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11/26/2008 17:03

Welt-AIDS-Tag am 1. Dezember: Experten zum Thema an der LMU

Luise Dirscherl Referat Kommunikation und Presse
Ludwig-Maximilians-Universität München

    Am 1. Dezember ist Welt-AIDS-Tag. Nach Schätzungen sind weltweit bis zu 40 Millionen Menschen mit HIV infiziert, dem Virus, das die lebensbedrohliche Immunschwäche AIDS auslösen kann. Die Zahl der Neuinfektionen steigt an, nicht nur in osteuropäischen Staaten und in Entwicklungsländern, sondern gerade auch in Deutschland und den meisten Industriestaaten. Dort tragen unter anderem ein Mangel an Information und die Tabuisierung der Erkrankung zur ungebremsten Ausbreitung der Immunschwäche bei. HIV/AIDS wirft deshalb nicht nur medizinische, sondern auch soziale und psychologische Fragen auf.

    Noch kann HIV/AIDS nicht geheilt werden. Doch es gibt mittlerweile eine Reihe von Wirkstoffen, die gegen die Immunschwäche und mögliche Folgeerkrankungen vorgehen. So hat eine Studie von LMU-Forschern unter der Leitung von Professor Johannes Bogner von der Infektionsabteilung an der Medizinischen Poliklinik, Klinikum der Universität, Campus Innenstadt gezeigt, dass das Kaposi-Sarkom mittlerweile gut behandelt werden kann. Diese durch ein Herpesvirus verursachte Tumorerkrankung tritt häufig bei HIV-Patienten auf, weil sich deren geschwächtes Immunsystem nicht gegen den Erreger wehren kann. Doch nicht immer sind Wirkstoffe so erfolgreich - vor allem wenn sie HIV selbst bekämpfen sollen.

    In manchen Fällen kommt es bei der Behandlung der HIV-Infektion mit HIV- Medikamenten aus verschiedenen Medikationsklassen zu einem Dreiklassen-Versagen. Dann zeigen über mindestens vier Monate die drei wichtigsten Wirkstoffklassen keinen Effekt. Für die betroffenen Patienten bedeutet dies, dass sie ein stark erhöhtes Risiko tragen, das Vollbild der Erkrankung - AIDS - zu entwickeln - ohne dass noch sehr viele Therapieoptionen bestehen. Eine Untersuchung ging der Frage nach, ob sich im Auftreten des Dreiklassen-Versagens seit 1999 etwas geändert hat, und ob regionale Unterschiede bestehen. "Wir haben aus der Studie gelernt, dass dieses Phänomen eher seltener geworden ist", berichtet Bogner. "Das Fachwissen der behandelnden Ärzte und damit die Treffsicherheit der Therapien haben also zugenommen. Wir müssen aber zur Kenntnis nehmen, dass es in Osteuropa noch Nachholbedarf gibt, um die Behandlungsmöglichkeiten richtig und optimal einzusetzen."

    Risikogruppe GUS-Immigranten

    Auch die HIV-Prävention kann deutlich verbessert werden, wie eine aktuelle Doktorarbeit zeigt. Mehr als zwei Millionen GUS-Immigranten, das sind Aussiedler und jüdische Kontingentflüchtlinge aus der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten, wurden zwischen 1991 und 2005 in Deutschland aufgenommen - und stellen damit eine der größten Immigrantenpopulationen. "Seit 2001 entwickelt sich in den GU-Staaten aber eine HIV-Epidemie, wobei die Ukraine und die Russische Föderation am stärksten betroffen sind", berichtet die Soziologin Laura Kouznetsov. Sie ging in ihrer Dissertation unter der Leitung von Dr. Stefan Zippel, Leiter der Psychosozialen AIDS-Beratungsstelle der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie der LMU, deshalb der Frage nach, wie gut GUS-Immigranten in Bayern über HIV/AIDS und die Prävention der Erkrankung informiert sind.

    In ihrer Befragung zeigte sich, dass die GUS-Immigranten im Vergleich zur deutschsprachigen Kontrollgruppe ihre eigene Informiertheit über HIV/AIDS als schlecht einschätzten und tatsächlich weniger gut Bescheid wussten. So waren etwa manche Übertragungswege nicht bekannt. Vor kurzem Eingereiste hatten oft sogar bessere Kenntnisse als GUS-Immigranten, die schon länger in Deutschland leben. "Aufklärung zu HIV sollte sich in Deutschland also gezielt auch an GUS-Immigranten richten", fordert Kouznetsov. "Denn in dieser Gruppe wird die Krankheit auch immer noch tabuisiert: HIV-Positive haben Angst vor sozialer Zurückweisung und Diskriminierung, während die HIV-Gefahr von der Mehrheit der GUS-Immigranten nicht wahrgenommen wird."

