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Wissenschaft
Prof. Dr. Wolfgang Jäger amtierte von Oktober 1995 bis März 2008 als Rektor der Albert-Ludwigs Universität
Zum 1. April 2008 tritt der langjährige Rektor der Albert-Ludwigs-Universität, Prof. Dr. Wolfgang Jäger (67), in den Ruhestand. Sein Nachfolger wird Prof. Dr. Andreas Voßkuhle (44), Direktor des Instituts für Staatswissenschaft und Rechtsphilosophie der Juristischen Fakultät.
Vor rund zwölf Jahren, beim Amtsantritt von Prof. Dr. Wolfgang Jäger als Rektor, bot die Universität innen wie von außen ein deutlich anderes Bild. Fünfzehn statt elf Fakultäten bildeten vor der Neuordnung das Rückgrat der Universität, die im Urteil vieler Freiburger ein in sich abgekapseltes Eigenleben führte. Ein Großteil der heute selbstverständlich mit der Universität assoziierten modernen Gebäude, die vor allem die Lebenswissenschaften beherbergen, befand sich erst in der Anfangsphase der Planung oder musste erst noch in den Köpfen der Mitglieder Gestalt gewinnen. Dass sein Rektorat ohne innere Verwerfungen die Umstrukturierung der Universität auf den Weg gebracht hat und die Entscheidungen über Stellenstreichungen im Solidarpakt einmütig getroffen wurden, stuft er als Ergebnis eines bewusst betriebenen Konsensmanagements ein. Dass sich zudem die traditionsgemäß zentrifugalen Kräfte in den Disziplinen einem allen gemeinsamen Identitätsbewusstsein unterordneten, verbucht er als persönlichen Erfolg seiner Arbeit.
Auf einen der obersten Plätze seiner Leistungsbilanz stellt der gelernte Politikwissenschaftler sein Wirken als Bauherr auf dem Universitätsgelände. Es findet sich kaum ein Gebäude, das in seiner Zeit als Rektor nicht teilweise saniert, ausgebaut, komplett überholt oder ganz neu konzipiert wurde, um den Ansprüchen einer modernen Universität zu genügen. Die Bausumme von zwölf Jahren Amtszeit Rektor Jäger entspricht nach Berechnungen des Universitätsbauamtes genau der Summe, die zuvor in insgesamt 38 Jahren ausgegeben wurde. Er war laut Bauamtsleiter Karl-Heinz Bühler mit 750 Millionen Euro Bauausgaben für Universität und Klinikum der "teuerste" Rektor der Universität. Eine Auszeichnung, für die die Universität dankbar sein sollte, fügt Bühler hinzu. Gegen alle Widerstände setzte der Rektor den Auszug des Rektorats aus dem maroden Gebäude in der Heinrich-von Stephanstraße in die ehemalige Kommandantur des französischen Militärs am Fahnenbergplatz um. Als eine der Grundlagen der guten Entwicklung der Universität gilt die 1997 begonnene Erschließung des ehemaligen französischen Flugplatzes zum Campus der 11. Fakultät mit der bundesweit größten Mikrosystemtechnik und einer starken Informatik. Auch der Peterhofkeller, das Uniseum und das Liefmann-Gästehaus mussten "erkämpft" werden.
Er habe immer an das Potenzial der Freiburger Universität geglaubt, aber auch gesehen, dass sie am Beginn eines offensiver werdenden marktorientierten Wettbewerbs stand. "Wir konkurrieren national und international mit sehr guten Universitäten um die vordersten Plätze", sagt Prof. Jäger. Es kam ihm darauf an, die Mitglieder der eigenen Universität zu aktivieren und für die gemeinsamen Ziele im Sinne einer 'Corporate Identity' zu gewinnen, die sich zum Beispiel in der Neugestaltung des Dies Universitatis oder in der Konzeption des Uniseums ausdrückt. Die sehr guten Rankings der Universität zeigten ihm, dass so geweckte Kräfte und Fähigkeiten den Erfolg möglich machen.
Als Krönung seiner Amtszeit stuft der ehemalige Rektor der Universität die Aufnahme in die Exzellenzinitiative und die gelungenen Jubiläumsfeierlichkeiten ein. Nicht nur die Disziplinen, sondern auch alle Mitglieder der Universität seien in einem bis dahin nicht gekannten Ausmaß eingebunden gewesen. Beide Ereignisse hätten zudem gezeigt, dass die Universität jetzt in der Bevölkerung wirklich verwurzelt und dass die Öffnung in der Stadt und der Region angekommen sei. Einrichtungen wie der Alumni-Verein, der Erstsemesterfamilientag oder der Uni-Sommerball, die Öffnung zur Arbeitswelt und zur Wirtschaft als Zeichen einer verstärkten Öffentlichkeitsarbeit tragen ihren Teil dazu bei. "Es war für mich sehr bewegend, wie die Bevölkerung erst mit uns mit gelitten und sich dann mit uns gefreut hat über den Erfolg bei der Exzellenzinitiative." So viele Menschen wie bei den Jubiläumsfeiern und Festen hätten noch nie den Weg in die Universität gefunden. "Ich habe das als eigenen Erfolg erlebt. Die Freiburger empfinden die Universität heute als ihre Einrichtung." In der Universität hätten alle das Jubiläumskonzept mitgetragen, das zukunftsorientiert sei und die Universität unter anderem durch eine neue Fundraisingstruktur und die Neue Universitätsstiftung weiter modernisiere.
