idw - Informationsdienst
Wissenschaft
Die Habilitationsschrift von Joachim Blatter,"Governance - Theoretische Formen und historische Transformationen. Politische Steuerung und Integration in Metropolregionen der USA (1850-2000)" erhielt 2 Auszeichnungen. Sie wurde in das Programm "DeutschPlus" der Volkswagen-Stiftung aufgenommen, das dazu dient,wichtige Werke aus allen wiss.Disziplinen in die engl.Sprache zu übersetzen und dafür zu sorgen, dass kontinental-europäische wissenschaftl.Zugänge auch in engl.dominierten wissenschaftl.Diskursen präsent sind. Zum Zweiten wird die Habilitationsschrift von der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft (DVPW) mit dem Förderpreis für die beste Post-Doc-Arbeit 2007 ausgezeichnet.
Idealtypische Governance-Formen
Im theoretischen Teil seiner Arbeit gelingt es Blatter, den fast allgegenwärtigen und damit zunehmend unscharfen Begriff "Governance" als transdisziplinären Brückenbegriff fruchtbar zu machen. Um theoretische Breite mit analytischer Schärfe zu verbinden, werden auf der Basis von grundlegenden Theorien aus der Ökonomie, der Soziologie, der Kulturwissenschaften und der Politikwissenschaft acht idealtypische Governance-Formen definiert. Alle Idealtypen besitzen eine Mikro-Fundierung, d. h. eine handlungs- bzw. interaktionstheoretische Basis. Ausserdem werden die jeweils zentralen institutionellen Strukturen und kommunikativen Mechanismen definiert.
Mit Hilfe dieser Typologie wird dann der Wandel von Paradigmen und Realitäten der Steuerung und Integration in US-amerikanischen Grossstadtregionen von 1850 bis 2000 analysiert. Metropolregionen sind nicht nur Zentren der sozio-ökonomischen und wissenschaftlichen Innovation, dort wurden und werden auch neue Governance-Formen zuerst entwickelt. Als Ergebnis der empirischen Analyse wird deutlich, dass der jüngste Paradigmenwandel durch einen Übergang von einer rational-instrumentellen zu einer reflexiv-konstitutiven Vorstellung von politisch-gesellschaftlicher Steuerung und Integration gekennzeichnet ist.
Praktische Relevanz
Neben den empirischen Ergebnissen, mit denen einem Grossteil der gängigen Vorstellungen über den Charakter der gegenwärtigen Veränderungen im Bereich politischer Steuerung widersprochen wird, und den theoretischen Innovationen, die durch den transdisziplinären Brückenschlag ermöglicht wurden, besitzt die Arbeit auch praktische Relevanz - nicht zuletzt auch für Luzern. Die sich im Moment in der Schweiz herausbildenden Metropolitan-Regionen stellen insbesondere für den Kanton Luzern eine grosse Herausforderung dar. Der notwendigen Hinwendung zum Innovationszentrum Zürich, das die Deutschschweiz mit der Welt verbindet, stehen alte zentralschweizerische Identitäten und Aversionen wie auch der starke Stadt-Land-Gegensatz innerhalb des Kantons Luzern entgegen. Blatters Analysen der amerikanischen Metropolregionen zeigen die machtpolitischen und normativ-ideologischen Spannungslinien auf, die sich angesichts dieser Herausforderungen insbesondere in Föderalstaaten ergeben, die traditionell durch starke lokale Autonomie und dementsprechend durch einen starken Standort- und Steuerwettbewerb geprägt sind.
Joachim Blatter, geb. 1966 in Stühlingen, Baden-Württemberg, absolvierte ein sozialwissenschaftliches und juristisches Grundstudium an der Universität Konstanz, im Hauptstudium studierte er Verwaltungswissenschaften. Vor seiner Berufung nach Luzern war Joachim Blatter u.a. Forschungsassistent an der Universität St. Gallen, Wissenschaftlicher Assistent an der Universität Konstanz und am Europäischen Zentrum für Staatswissenschaft und Staatspraxis der Freien Universität Berlin. Er absolvierte Forschungsaufenthalte an der University of Victoria in Kanada und der Harvard University. Zudem war er als Lehrbeauftragter an der Universität Zürich tätig und als Assistant Professor an der Erasmus Universität in Rotterdam.
Weitere Auskünfte
Prof. Dr. Joachim Blatter, Joachim.blatter@unilu.ch
Judith Lauber-Hemmig, Leiterin Kommunikation, Universität Luzern, Tel. 079 755 27 75
Criteria of this press release:
Politics, Social studies
transregional, national
Contests / awards, Personnel announcements
German

You can combine search terms with and, or and/or not, e.g. Philo not logy.
You can use brackets to separate combinations from each other, e.g. (Philo not logy) or (Psycho and logy).
Coherent groups of words will be located as complete phrases if you put them into quotation marks, e.g. “Federal Republic of Germany”.
You can also use the advanced search without entering search terms. It will then follow the criteria you have selected (e.g. country or subject area).
If you have not selected any criteria in a given category, the entire category will be searched (e.g. all subject areas or all countries).