    Interviewstudie zu Risikoverhalten bei schwulen Männern

    Eine Tabuisierung der Krankheit lässt sich aber auch bei einer anderen Risikogruppe beobachten, wie die unter der Leitung von Dr. Phil C. Langer vom Department für Psychologie durchgeführte Interviewstudie "Paradoxes Begehren" zeigt: Ein großer Teil schwuler Männer ist oft gut über HIV/AIDS informiert, viele verzichten aber dennoch nicht auf sexuelles Risikoverhalten. Ihre in der Studie nachgewiesenen Strategien, die gesundheitlichen Risiken, die sie eingehen, zu kontrollieren, seien höchst problematisch. Als Serosorting etwa wird die Strategie bezeichnet, Sexualpartner mit dem gleichen HIV-Status zu suchen, um auf das Kondom zu verzichten.

    "Dieser Aushandlungsprozess basiert jedoch oft auf falschen Annahmen, die zumeist nicht thematisiert oder reflektiert werden, und so das Infektionsrisiko erhöhen", so Langer. "Aber auch in Beziehungen kommt es häufig zu Neuinfektionen durch HIV. Dann wird der Verzicht auf das Kondom von den Partnern als Ausdruck von Intimität und Nähe gesehen. Erschwerend kommt hinzu, dass HIV-Positive aus Angst, den Partner zu verlieren, nicht unbedingt von ihrer Infektion berichten - selbst wenn in der Partnerschaft intensiv über HIV und AIDS kommuniziert wird."

    Psychologische Faktoren in der HIV-Prävention berücksichtigen

    Aus Anlass des Welt-AIDS-Tages wird am Department für Psychologie am 5. Dezember 2008 Professor Perry N. Halkitis einen Vortrag zu "Syndemic Production in Gay and Bisexual Men: Considerations of the Interplay of Mental Health Burden, Drug Abuse, and Sexual Risk Taking and the Implications for a Paradigm Shift in HIV Prevention" halten. Halkitis ist Professor für "Applied Psychology" und Direktor des "Centers for Health, Identity, Behavior, and Identity Studies" an der New York University. Halkitis ist einer der weltweit führenden Psychologen in der sozialwissenschaftlichen HIV-Forschung. Der Vortrag findet von 14 bis 16 Uhr in Raum M114 des Hauptgebäudes statt.

    LMU-Spezialambulanz für HIV-Patienten

    Praktische Hilfe für Betroffene bietet die LMU in der Spezialambulanz zur Betreuung HIV-infizierter Patienten an der Medizinischen Poliklinik. "In dieser Einrichtung betreuen wir rund 600 HIV-Infizierte", berichtet Johannes Bogner. "Einige kommen nur, um eine zweite Meinung zu bekommen. Die meisten aber werden dauerhaft von uns versorgt. Wir haben durch unsere Studien immer Zugang zu den neuesten Medikamenten und aufgrund unserer wissenschaftlichen Expertise auch den neuesten Kenntnisstand." Spezielle infektiologische und immunologische Diagnostik, Therapie, aber auch die Prophylaxe HIV-typischer Folgeinfektionen werden hier angeboten. Die Einrichtung arbeitet zudem mit anderen HIV-Einrichtungen wie der AIDS-Hilfe und mit niedergelassenen Schwerpunktärzten zusammen.

    Psychosoziale AIDS-Beratungsstelle

    Neben der medizinischen Versorgung geht es in der Psychosozialen AIDS-Beratungsstelle der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie der LMU auch um die seelischen, die wirtschaftlichen, sozialen, familiären, rechtlichen und um die Beziehungsprobleme der Betroffenen wie die ihrer Angehörigen. Aber auch die Prävention wird hier gefördert - unter anderem an Schulen. "Wir führen immer wieder Informationsveranstaltungen an Realschulen, Gymnasien und anderen Schulen durch und können dabei oft mehrere Tausend Schüler erreichen", berichtet Dr. Stefan Zippel, Leiter der Einrichtung. "Seit November läuft das Programm wieder. Dieses Angebot wird vom Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus ganz ausdrücklich unterstützt."

    Weitere Ansprechpartner zu AIDS/HIV finden Sie in unserem Expertenservice: www.lmu.de/presse/experten

    Ansprechpartner:
    Professor Dr. med. Johannes Bogner
    Infektionsambulanz Poliklinik
    Tel.: 089 / 5160 - 3550
    E-Mail: johannes.bogner@med.uni-muenchen.de

    Dr. Laura Kouznetsov
    Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie
    Tel.: 089 / 5160 - 6010
    E-Mail: Laura.Kouznetsov@med.uni-muenchen.de

    Dr. Phil C. Langer
    Department für Psychologie der LMU
    Tel.: 089 / 2180 - 5238
    Mobil: 0176 / 23621104
    E-Mail: langer@lmu.de

    Dr. Stefan Zippel
    Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie
    Tel.: 089 / 5160 - 6334
    E-Mail: Stefan.Zippel@med.uni-muenchen.de


    More information:

    http://www.lmu.de/presse/experten


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    Criteria of this press release:
    Medicine, Psychology, Social studies
    transregional, national
    Research results
    German


     

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