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10/19/2026 10:52

Zu schade für den Abfluss: Nährstoffe im Gießwasser

Eva Sittig KiNSIS (Kiel Nano, Surface and Interface Science)
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

    Ein neues Sensorsystem soll zeigen, welche Nährstoffe im Gießwasser von Gewächshäusern enthalten sind. In dem neuen deutsch-dänischen Interreg-Projekt NutriCycle entwickeln Forschende dafür eine optische Messmethode. Mit einem Gesamtbudget von 1,8 Millionen Euro wollen sie dazu beitragen, Wasser und Dünger effizienter einzusetzen und Nährstoffeinträge ins Abwasser zu reduzieren.

    In Gewächshäusern versorgen Betriebe ihre Pflanzen mit Wasser, dem sie gezielt mineralische Nährstoffe zusetzen. Das Wasser fließt in Kreisläufen und muss regelmäßig ersetzt werden; dabei gehen oft Nährstoffe verloren, die den Pflanzen noch zur Verfügung stehen könnten. Wie sich diese Verluste verringern lassen, untersucht das neue deutsch-dänische Forschungsprojekt NutriCycle. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und der University of Southern Denmark (SDU) in Dänemark entwickeln dafür ein automatisiertes Sensorsystem, das einzelne Pflanzennährstoffe im Wasser erfassen soll.

    Bislang lässt sich bei der Bewässerung nur abschätzen, wie viele gelöste Salze das Wasser insgesamt enthält. Die Messung beruht dabei auf einem einzelnen Messwert. Welche Nährstoffe im Überschuss vorhanden sind oder den Pflanzen fehlen bleibt allerdings offen. Eine genauere Analyse könnte Gärtnereien dabei helfen, die Pflanzen gezielter zu versorgen und dabei Wasser und Dünger zu sparen. Zugleich ließen sich Nährstoffeinträge ins Abwasser reduzieren: Gelangen Stickstoff- und Phosphorverbindungen in Gewässer, können sie dazu führen, dass Algen stärker wachsen und weniger Sauerstoff im Wasser bleibt.

    Die Projektleitung liegt bei Professor Casper Kunstmann an der SDU. Auf CAU-Seite leitet Professorin Martina Gerken das Projekt. Für die dreijährige Laufzeit steht ein Gesamtbudget von etwa 1,8 Millionen Euro zur Verfügung, davon stammen rund 1,2 Millionen Euro aus dem Förderprogramm Interreg Deutschland-Danmark. An NutriCycle sind außerdem das deutsche Forschungsunternehmen NPZ Innovation in Schleswig-Holstein, das dänische Wasser- und Abwasserunternehmen VandCenter Syd und die dänische Gartenbauberatung HortiAdvice beteiligt.

    Einzelne Nährstoffe statt Gesamtmessung

    Um einzelne Nährstoffe zuverlässig voneinander unterscheiden zu können, entwickelt das Team ein neues Messverfahren. Dafür nutzen Forschende der SDU die Mikrofluidik: Sie analysieren sehr kleine Wassermengen in einem Chip. Chemische Reaktionen machen dort die enthaltenden Nährstoffe anhand von Farbveränderungen sichtbar.

    Gerkens Arbeitsgruppe in Kiel entwickelt die optischen Sensoren, die diese Farbveränderungen erfassen. Aus diesen Daten berechnet dann das System, wie viel eines bestimmten Nährstoffs das Wasser enthält. Dafür bauen die Forschenden eine Messkammer mit Lichtquellen und Sensoren, sowie eine kompakte Einheit, die die Messung steuert und die Daten auswertet.

    Zunächst will das Team herausfinden, wie viel Nitrat das Abwasser enthält, eine wichtige Stickstoffquelle für Pflanzen. Später sollen weitere Nährstoffe hinzukommen. Das Besondere: Bislang müssen Betriebe Wasserproben ins Labor schicken, um einzelne Nährstoffe bestimmen zu lassen. NutriCycle soll dies automatisch direkt am Wasserkreislauf im Gewächshaus durchführen. So könnten Betriebe gezielter düngen, Wasser recyclen und verhindern, dass wertvolle Nährstoffe ungenutzt verloren gingen.

    „Ich freue mich sehr auf die deutsch-dänische Zusammenarbeit: Mit der SDU bündeln wir unsere Expertise in der Mikrofluidik. Bis Ende des Projektjahres wollen wir dann einen ersten Prototyp im Labor vorstellen, der sich für den Einsatz im Gewächshaus eignet“, sagt Gerken.

    Langfristig wollen die Forschenden ein kompaktes, robustes und vergleichsweise kostengünstiges Gerät entwickeln, das man an Bewässerungssysteme in Gewächshäusern anschließen kann. Es soll künftig mit der digitalen Plattform InfoGrow zusammenarbeiten, über die sich bereits Temperatur, Heizung, Licht und Beschattung steuern lassen.

    Zum Projektauftakt am 28. Oktober 2026 in Sønderborg (Dänemark) sind Gärtnereibetriebe, Unternehmen, Forschende und weitere Interessierte eingeladen.

    Pressekontakt:

    Christina Anders
    Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU)
    Wissenschaftskommunikation für den Forschungsschwerpunkt KiNSIS
    E-Mail: canders@uv.uni-kiel.de
    Telefon: 0431/880 4855

    Über den Forschungsschwerpunkt KiNSIS

    Im Nanokosmos herrschen andere, quantenphysikalische, Gesetze als in der makroskopischen Welt. Strukturen und Prozesse in diesen Dimensionen zu verstehen und die Erkenntnisse anwendungsnah umzusetzen, ist das Ziel des Forschungsschwerpunkts KiNSIS (Kiel Nano, Surface and Interface Science) der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Aus der intensiven interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Physik, Chemie, Ingenieur- und Lebenswissenschaften entstehen neue Moleküle und Materialien, Sensoren und Batterien, Quantentechnologien, katalytische Verfahren, medizinische Therapien und vieles mehr. www.kinsis.uni-kiel.de


    Contact for scientific information:

    Prof. Dr. Martina Gerken
    Integrierte Systeme und Photonik, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU)
    mge@tf.uni-kiel.de
    +49 431 880-6250


    More information:

    https://www.uni-kiel.de/de/detailansicht/news/zu-schade-fuer-den-abfluss-naehrst... Meldung auf der CAU-Website
    https://www.sdu.dk/en/om-sdu/fakulteterne/teknik/nyt_fra_det_tekniske_fakultet/n... Pressemeldung der SDU (Oktober 2026)
    https://event.sdu.dk/nutricyclekickoff Kickoff-Event NutriCycle


    Images

    Symbolbild: Gewächshaus im Botanischen Garten der Universität Kiel.
    Symbolbild: Gewächshaus im Botanischen Garten der Universität Kiel.

    Copyright: © Jürgen Haaks, Uni Kiel

    In Vorarbeiten entwickelte optische Sensoreinheit der Arbeitsgruppe von Martina Gerken zur Messung von chemischen Farbveränderungen.
    In Vorarbeiten entwickelte optische Sensoreinheit der Arbeitsgruppe von Martina Gerken zur Messung v ...

    Copyright: © Fotografie Jan Kulke


    Criteria of this press release:
    Business and commerce, Journalists, Scientists and scholars, all interested persons
    Chemistry, Electrical engineering, Environment / ecology, Zoology / agricultural and forest sciences
    transregional, national
    Cooperation agreements, Research projects
    German


     

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    In Vorarbeiten entwickelte optische Sensoreinheit der Arbeitsgruppe von Martina Gerken zur Messung von chemischen Farbveränderungen.


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