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Wissenschaft
Prof. Rajewsky vom IDI der Harvard Medical School, Boston, USA, erhält den Ernst Schering Preis 2008 für seine Pionierarbeiten auf dem Gebiet der B-Zell-Biologie. Mit seinen Arbeiten hat er wesentlich zum Verständnis der Entwicklung von B-Lymphozyten und der Entstehung bestimmter Lymphknotenkrebsarten beigetragen. Seit der Entdeckung, dass B-Zellen aus den sog. Keimzentren die Tumorzellen des Hodkin-Lymphoms sind, arbeiten Rajewsky und sein Team daran, das Szenario der Pathogenese dieser Krankheit in einem Mausmodell nachzubauen. Er nutzt dabei u.a. die von ihm entwickelte Technologie der konditionellen Mausmutagenese. Der mit 50.000 € dotierte Preis wird heute in Berlin übergeben.
Mit der Verleihung des Ernst Schering Preises an Klaus Rajewsky will die Schering Stiftung auch auf den Verlust von herausragenden Wissenschaftlern aufmerksam machen, den das deutsche Wissenschaftssystem durch starre Altersgrenzen erleidet. Nach seiner Emeritierung an der Universität Köln im Jahr 2001 ging Rajewsky an die Universität Harvard, wo er bis heute erfolgreich eine Forschungsgruppe leitet. "Die deutschen Emeritierungsregeln hätten mir unsichere Forschungsmöglichkeiten in Köln beschert", berichtet Rajewsky. "In Harvard dagegen wurde für mich kurzerhand eine Professur geschaffen. Hier zu arbeiten ist so etwas wie ein wissenschaftlicher Rausch. An jeder Ecke trifft man einen exzellenten Wissenschaftler, und in Amerika gibt es keine Altersgrenze. Wenn ich irgendwann einmal keine Förderung mehr bekomme, dann werde ich mein Labor eben verkleinern - ein ganz natürlicher Prozess." Rajewsky sieht derzeit für das deutsche Wissenschaftssystem eine große Chance, Postdocs mit attraktiven Forschungskonditionen wieder nach Deutschland zurückzuholen und so der Abwanderung der besten deutschen Nachwuchsforscher entgegen zu wirken. Denn nach seiner Einschätzung wird es in Amerika zunehmend schwieriger, Fördergelder zu bekommen und als junger Wissenschaftler eine eigene Gruppe aufzubauen.
Aktuell arbeiten Rajewsky und sein Team in zwei wichtigen Forschungsfeldern - der Lymphomforschung und der micro-RNA-Kontrolle. In der Lymphomforschung richtet Rajewsky seinen Fokus auf die Hodkinsche Krankheit komplementär zu den Berliner Krebsforschern Dr. Stephan Mathas und Dr. Martin Janz aus der Gruppe von Professor Bernd Dörken vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) in Berlin-Buch. "Dieser Kontakt nach Berlin ist sehr vielversprechend", sagt Rajewsky. "Derzeit planen wir den Transfer mutanter Mäusestämme von Harvard nach Berlin." Die Forscher in Harvard nutzen das so genannte Cre/loxP-System, eine von Rajewsky entwickelte Technologie zur Erzeugung mutanter Mäuse. Durch die Erzeugung von Mäuseembryonen mittels genetisch veränderter embryonaler Stammzellen entstehen Mausmutanten, in denen gewebespezifisch zu bestimmten Zeiten und unter ausgewählten Bedingungen Gene gezielt ausgeschaltet, aber auch wieder aktiviert werden können.
Auch der zweite Forschungsschwerpunkt - die microRNA-Kontrolle - führt Klaus Rajewsky immer wieder nach Berlin. "Unsere Kooperation mit Bioinformatikern im microRNA-Feld begann bereits an der New York University, einer Zeit, zu der mein Sohn, Nikolaus Rajewsky, Professor an deren Zentrum für vergleichende funktionale Genomik war und das Thema bioinformativ bearbeitete", resümiert Rajewsky. "Mit seinem Ruf an das MDC zog diese wissenschaftliche Zusammenarbeit mit nach Berlin um." Mit den mathematischen Modellen treffen die Experten am MDC Vorhersagen, die dann durch experimentelle Befunde aus dem Labor in Harvard bestätigt werden. Bisher sind mehr als 600 microRNA's des Menschen bekannt und werden hinsichtlich ihrer Bedeutung für die Entstehung und Entwicklung von z.B. Krebserkrankungen studiert. MicroRNA's sind kleine Bruchstücke der RNA (Ribonukleinsäure), die den in der DNA gespeicherten Proteinbauplan der Zellen empfindlich stören können.
Die Schering Stiftung wurde 2002 durch die Schering AG, Berlin errichtet und dient der Förderung von Wissenschaft und Kultur mit Schwerpunkt auf den Naturwissenschaften sowie der zeitgenössischen Kunst. Diese Ziele verfolgt sie u.a. durch Auszeichnung richtungweisender Arbeiten und durch Förderung des wissenschaftlichen und künstlerischen Nachwuchses. Der Ernst Schering Preis ist einer der renommiertesten deutschen Wissenschaftspreise. Er wurde 1991 von der Schering Forschungsgesellschaft ins Leben gerufen und wird seit 2003 von der Schering Stiftung verliehen. Ausgezeichnet werden auf internationaler Ebene exzellente Leistungen im Bereich biologischer, medizinischer und chemischer Grundlagenforschung.
Im Rahmen der Preisvergabe wird Professor Rajewsky am 8. Oktober 2008 um 10.00 Uhr einen Schülervortrag am Humboldt Gymnasium, Berlin Tegel halten und anschließend mit den Schülern über seine Arbeiten diskutieren. Weitere Informationen zu diesem Vortrag bei Dr. Harald Paland, Tel.: 030 - 433 70 08.
Um 16.00 Uhr folgt ein öffentlicher Vortrag mit dem Titel "MicroRNA control in lymphocytes" im Kaiserin-Friedrich-Haus, Robert-Koch-Platz 7, 10115 Berlin, Tel: 030 - 30 88 89 24. Ansprechpartnerin ist Andrea Lehmann, info@scheringstiftung.de, Tel.: 030 - 20 62 29 60.
Kontakt: Dr. Carsten Klein, Schering Stiftung, Friedrichstraße 82, 10117 Berlin
Tel: 030 - 20 62 29 62, info@scheringstiftung.de
http://www.scheringstiftung.de
Criteria of this press release:
Medicine
transregional, national
Contests / awards
German

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