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09/25/2009 11:44

Von Gebäuden bis zu Triebwerken - Rissen und Schäden auf der Spur

Ursula Zitzler Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universität Stuttgart

    125 Jahre Materialprüfungsanstalt

    Ob es sich um den Erhalt historischer Gebäude handelt, um Produkte aus dem Bauwesen, um Fahrzeug- oder Maschinenbauteile, Raketentriebwerke oder komplette Anlagen wie etwa Kraftwerke: Wenn es darum geht, Werkstoffe zu entwickeln und zu optimieren, Risse und Schäden zu entdecken, Bauteile unter Extrembedingungen zu testen oder Zuverlässigkeitsnachweise zu erbringen, ist die Materialprüfungsanstalt (MPA) der Universität Stuttgart meist an vorderster Front dabei. Ebenso untersucht die größte universitäre Prüfanstalt dieser Art die Lebensdauer und Sicherheit von Brücken und Anlagen, Anforderungen des Wärme- oder Schallschutzes, die Brandsicherheit von Materialien oder die Eignung von Werkstoffen für Sportstätten. In den Anlagen können große Bauteile und Proben mit einer Kraft von bis zu 100 Meganewton (das entspricht 10.000 Tonnen Gewicht) auf Versagen, Risse und Schäden getestet werden. Dabei finanziert sich die Einrichtung mit rund 400 Mitarbeitern zu 80 Prozent selbst.

    Am 8. und 9. Oktober 2009 feiert die MPA mit einer Festveranstaltung und einer Fachtagung ihr 125-jähriges Bestehen. Medienvertreter haben die Möglichkeit, schon vorher einen Vor-Ort-Termin in der Materialprüfungsanstalt zu vereinbaren und sich Einblick in die Prüfeinrichtungen zu verschaffen. Zu den Besichtigungsmöglichkeiten zählen ein Großbrandversuch, Bauteilversuche an weitgespannten Holzträgern, Festigkeitsversuche am Mauerwerk, die Ballwurfsicherheit von Sporthallenverglasungen, neue Werkstoffe für hocheffiziente Kraftwerke, Rohrberstversuche mit Knallgas und der Personenschutz. Terminvereinbarungen sind möglich unter 0711/685-63073, e-mail: sabine.martens@mpa.uni-stuttgart.de. Auch zur Festveranstaltung sind Medienvertreter herzlich willkommen.

    Im Mittelpunkt der Festveranstaltung am 8. Oktober ab 13.00 Uhr in der Staatsgalerie Stuttgart (Konrad-Adenauer-Straße 30 - 32) stehen unter anderem die Materialentwicklung und -prüfung als Voraussetzung für effiziente und zuverlässige Kraftwerke, die Sicherheitsbewertung von Kernkraftwerken sowie die Überwachung und die Lebensdauer von Brücken. Nach der Begrüßung durch den Geschäftsführenden Direktor der MPA, Prof. Eberhard Roos, und Grußworten von Uni-Rektor Prof. Wolfram Ressel sowie Vertretern aus Universität, Industrie und Fachverbänden stehen Vorträge von Experten aus Deutschland, Indien, Österreich und den USA auf dem Programm. Auch der Zusammenarbeit der MPA mit der amerikanischen Nuklearregulierungsbehörde (USNRC) ist ein Vortrag gewidmet. Weitere Themen sind der Zusammenhang von Baustoffen und Messtechnik sowie Beiträge der Werkstoffe zur Komponentensicherheit. Nach der Verleihung der Carl-von-Bach-Medaille an den japanischen Materialwissenschaftler Prof. Teruo Kishi hält Prof. Peter Groß von der Universität St. Gallen (Schweiz) den Festvortrag zum Thema "Prüfen und Vertrauen. Neue Herausforderungen".

    Am 9. Oktober findet auf dem Campus der Universität Stuttgart in Vaihingen das 35. MPA-Seminar zum Rahmenthema "Werkstoff- und Bauteilverhalten in der Energie- und Anlagentechnik" statt (Pfaffenwaldring 47; 9.00 bis 13.00 Uhr).

