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Wissenschaft
Binnengewässer beherbergen überproportional viele Tierarten - doch sie sind gefährdet
Bei der aktuellen Diskussion um Biodiversität geht es meist um die Artenvielfalt in tropischen Regenwäldern und in den Weltmeeren. Vergessen wird dabei oft die Artenvielfalt in Binnengewässern wie Flüssen, Bächen, Seen und Quellen: Etwa zehn Prozent aller Tierarten (126 000 Arten) sind hier zuhause, obwohl die Binnengewässer nur ein Prozent der Erdoberfläche bedecken. Mehr als ein Drittel aller bekannten Wirbeltiere (18 300 Arten) sind an Süßwasserlebensräume gebunden. Für einen verbesserten Schutz der Binnengewässer tritt Dr. Jörg Freyhof vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) auf der zurzeit in Bonn stattfindenden Konferenz "Biodiversity Research - Safeguarding the Future" ein. Hier erarbeiten Wissenschaftler aus aller Welt Empfehlungen für die UN-Konferenz zur Biodiversität vom 19. bis 30. Mai 2008.
Die Artenvielfalt in Binnengewässern ist heute akut bedroht. Seit 1700 sind europaweit 16 Wirbeltiere ausgestorben, 13 davon sind Süßwasserfische. Dabei ist es weniger der Klimawandel selbst, der zum Rückgang des Artenreichtums beiträgt. Prof. Klement Tockner, Direktor des IGB: "Es sind vielmehr die Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels, die die Qualität der Süßwasserökosysteme beeinträchtigen." So würden der Ausbau der Wasserkraft und die intensive Landnutzung durch den Anbau von Energiepflanzen die Gewässer erheblich belasten. Tockner weiter: "Die rasche Veränderung der biologischen Vielfalt stellt eine der größten globalen Herausforderungen für uns Menschen dar und darf in der Diskussion um den Klimawandel nicht untergehen."
Jörg Freyhof weist auf einen anderen Aspekt hin: "Noch vor einigen Jahren hieß es, Umweltschutz sei zu teuer, das können wir uns nicht leisten. Heute berechnen wir die Kosten, die der Verlust der Artenvielfalt zur Folge hat und stellen fest: Die Vernichtung von Biodiversität können wir uns nicht leisten." So wird zum Beispiel in den USA die Wertschöpfung von Bestäubern, das sind zum Beispiel Bienen, auf sechs bis acht Milliarden Dollar beziffert. "Wenn die Bienen die Pflanzen nicht mehr bestäuben, können später keine Früchte geerntet werden. Der wirtschaftliche Verlust ist immens", so Freyhof. Solche Zusammenhänge werden auch im aquatischen Bereich vom IGB erforscht.
Der Umweltschutz der letzten Jahrzehnte hat deutlich zur Verbesserung der Wasserqualität der meisten Flüsse und Seen geführt. Entlang großer Flüsse wie Donau, Oder und Elbe wurden Nationalparks eingerichtet, einige Fischarten konnten von der Roten Liste genommen werden. Tockner kann aber keine Entwarnung geben: "Trotz der ersten Erfolge sind Arten in Binnengewässern nach wie vor gefährdet, einen weiteren Verlust können wir uns nicht leisten."
Kontakt:
Prof. Dr. Klement Tockner
Direktor des Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)
Müggelseedamm 310
12587 Berlin
Tel.: (030) 641 81 601
E-Mail: tockner@igb-berlin.de
Dr. Jörg Freyhof
Tel.: 0160-991 06 721
E-Mail: jfreyhof@yahoo.com
Criteria of this press release:
Biology, Environment / ecology, Oceanology / climate
transregional, national
Research projects
German

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