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Wissenschaft
Bielefeld, 02. September 2008: Ob Haushaltsrallye, Schnupperpraktikum im Kindergarten oder Babys wickeln - bei Jungen zwischen 12 und 15 Jahren kommen solche gezielten Angebote im Rahmen von Berufs- und Lebensplanungsprojekten durchweg positiv an.
Das ist das wichtigste Ergebnis von zwei bundesweiten Befragungen, die das Projekt Neue Wege für Jungs 2006 und 2007 gemeinsam mit dem Berliner Forschungsinstitut Dissens e.V. durchgeführt hat. "Jungen haben mit solchen Projekttagen an Schulen oder Workshops in Jugendzentren die Chance, traditionelle Männerrollen zu hinterfragen. Und sie sind mit echtem Interesse dabei - vor allem, wenn sie dabei unter sich sind", sagt Miguel Diaz, wissenschaftlicher Fachreferent des Projekts.
Insgesamt wurden ca. 4.000 Fragebögen von Schülern ausgewertet. Zum einen hatten die Jungen ein Schnuppersozialpraktikum in einem Kindergarten oder in einem Altenheim absolviert. Zum anderen waren die Befragten begeisterte Teilnehmer an Jungenworkshops und an Projekttagen in Schule oder Jugendarbeit.
"...ein bisschen stolz bin ich schon!"
Lecker Kochen, Knöpfe annähen oder Betten beziehen - in Form einer "Haushaltsrallye" mit Wettbewerbscharakter kann so etwas ziemlich spannend sein: "Wir haben richtig Spaß gehabt" - so kommentieren die Jungen ihre Erlebnisse. "Bis so ein Hemd faltenfrei ist, dauert es ganz schön lange. Und es macht echt viel Mühe", sagte einer der Teilnehmer. "Ein bisschen stolz bin ich jetzt schon auf mich!"
Mit kleinen Kindern spielen - das kann toll sein, aber auch anstrengend
"Es war ein schöner aber anstrengender Vormittag in der Kita", meint Patrick, 15 Jahre. "Vieles sieht leichter aus als es ist." Die meisten Schüler (mehr als 80% der Befragten) fanden den Einblick in Berufe, die als frauentypisch gelten, toll. Ein Drittel der Jungen kann sich nach der Stippvisite in einer sozialen Einrichtung sogar vorstellen, später einen sozialen oder pädagogischen Beruf zu ergreifen - durchaus eine wünschenswerte Entwicklung, denn z.Zt. sind nur gut 3% des pädagogischen Personals in Kindertagesstätten männlich und Grundschullehrer nur noch zu 14% mit sinkender Tendenz (Destatis 2006).
Vom Alleinernährer zum flexiblen Männerbild
Das Bild von der nachfolgenden Männergeneration zeigt, die Botschaft von Politik und Medien kommt an: Bereits die Hälfte der befragten Schüler stimmt der Aussage zu, dass Männer ebenso für die Kindererziehung geeignet sind wie Frauen. Auch was die Arbeitsteilung in der Familie angeht, denken viele Jungen bereits fortschrittlich in die Zukunft. Drei von vier Schülern können sich gut vorstellen, die Hausarbeit später gerecht zu teilen. Der Spagat zur Vereinbarung von Beruf und Familie scheint damit für die männlichen Jugendlichen wie bereits schon für die gleichaltrigen Mädchen vorprogrammiert, auch wenn in ihrer Zukunftsplanung viele Jungen den Beruf an die erste Stelle setzen.
Beratung bei Berufs- und Lebensorientierung gewünscht und sinnvoll
Pädagogische Fachkräfte in Schule und außerschulischer Jugendarbeit sollten auch bei Jungen stärker als bisher neben beruflicher Perspektiven das "ganze Leben" zum Thema machen und Jungen Lebensorientierung vermitteln. Solche Angebote kommen gut an - so das ermutigende Ergebnis der Studie. Junge Männer suchen heute verstärkt nach Orientierungspunkten im Dschungel neuer Erwartungen an den "modernen Mann". Die Profis in Schule, Beratung und Jugendarbeit entdecken diese Lücke im pädagogischen Angebot jedoch erst langsam.
Neue Wege für Jungs verbreitet als Service-Büro attraktive Materialien und Medien für die Jungenförderung. Seit 2005 vernetzt das bundesweite Projekt mehr als 100 solcher regionaler Initiativen in Deutschland, die sich vor Ort gezielt an Jungen wenden und mit geschlechtssensiblen Projekten zur Erweitung des Berufswahlspektrums, Trainings zur Stärkung von Sozialkompetenzen und Orientierungshilfen für den Weg vom Junge- zum Mannsein Unterstützung leisten.
Die Veröffentlichung der Befragungsergebnisse erscheint heute als achter Band der Schriftenreihe des Kompetenzzentrums Technik-Diversity-Chancengleichheit e.V. mit dem Titel "So gelingt aktive Jungenförderung - Neue Wege für Jungs startet Netzwerk zur Berufs- und Lebensplanung; Bericht der wissenschaftlichen Begleitforschung". Er bietet zahlreiche neue und differenzierte Erkenntnisse zu Fragen der Berufs- und Lebensorientierung von Schülern in Deutschland.
Die Veröffentlichung ist nur im Download erhältlich unter:
http://www.kompetenzz.de/Download-Center/Schriftenreihe
Kontakt: Dörte Jödicke | Service-Büro | Neue Wege für Jungs
Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e.V.
Wilhelm-Bertelsmann-Str. 10 | 33602 Bielefeld |
fon +49 521 1067359 | fax +49 521 1067171
joedicke@neue-wege-fuer-jungs.de
http://www.neue-wege-fuer-jungs.de
Neue Wege für Jungs wird gefördert von Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds.
Criteria of this press release:
Psychology, Social studies, Teaching / education
transregional, national
Scientific Publications, Transfer of Science or Research
German

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