auf die Fahnen. Unter anderem dank der wissenschaftlichen Vorarbeiten seines Teams wurde das erweiterte Neugeborenen-Screening 2005 als Kassenleistung eingeführt und damit bundesweit zugänglich gemacht. Seit 2026 wird auf 23 Erkrankungen beziehungsweise Erkrankungsgruppen getestet, 18 dieser Erkrankungen wurden auf Grundlage mehrerer Heidelberger Pilotstudien – langjährig gefördert durch die Dietmar Hopp Stiftung – in das deutsche Neugeborenen-Screening aufgenommen. „Heute identifizieren wir bei einem von 700 Neugeborenen eine angeborene Erkrankung. Das sind bei den jährlich rund 140.000 Proben aus Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und dem Saarland, die bei uns am Dietmar-Hopp-Stoffwechselzentrum analysiert werden, 200 Neugeborene, die wir retten und denen wir viel Leid ersparen können. Das ist die inzwischen erfolgreichste sekundärmedizinische Präventionsmaßnahme weltweit“, resümiert Professor Hoffmann nicht ohne Stolz.
Eng verbunden mit diesem Erfolg ist die Gründung des Zentrums für Seltene Erkrankungen Heidelberg (ZSE) im Jahr 2011, dessen Vorsitzender er seitdem war. Das Zentrum bietet Betroffenen eine koordinierte Versorgung und bündelt die wissenschaftliche und klinische Expertise verschiedener Fachdisziplinen. An dem international renommierten Zentrum werden inzwischen Kinder und Erwachsene aus dem gesamten Bundesgebiet und darüber hinaus betreut.
Bis September 2026 nahm Professor Hoffmann in dem vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses mit 13,6 Millionen Euro geförderten Verbundprojekt INTEGRATE-ATMP seine Funktion als stellvertretender Konsortialleiter wahr und begleitete das Projekt bis zum offiziellen Abschluss. Das deutschlandweite Konsortium entwickelte unter Heidelberger Federführung Strukturen und Strategien für die qualitätsgesicherte Einführung von Gen- und Zelltherapien, sogenannten Advanced Therapy Medicinal Products (ATMPs). „Die Entwicklungen im Bereich der Gentherapien knüpfen nahtlos an unsere jahrelangen Arbeiten am Neugeborenen-Screening an, denn sie eröffnen nun erstmals kausale Behandlungsmöglichkeiten und erweitern damit auch das Spektrum der ,screenbaren‘ Erkrankungen“, so Hoffmann.
Auch weiterhin wird sich Professor Hoffmann für junge Patientinnen und Patienten der Heidelberger Kinderklinik engagieren: als ehrenamtlicher Kuratoriumsvorsitzender der Stiftung COURAGE für chronisch kranke Kinder und Jugendliche, deren Vorläufer-Initiative er 2002 ins Leben rief. Die Stiftung fördert Projekte wie Musiktherapie, Klinikclowns, psychologische Begleitung von Familien, Ferienfreizeiten für nieren- und leberkranke Kinder, Vorschulprogramme für langzeitstationäre Patienten oder die Ausbildung von Fachpflegekräften.
Zur Person
Georg Friedrich Hoffmann, geboren 1957 in Goslar, studierte an der Universität Göttingen sowie an der University of Birmingham, Großbritannien, Medizin. Nach einem Forschungsaufenthalt in San Diego, USA, und seiner Facharztausbildung an der Universitätskinderklinik Göttingen wechselte er 1990 an die Medizinische Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg, wo er 1992 mit Arbeiten zu einer seltenen Stoffwechselerkrankung habilitiert wurde. 1994 folgte er dem Ruf der Universität Marburg und leitete am dortigen Universitätsklinikum bis 1999 die Klinik Pädiatrie II Neuropädiatrie / Stoffwechselmedizin. 1999 übernahm er das Amt des Ärztlichen Direktors der Klinik für Kinderheilkunde I des UKHD, ab 2005 war er zudem Geschäftsführender Direktor des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin Heidelberg.
Im Rahmen seines langjährigen Engagements für den internationalen wissenschaftlichen Austausch pflegte Professor Hoffmann besonders enge Beziehungen zur Tongji Medical School in China. Dort unterstützte er unter anderem die Etablierung eines modernen Stoffwechsellabors. sowie den Aufbau gemeinsamer Forschungs- und Versorgungsstrukturen im Bereich seltener Erkrankungen. An der Shanghaier Jiaotong Universität half er, das erweiterte Neugeborenen-Screening einzuführen. für dieses Engagement wurde er 2025 als Auswärtiges Mitglied in die Chinesische Akademie der Wissenschaften aufgenommen und 2026 zum Ehrenpräsidenten des Tongji Hospitals ernannt. Seit 2018 ist er Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina.
Prof. Dr. med., Prof. h.c. mult. (PRC) Georg F. Hoffmann, i.R.
E-Mail: georg.hoffmann@med.uni-heidelberg.de
https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/zentrum-fuer-kinder-und-jugendmedizin/
Criteria of this press release:
Business and commerce, Journalists, Scientists and scholars, all interested persons
Medicine
transregional, national
Personnel announcements
German

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