    Zur Entwicklung der MPA
    Gründer der Materialprüfungsanstalt war Professor Carl von Bach (1847 - 1931), ein Pionier der Ingenieurwissenschaften, der seit 1878 den Lehrstuhl für Maschinenelemente, Dampfmaschinen, Dampfkessel und Elastizitätslehre am damaligen Königlichen Polytechnikum innehatte. 1884 konnte die Materialprüfungsanstalt den Betrieb aufnehmen. Schon damals war der noch heute gültige Bezug zur Lehre klar: "Die Materialprüfungsanstalt ist bestimmt, den Interessen der Industrie wie auch denen des Unterrichts zu dienen", hieß es im Staatsanzeiger für das Königreich Württemberg. Bald konnte sich die Einrichtung aus Gebühren selbst finanzieren. Nach von Bachs Emeritierung im Jahr 1922 erfolgte 1927 die Teilung: Aufgaben im Bereich Maschinenbau blieben bei der Staatlichen Materialprüfungsanstalt (MPA). Die anderen Aufgaben übernahm die "Forschungs- und Materialprüfungsanstalt für das Bauwesen (FMPA)", die später den Beinamen "Otto-Graf-Institut" erhielt. Seit 1980 war sie als "Forschungs- und Materialprüfungsanstalt Baden-Württemberg" dem Wirtschaftsministerium zugeordnet und wurde im Jahr 2000 wieder in die Universität eingegliedert. Seit 2003 arbeiten MPA und FMPA als "Materialprüfungsanstalt Universität Stuttgart" wieder unter einem gemeinsamen Dach. Mit dem Zusammenschluss entstand ein an deutschen Universitäten einmaliges anwendungsorientiertes Materialprüfungs- und Materialforschungszentrum. Gestärkt wurde nicht nur die angewandte Forschung, sondern in noch größerem Maße die Ausbildung durch den Transfer der Forschungsergebnisse in die Lehre.

    "Die Materialprüfung hat sich verändert", berichtet Prof. Eberhard Roos. Während es früher vor allem darum ging, Werkstoffe und einfache Bauteile unter realen Bedingungen im Großversuch zu testen, erfordert die heutige komplexe Technik entsprechende "moderne" Materialien, wie etwa Verbundwerkstoffe, die genaue Kenntnis der Werkstoffgesetze und Versagensmechanismen und den Einsatz leistungsfähiger Rechner. Ohne Simulationen ist Materialprüfung heute in keinem Bereich mehr möglich. Änderungen im industriellen und förderungspolitischen Umfeld zwangen die MPA in den letzten Jahren, ihre Schwerpunkte neu zu definieren und somit zu einem strukturellen Anpassungsprozess. Während noch vor fünfzehn Jahren wenige Branchen einen hohen Anteil am Umsatz ausmachten, ist das Branchenspektrum heute deutlich breiter. Dies hat sich insbesondere in der aktuellen Wirtschaftskrise bewährt.

    Heute untersuchen die Stuttgarter Materialforscher im Bereich Maschinenbau neben Bauteilen aus konventionellen und nuklearen Kraftwerken verstärkt Bauteile aus dem Bereich Kraftfahrzeugtechnik und Maschinenbau. Bei den Baustoffen reicht das Spektrum von Beton über Stahl, Holz und Stein bis hin zu Polymeren und von Tätigkeiten im Hinblick auf Baustoffzulassungen bis zu Brandschutzprüfungen und zur Eignungsprüfung von Materialien für Straßenbeläge, Tunnel oder Sportstätten. Großen Wert legt Eberhard Roos neben dem Transfer in die Lehre auf den Wissenstransfer an Fachleute in der Praxis im In- und Ausland. So pflegen die Stuttgarter Wissenschaftler intensive Kontakte zu den europäischen Partnerinstituten, aber auch unter anderem nach Japan, Korea, Indien und in die USA.

    Weitere Informationen zur MPA und dem Programm der Festveranstaltung unter http://www.mpa.uni-stuttgart.de/. Tagungstelefon am 8. Oktober: 0172/7031521, am 9. Oktober: 0711/685-67221


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    Criteria of this press release:
    Construction / architecture, Environment / ecology, Materials sciences
    transregional, national
    Press events, Scientific conferences
    German


     

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