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Ein Kooperationsprojekt mit bundesweitem Modellcharakter hat die Musikhochschule Lübeck mit Schulen in Schleswig-Holstein initiiert. Es soll den sinkenden bildungspolitischen Stellenwert des Musikunterrichts an Schulen kompensieren und die Praxiskompetenz Studierender fördern. Die Kooperation sieht die Mitarbeit von Musikstudierenden in schleswig-holsteinischen Schulen als Bestandteil ihrer Ausbildung vor.
Die Schulreform hat gravierende Auswirkungen auf das Fach Musik. Durch die Profiloberstufe und die sogenannte Kontingentstundentafel ist der Stellenwert von Musik an Schulen in Schleswig-Holstein weiter gesunken. Der Vizepräsident der Musikhochschule Lübeck, Prof. Jörg Linowitzki, schlägt dramatische Töne an: "Das Fach Musik ist dem Abgrund nahe. Die Einführung des achtstufigen Gymnasiums (G8) verstärkt die Misere noch. Dabei ist erwiesen, dass der Musikunterricht über seine eigenen Inhalte hinaus einen wesentlichen Beitrag zur umfassenden Bildung von Schülern leistet."
Die Musikhochschule stellt mit ihrem Kooperationsprojekt die Zusammenarbeit mit Schulen auf eine institutionelle Basis: Der bundesweit einzigartige Studiengang "Musik Vermitteln" zur Ausbildung von Musiklehrern an der Musikhochschule Lübeck (mit den Abschlüssen "Bachelor of Arts" und "Master of Education") verankert die Schulpraxis gleich mehrfach im Studienplan. Den Studierenden werden für ihre Tätigkeit die für sie wichtigen Leistungspunkte (Credits) gutgeschrieben.
Die Schulen erhalten qualifizierte fachliche Unterstützung - allerdings außerhalb des regulären Musikunterrichts. Arbeitsgemeinschaften wie Musical-, Band- oder Kammermusikprojekte, die der durch die Schulreform bedingten Personalverknappung zum Opfer gefallen sind, können so aufrecht erhalten oder neu initiiert werden. Die Bandbreite der von Hochschulseite geplanten Projekte erläutert Prof. Dr. Bernhard Weber, Professor für Musikpädagogik: "Insgesamt werden sich die Praxisanteile im Studium und die individuellen Gestaltungsmöglichkeiten der Studierenden wesentlich erhöhen. Wichtige Bausteine der Kooperation sind zunächst Interdisziplinäre Projekte, Rezeptionsforschung, Konzertpädagogik und die Einrichtung sogenannter "Instrumentalklassen".
Im Wintersemester startet das erste Interdisziplinäre Projekt "Verborgende Klänge - Verborgenen Wege", bei dem Studierende und Schüler musikalische und szenische Inhalte selten gehörter Werke gemeinsam erarbeiten und in Lübecker Innenhöfen präsentieren. Im Bereich Konzertpädagogik ist die gemeinsame Vorbereitung und Durchführung von Kinder- und Familienkonzerten geplant, wie sie schon im Rahmen des diesjährigen Brahms-Festivals zu erleben war. In "Instrumentalklassen" für Bläser oder Streicher werden eine sachkundige Instrumentalausbildung, Ensemblearbeit und regulärer Musikunterricht zu einer nachhaltigen und qualifizierten musikalischen Ausbildung miteinander vernetzt.
Die Zusammenarbeit mit Schulen ist künftig nicht nur für angehende Schulmusiker, sondern auch für Komponisten verpflichtend: Sie führen im Rahmen ihrer Ausbildung mindestens ein Schulprojekt durch, in dem sie Schülerinnen und Schüler zum Komponieren eigener Werke anleiten.
Das Projekt soll keine strukturellen Mängel beseitigen, schafft aber zusätzliche musikalische Erfahrungsräume für Schüler und Studierende in der Schule. Dazu Prof. Jörg Linowitzki: "Unsere Studierenden sollen und können keine Musiklehrer ersetzen."
Zunächst kooperiert die Musikhochschule mit drei Schulen der Region, weitere Schulen in Schleswig-Holstein sollen folgen. Insgesamt werden dann pro Jahrgang rund 30 junge Schulmusiker und Schulmusikerinnen an den Schulen mitarbeiten.
Criteria of this press release:
Music / theatre
transregional, national
Cooperation agreements, Schools and science
German

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