idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Grafik: idw-Logo

idw - Informationsdienst
Wissenschaft

idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Instance:
Share on: 
06/23/2009 12:12

Bedeutung der Gegenbezahnung für die Wahl des Zahnersatzes bleibt unklar

Dr. Anna-Sabine Ernst Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

    Mangels Studien keine belastbaren Aussagen möglich / IQWiG fordert Zahnmedizin zu mehr Forschung auf

    Ob die Beschaffenheit der Zähne im gegenüberliegenden Kieferteil einen Einfluss auf den für Patienten bedeutsamen Nutzen von festem oder herausnehmbarem Zahnersatz hat, bleibt eine offene Frage. Weil geeignete Studien fehlen, sind hier derzeit keine belastbaren Aussagen möglich. Zu diesem Ergebnis kommt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) in seinem am 23. Juni 2009 veröffentlichten Abschlussbericht. Die Autorinnen und Autoren halten zusätzliche klinische Vergleiche für dringend geboten und fordern die wissenschaftliche Zahnmedizin auf, Kompetenz insbesondere im Bereich der Studienplanung aufzubauen.

    Nicht nur eine Frage des Aussehens

    Zahnlücken sind nicht nur ein ästhetisches Problem. Sie können sich auch ungünstig auf die benachbarten Zähne und die Zähne des gegenüberliegenden Kiefers auswirken: Probleme beim Kauen, Karies, nächtliches Zähneknirschen und migräneartige Kopfschmerzen sind nur einige der möglichen Folgeschäden. Schließen lassen sich die Lücken durch festsitzenden Zahnersatz in Form von Brücken oder durch herausnehmbare Teilprothesen. Beides lässt sich auch auf Implantate aufbauen.

    Seit Anfang 2005 zahlen die Krankenkassen ihren Versicherten einen festen Betrag, unabhängig davon, für welche dieser Varianten sich die Patientinnen und Patienten entscheiden. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hatte deshalb das IQWiG beauftragt, anhand der wissenschaftlichen Literatur zu prüfen, ob je nach Beschaffenheit der Zähne - oder des Zahnersatzes - im gegenüberliegenden Kieferteil ein fester oder ein herausnehmbarer Zahnersatz für Patientinnen und Patienten vorteilhafter ist.

    Nur eine Studie stellt direkten Vergleich an

    Wie die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler feststellten, ist die Studienlage unzureichend. Dabei hatten sie sich bei ihrer Recherche nicht nur auf randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) beschränkt, sondern auch nicht randomisierte kontrollierte Studien und unkontrollierte Interventionsstudien einbezogen, sofern diese bestimmte methodische Voraussetzungen erfüllten. Insgesamt konnten sie 17 Arbeiten in die Bewertung einschließen, wovon allerdings nur eine einzige Studie die beiden untersuchten Zahnersatzformen im Sinne einer kontrollierten prospektiven Interventionsstudie direkt miteinander verglich.

    Als Aspekte des patientenrelevanten Nutzens untersuchte das IQWiG die Funktionsdauer, die Veränderung des Ernährungsverhaltens, die Patientenzufriedenheit sowie den Aufwand für Prothesenpflege und -nachsorge.

    Wenige schwache Studien liefern lediglich Hinweise auf Vorteile

    Das IQWiG und seine externen Sachverständigen fanden lediglich einige Hinweise, dass Patienten, die im gegenüberliegenden Kiefer bereits eine Vollprothese haben, mit einem festsitzenden Zahnersatz durchschnittlich "zufriedener" sind als Patientinnen und Patienten mit einem herausnehmbaren. Diese Hinweise stammen allerdings aus zahlenmäßig geringen und methodisch schwachen Studien. Für die übrigen untersuchten Aspekte gibt es derzeit weder Belege noch Hinweise auf einen Nutzen.

    Das IQWiG kommt daher zu der Schlussfolgerung, dass angesichts der unzureichenden wissenschaftlichen Untersuchungen keine belastbaren Aussagen zur Fragestellung des Auftrags möglich sind. Es bleibt also unklar, von welchem Zahnersatz Patientinnen und Patienten am meisten profitieren.

    Mehr und bessere Forschung in der Zahnmedizin notwendig

    Das Institut empfiehlt dringend, weitere klinische Vergleiche anzustellen. Studien, die hinreichend sichere und interpretierbare Daten liefern, sind nach Auffassung des IQWiG auch in der Zahnmedizin notwendig und möglich. Zwar gebe es in diesem Bereich der medizinischen Versorgung besondere Einschränkungen etwa durch die Art der Kostenerstattung oder die Unmöglichkeit der Verblindung. Dennoch sollte die wissenschaftliche Zahnmedizin vermehrt Anstrengungen unternehmen, sich dem State of the Art der Studienplanung in anderen Bereichen der Medizin anzunähern und belastbare Evidenz zu schaffen. Der Abschlussbericht enthält auch Vorschläge für die Planung künftiger Studien zur Fragestellung des Auftrags (Diskussionsteil).

    Zum Ablauf der Berichtserstellung

    Die vorläufigen Ergebnisse, den sogenannten Vorbericht, hatte das IQWiG Ende Juni 2008 veröffentlicht und zur Diskussion gestellt. Nach dem Ende des Stellungnahmeverfahrens wurde der Vorbericht überarbeitet und als Abschlussbericht Ende April 2009 an den Auftraggeber versandt. Eine mündliche Erörterung fand nicht statt, weshalb die Würdigung der schriftlichen Stellungnahmen in den Diskussionsteil des Abschlussberichts integriert wurde. Die Stellungnahmen selbst werden getrennt dokumentiert und - zeitgleich mit dem Abschlussbericht - veröffentlicht. Der Bericht wurde gemeinsam mit externen Sachverständigen erstellt.

    Kontakt: Tel. 0221-35685-0, info@iqwig.de


    More information:

    http://www.iqwig.de/index.623.html - zum Abschlussbericht


    Images

    Criteria of this press release:
    Medicine, Nutrition / healthcare / nursing
    transregional, national
    Research results
    German


     

    Help

    Search / advanced search of the idw archives
    Combination of search terms

    You can combine search terms with and, or and/or not, e.g. Philo not logy.

    Brackets

    You can use brackets to separate combinations from each other, e.g. (Philo not logy) or (Psycho and logy).

    Phrases

    Coherent groups of words will be located as complete phrases if you put them into quotation marks, e.g. “Federal Republic of Germany”.

    Selection criteria

    You can also use the advanced search without entering search terms. It will then follow the criteria you have selected (e.g. country or subject area).

    If you have not selected any criteria in a given category, the entire category will be searched (e.g. all subject areas or all countries).