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01/26/2009 18:02

Evangelisches Institut für Berufsorientierte Religionspädagogik (EIBOR) gegründet

Michael Seifert Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Eberhard Karls Universität Tübingen

    Tübingen, 26.1.2009
    Am Montag, den 26. Januar 2009 um 18 Uhr 30 findet am Theologicum der Universität Tübingen die Eröffnungsveranstaltung für das Evangelische Institut für Berufsorientierte Religionspädagogik, kurz EIBOR, statt. Im Mittelpunkt steht ein Festvortrag vom Leiter des Instituts, Professor Dr. Friedrich Schweitzer von der Evangelisch-theologischen Fakultät, umrahmt unter anderem vom Beitrag einer Schülerrockband aus Bruchsal.
    Ziel der Institutsarbeit ist es, den BRU (beruflichen Religionsunterricht) zu stärken, zu entwickeln und innerhalb des Fächerkanons des beruflichen Lernens zu profilieren. Unter dieser Aufgabenstellung führt das Institut empirische Untersuchungen durch. Es evaluiert Unterrichtsmaterialien und Unterrichtskonzepte im Hinblick auf aktuelle Fragestellungen.

    Braucht berufliche Bildung Religion?
    Es zählt zum bildungstheoretischen und bildungspolitischen Konsens, dass Berufserziehung/beruflicher Unterricht mehr meint als die Einpassung in Funktionsanforderungen, wie sie aus der Arbeitswelt vorgegeben werden. Wenn von beruflicher Bildung gesprochen wird ist Allgemeinbildung mit ihren Aspekten Persönlichkeitsbildung, ethischer Bildung und interkultureller Bildung daher stets mit gemeint/impliziert. Durch die Krise an den Weltfinanzmärkten wurde einmal mehr vor Augen geführt, dass moralische Ansprüche nicht vor wirtschaftlichen und beruflichen Handlungskontexten Halt machen.
    Der Religionsunterricht spielt bei der Vermittlung der dazugehörenden Kompetenzen eine prominente Rolle: Die biblisch-christliche Sicht auf Mensch und Welt nimmt den einzelnen in allen seinen Sinnbezügen in den Blick und vermittelt ihm Reflexions- und Handlungswissen für die existentiellen Fragen des Menschseins.
    Beruflicher Religionsunterricht ist gerade bei Auszubildenden innerhalb des Dualen Systems von Bedeutung, weil mit dem Eintritt in die Berufsausbildung der "Ernst des Lebens" beginnt. Heranwachsende müssen sich in ihrer neuen Rolle in der betrieblichen Arbeitswelt orientieren und erleben den Blick auf die globalisierte Welt aus einer anderen Perspektive. Auch außerberuflich ist diese Zeit oft mit Veränderungen verbunden: Die Auszubildenden nabeln sich von der Familie ab, stehen nicht nur finanziell zunehmend auf eigenen Beinen, erleben Partnerschaft außerhalb der Herkunftsfamilie. In Schüleräußerungen wird immer wieder auf diese wichtige Rolle des Religionsunterrichts als Lebensbegleitung, Sinnorientierung und Wertevermittlung, abgehoben.
    Aber auch in anderen Schularten der beruflichen Bildung drängen sich Fragen nach Sinn und Verantwortung in den Fokus: Im Berufsvorbereitungsjahr werden schulpflichtige Heranwachsende ohne Ausbildungsverhältnis auf das Berufsleben vorbereitet, im beruflichen Gymnasium in der technischen, kaufmännischen oder ernährungswissenschaftlichen Ausrichtung sind immer auch ethische Fragen innerhalb der jeweiligen Fachrichtung impliziert - die gegenwärtige Krise des Weltfinanzsystems sei hier nur als Stichwort genannt.
    Gerade angesichts von Forderungen nach "Ethik für alle" oder gar Forderungen nach Abschaffung eines kirchlich-konfessionellen beruflichen Religionsunterrichts wird dabei das Profil des Faches Religion hervorgehoben: Christlich-protestantische Religion als Zuspruch und Anspruch, der für alle Bereiche des menschlichen Lebens gilt. Der berufliche Religionsunterricht (BRU) steht dabei für eine werteorientierte Bildung, der den Schülern durch die Botschaft des Evangeliums zuallererst Verheißung und damit Entlastung vor moralischer Überforderung bieten kann, sie jedoch gleichzeitig zu einem Engagement im Sinne der Nächstenliebe auffordert. Dadurch hat der BRU immer auch eine seelsorgerliche Dimension und ist mehr als eine eher kognitive Wertevermittlung.
    Bei einer religiös und konfessionell gemischten Schülerschaft stehen auch Fragen interreligiösen Lernens und der konfessionellen Kooperation im Fokus. Darüber hinaus sollen neue Unterrichtsmodelle, die sich unter Berücksichtigung des breiten Altersspektrums in der Schülerschaft des beruflichen Schulwesens an Methoden der Erwachsenenbildung anlehnen, wissenschaftlich begleitet und evaluiert werden. Unter dem Stichwort Neue Lernkultur" werden aktuelle Entwicklungen in der pädagogischen-didaktischen Diskussion auf ihre Relevanz für den BRU befragt. Ein weiterer Forschungsschwerpunkt ist die Rolle des BRU im Kontext der Schulseelsorge.
    Mit diesem ganzen Spektrum der beruflichen Bildung im Blick hat das EIBOR im September 2008 seine Arbeit aufgenommen. Das Team bilden die vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Claudia Märkt und Dr. Hanne Schnabel-Henke, beide Diplom-Handelslehrerinnen mit Joachim Ruopp, Pfarrer im Schuldienst und Dr. Georg Wagensommer, Diplom-Religionspädagoge unter der Leitung von Prof. Friedrich Schweitzer, dem Inhaber des Lehrstuhls für Praktische Theologie/Religionspädago¬gik. Finanziert wird das EIBOR von der Evangelischen Kirche in Baden und der Evangelischen Kirche in Württemberg. Weitere Förderung erfährt es vom Ministerium für Kultus, Jugend und Sport und dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst. Für die anstehenden Forschungsprojekte werden darüberhinaus Sponsoren aus der Wirtschaft gesucht. Die Zusammenarbeit mit dem KIBOR, dem seit 2002 an der katholisch-theologischen Fakultät bestehenden Pendant (ehemals IBOR), ist bereits in die Wege geleitet.


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    Criteria of this press release:
    Economics / business administration, Religion, Social studies, Teaching / education
    regional
    Organisational matters, Schools and science
    German


     

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