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10/21/2008 16:36

Schüler schreiben für Schüler - Präsentation einer Broschüre für den Geschichtsunterricht

Luise Dirscherl Referat Kommunikation und Presse
Ludwig-Maximilians-Universität München

    Die "Fremd- und Eigenwahrnehmung beim Einmarsch der Amerikaner 1945" war Thema eines Forschungsprojektes, das Schülerinnen und Schüler des Humboldt-Gymnasiums und der Staatlichen Realschule in Vaterstetten im Rahmen des von der Robert-Bosch-Stiftung geförderten ersten "Denkwerk-Projektes" bearbeiteten.

    Mit Unterstützung von Wissenschaftlern der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München um Professor Ferdinand Kramer vom Institut für Bayerische Geschichte, der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, des Bayerischen Staatsarchivs sowie weiterer Archive und ihrer Lehrer lernten die Schülerinnen und Schüler auf Exkursionen wissenschaftliche Archive und Bibliotheken kennen und forschten vor Ort im Archiv des Erzbistums München und Freising, indem sie dort etwa Kriegs- und Einmarschberichte der bayerischen Pfarrer über ihre Heimatgemeinden untersuchten. In der Schule übersetzten und analysierten sie ebenso Akten der amerikanischen Militärbehörde des Landkreises Ebersberg. Abgerundet wurde das Studium durch die Begegnung mit Zeitzeugen. Auf der Basis ihrer Ergebnisse erstellten die Schülerinnen und Schüler eine Broschüre, die am Mittwoch, den 22. Oktober 2008, um 19.30 Uhr im Humboldt-Gymnasium, Johann-Strauß-Straße 41, Vaterstetten, vorgestellt wird. Die Broschüre ist in erster Linie für den Geschichtsunterricht konzipiert; sie richtet sich aufgrund neuer Ergebnisse und unbekannter Quellen aber auch an interessierte Leser.

    Die erste Begegnung zwischen der einheimischen Bevölkerung und den US-Soldaten verlief zumeist relativ friedlich. Dennoch kam es immer wieder zu Konflikten, etwa durch die Einquartierungen der Soldaten bei Einheimischen oder durch Plünderungen. Auch ein strenger Vorschriftenkatalog, mit dem die amerikanische Militärregierung die öffentliche Sicherheit vor allem für die eigenen Truppen herzustellen versuchte, sorgte für Unmut bei der Bevölkerung. Vorurteile existierten auf beiden Seiten schon vor dem ersten Zusammentreffen.Im Verlauf des gegenseitigen Annäherungsprozesses entstanden zudem neue Pauschalurteile. Waren etwa viele Einheimische, beeinflusst von der NS-Rassenlehre, häufig überrascht von der Freundlichkeit der "Neger", die trotz des geltenden "Fraternisierungsverbots" großzügig Süßigkeiten oder andere kleine Geschenke verteilten, so ist im Jahresbericht der US-Militärbehörde des Landkreises Ebersberg von 1946 ein derbes Urteil über die bayerische Bevölkerung nachzulesen: "The Bavarian follows what he is told to do, blindly, and is very poorly informed as to the general situation. He is not intelligent enough to understand the reason for the conditions of the country...". Geradezu leitmotivisch tauchen zudem Klagen der Pfarrer über das "würdelose" Benehmen der weiblichen Bevölkerung gegenüber den US-Soldaten auf.

    Ziel des Denkwerk-Projektes ist es, Wissenschaft und Schule in Verbindung zu bringen und Schülerinnen und Schüler mit interdisziplinär arbeitender universitärer und außeruniversitärer Forschung und Projektarbeit vertraut zu machen. Ungewöhnlich ist dabei die Tatsache, dass in dem Projekt Realschulen und Gymnasien zusammenarbeiten. Schul- und schulartübergreifend beteiligten sich an der Studie nahezu 120 Schülerinnen und Schüler aus Klassen der neunten Jahrgangsstufe des Humboldt-Gymnasiums Vaterstetten sowie einer neunten Klasse der Staatlichen Realschule Vaterstetten als Autoren. Ergänzt werden die Schülerbeiträge durch einführende Kapitel von Lehrern, Archivaren und Professoren. Das Denkwerk-Projekt wird im laufenden Schuljahr fortgesetzt und räumlich ausgeweitet. Unterstützt vom Haus der Bayerischen Geschichte erarbeiten Schülerinnen und Schüler der Anton-Heilingbrunner-Realschule Wasserburg, des Gymnasiums Bad Aibling, des Chiemgau Gymnasiums Traunstein sowie des Humboldt-Gymnasiums Vaterstetten eine Wanderausstellung zur Besatzungszeit in den Landkreisen, die ab Oktober 2009 in den beteiligten Schulen zu sehen sein wird.

    Ansprechpartner:
    Prof. Dr. Ferdinand Kramer
    Institut für Bayerische Geschichte LMU München
    Tel.: 089/28638-2507
    E-Mail: Ferdinand.kramer@lmu.de

    Die Broschüre kann kostenfrei über das Humboldt-Gymnasium Vaterstetten, Johann-Strauß-Str. 41, 85598 Baldham, bezogen werden (bitte frankierten Rückumschlag in DIN A 4 beilegen).


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    Criteria of this press release:
    History / archaeology, Social studies, Teaching / education
    regional
    Research projects, Schools and science
    German


     

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