Hinter dem Erfolg sieht der Politologe einmal mehr die Möglichkeiten einer klassischen Volluniversität, die Disziplinen einbindet, ihnen aber gleichzeitig genügend Raum lässt, um Innovationen zuzulassen. Für eine Neue Universitas trieb Rektor Jäger die Zentrenbildung voran, die Interdisziplinarität über Fakultätsgrenzen hinweg garantiert. 18 Zentren innerhalb der Universität sind heute das Kernstück einer interdisziplinär ausgerichteten Forschung. Eine führende Stellung nehmen die Lebenswissenschaften ein. Bewerkstelligen konnte das einer, der die Universität und die Forschungslandschaft wie kaum ein anderer kennt. Prodekan, Dekan, Prorektor, langjähriger Vorsitzender des Großen Senats und Senatsmitglied waren Stationen auf dem Weg zum zwölfjährigen Rektoramt. Darüber hinaus sammelte der Politikwissenschaftler von 2002 bis 2004, als Vorsitzender und Stellvertretender Vorsitzender, Erfahrungen in Stuttgart bei der Landesrektorenkonferenz (LRK). Als treibende Kraft bei der Institutionalisierung der Geschäftsstelle der LRK ergaben sich von selbst die Kontakte zur Landesregierung und zu den Beamten im Finanz- und Wissenschaftsministerium. "Meine Erfolge beruhen auch auf dem Vertrauensverhältnis, das sich in dieser Zeit entwickelt hat", sagt Prof. Jäger. Als Präsident von EUCOR, dem Verbund der sieben oberrheinischen Universitäten, gab er wesentliche Impulse für die Einrichtung von trinationalen Studiengängen. Die Auszeichnung mit dem Prix Bartholdi war die Belohnung.
Das Rektoramt im fünften Stock am Fahnenbergplatz haben ihm die Studierenden nicht immer leicht gemacht durch Demonstrationen, Besetzungen und Streiks Ende der 90er Jahre sowie durch Proteste und die Rektoratsbesetzung bei der Einführung der Studiengebühren. Die Studierenden machten nicht die politischen Entscheidungen in Stuttgart verantwortlich, sondern sahen in dem Rektor der Universität die Ursache der neuen Gebührenordnung. Als Befürworter von Studiengebühren hat er dennoch Verständnis, dass sich Protest dagegen regte. "Demonstrationen gehören zu einer Universität", sagt der Politikwissenschaftler. Dass die Studierenden seinem Verständnis nach zu wenig anerkannten, wie viel in seiner Rektoratszeit für die Lehre getan wurde, überschattet etwas sein Verhältnis zur Studierendenschaft. "Mit dem Zentrum für Schlüsselqualifikationen, dem Career Center, dem Ausbau der Studienberatung, dem Zentrenverbund für Studienreform oder dem Zentrum für Hochschuldidaktik ist in den zwölf Jahren viel erreicht worden. Eine Evaluierung der Lehre ist bereits in allen Fakultäten eingeführt. "Den qualitativen Sprung durch die Studiengebühren machen wir erst jetzt." Kennzeichnend für sein Rektorat sieht der ehemalige Rektor sein gutes Verhältnis zum Personalrat der Universität. In seiner Amtszeit gab es keine Prozesse zwischen den beiden Parteien. Für ihn war es selbstverständlich an den Personalversammlungen aktiv teilzunehmen und bis zum Ende dabei zu sein.
Als Wissenschaftler, der sein Interesse an der Politik nie geleugnet hat, will der Politologe nach seiner Rektoratszeit sein wissenschaftliches Forschungsinteresse auf den Zusammenhang zwischen Politik und Wissenschaft lenken. Als jemand, der beide Seite im Laufe der Zeit gut kennen gelernt hat, verspricht er sich von seiner Arbeit einen direkten Erkenntnisgewinn sowohl für die Theorie als auch für die Praxis. "Ich werde mich im Ruhestand nicht langweilen, auch wenn ich nicht mehr von Termin zu Termin eile."
Criteria of this press release:
interdisciplinary
transregional, national
Personnel announcements
German

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