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Für fast 39 Prozent der Kinder und Jugendlichen, die an dem Kindergesundheitssurvey KiGGS des Robert Koch-Instituts teilgenommen haben, wurde von den Eltern mindestens ein chronisches Gesundheitsproblem berichtet. Gleichzeitig wurde der aktuelle Gesundheitszustand für rund 93 Prozent der fast 18.000 Probanden als "sehr gut" oder "gut" eingeschätzt. Ein Widerspruch? Dieser Frage gehen führende Medizinexperten in der Juni-Ausgabe des Bundesgesundheitsblatts nach. Der Themenschwerpunkt "Chronisch kranke Kinder" enthält insgesamt neun Beiträge, u.a. zu Asthma bronchiale, zu Fettleibigkeit und zur Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS), einer der häufigsten Verhaltensstörungen im Kindes- und Jugendalter.
Je nach diagnostischem Zugang und Verständnis sind in der internationalen Forschungslandschaft und auch im nationalen gesundheitspolitischen Kontext unterschiedliche Aussagen zum Anteil chronisch kranker Kinder in der Bevölkerung zu finden. Der Einstiegsartikel von Schmidt und Thyen (Universitätsklinika Hamburg-Eppendorf beziehungsweise Schleswig-Holstein) befasst sich mit möglichen Definitionen des chronischen Krankseins bei Kindern und Jugendlichen. Dabei wird deutlich, dass ein Kind nicht allein aufgrund eines chronischen Gesundheitsproblems als "chronisch krank" klassifiziert werden kann. Zu berücksichtigen sind auch Dauer und Schweregrad der Erkrankung, der Versorgungsbedarf sowie die Auswirkungen auf die Lebensqualität und die psychosozialen Bewältigungsstrategien.
"Chronisch kranke Kinder können sich unter optimalen Bedingungen sehr wohl fühlen und sich selbst als gesund einschätzen", betont Bärbel-Maria Kurth vom Robert Koch-Institut, die gemeinsam mit Uwe Koch vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf das Editorial verfasst hat. Umgekehrt können Kinder ohne jeden körperlichen Defekt eine eingeschränkte Lebensqualität haben, wie Kurth kürzlich im Deutschen Ärzteblatt ausführte ("Gefühltes oder tatsächliches Übergewicht: Worunter leiden Jugendliche mehr?" Deutsches Ärzteblatt vom 6. Juni 2008).
Heike Hölling und ihre Kollegen vom RKI haben anhand der KiGGS-Daten die Lebensqualität und die Schutzfaktoren von Kindern untersucht, die an Asthma, Adipositas oder ADHS leiden. Dabei fanden sie bei an Asthma erkrankten Kindern kaum Beeinträchtigungen der gesundheitsbezogenen Lebensqualität. Dies erklären sie mit der Existenz wirksamer Behandlungsmethoden und Bewältigungsstrategien. In der Arbeit von Petermann und Schauerte (Universität Bremen beziehungsweise CJD-Asthmazentrum Berchtesgaden) findet sich hierfür eine überzeugende Bestätigung: Durch Maßnahmen zur Förderung der "Therapietreue" (Compliance), beschrieben als "optimiertes Asthmamanagement", kann die Lebensqualität der betroffenen Kinder nachweislich so verbessert werden, dass sie sich von der eines gesunden Kindes kaum noch unterscheidet.
Ein adipöses Kind, das eines der zahlreichen Versorgungsangebote in Anspruch nimmt, kann dagegen nicht immer mit Verbesserungen seines Gesundheitszustandes und der gesundheitlichen Lebensqualität rechnen. Im Beitrag von Kliche und Mann (Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf beziehungsweise Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung) werden Versorgungsangebote für adipöse Kinder bewertet und in vielen Fällen als wenig erfolgversprechend angesehen.
Weitere Informationen: http://www.bundesgesundheitsblatt.de
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Criteria of this press release:
Medicine, Nutrition / healthcare / nursing
transregional, national
Research results, Scientific Publications
German

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