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09/16/2009 16:27

Neue MPIWG-Forschungsgruppe untersucht Wissensgeschichte der Humandiversität im 20. Jh.

Dr. Hansjakob Ziemer Kooperationen und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte

    Am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte (MPIWG) in Berlin hat am 1. September 2009 eine internationale Selbständige Forschungsgruppe "Historicizing Knowledge about Human Biological Diversity in the 20th Century" ihre Arbeit aufgenommen. Ziel des Projekts ist die historische Erforschung biologischer und anthropologischer Wissensproduktionen über menschliche Vielfalt im 20. Jahrhundert. Die interdisziplinär arbeitende Gruppe ist Teil einer Kooperation des MPIWG mit den Berliner Universitäten in der Wissensgeschichte und besteht für fünf Jahre.

    Die drei Wissenschaftshistorikerinnen Veronika Lipphardt, Alexandra Widmer und Susanne Bauer untersuchen in ihren Studien Diversitätsdiskurse und Praktiken der Lebenswissenschaften, mit denen Biowissenschaftler Humandiversität erforscht, repräsentiert und visualisiert haben, und zwar im Rahmen der jeweiligen epistemologischen, politischen und sozialen Entstehungszusammenhänge. Die Projekte der Forschungsgruppe befassen sich beispielsweise mit dem humangenetischen Paradigmenwechsel zwischen den Begriffen "Rasse" und "Population", der Mikropolitik der Differenz in der Biomedizin der Sowjetunion/Russischen Föderation und mit Vererbungs-, Reproduktions- und Diversitätswissen auf Vanuatu. Die Forschungsgruppe arbeitet interdisziplinär; ihre Mitglieder haben zuvor an der Humboldt-Universität, der Universität Kopenhagen und der York University Toronto gearbeitet und setzen nun ihre Forschungen am MPIWG fort.

    Gemeinsam untersuchen die Wissenschaftshistorikerinnen die komplexe Geschichte biologischer Diversitätsforschung im 20. Jahrhundert. Bereits seit der frühen Neuzeit haben Gelehrte versucht, aus dem "Variationsreichtum" menschlicher Erscheinungsmerkmale Schlüsse auf eine dahinter liegende "natürliche Ordnung" der Menschheit zu ziehen. Mit der Herausbildung biologischer Spezialdisziplinen (Physische Anthropologie, Evolutionsbiologie, Humangenetik, Eugenik) stand die Wissensproduktion über "Rassen" im frühen 20. Jahrhundert in enger Verbindung zu der Entwicklung von Wissen über Reproduktion, Vererbung, Bevölkerung sowie Gesundheit. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts blieb "Rasse" zunächst eine zentrale Kategorie, mit der Biowissenschaftler und Anthropologen biologische Differenz postulierten und zu ihrem Forschungsgegenstand machten. Nach 1945 nutzten Biowissenschaftler Begriffe wie "Population", "Abstammung" oder biologische und geografische "Herkunft", um nicht den diskreditierten "Rasse"-Begriff heranziehen zu müssen. Die Vorstellung, dass bestimmte Gruppen biologisch abgrenzbar seien, blieb jedoch auch in neueren Forschungsansätzen erhalten. Am Ende des 20. Jahrhunderts bildeten sich unter Einfluss der Molekularbiologie neue Forschungsfelder heraus, die, wie in der Pharmakogenomik, der Forensik oder der Ahnenforschung, die Revitalisierung eines genetischen "Rasse"-Begriffs befördern. Für nähere Informationen: Dr. Veronika Lipphardt, vlipphardt@mpiwg-berlin.mpg.de


    More information:

    http://www.mpiwg-berlin.mpg.de - Feature Story über das Projekt mit weiteren links


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    Criteria of this press release:
    Biology, Cultural sciences, History / archaeology
    transregional, national
    Research projects
    German


     

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