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Die Systemakkreditierung soll künftig Programmakkreditierungen einzelner Studiengänge ablösen - doch noch haben relativ wenige Universitäten ein entsprechendes Projekt gestartet. Innerhalb der überschaubaren Gruppe der Vorreiter-Unis "sehen wir uns im vorderen Drittel", sagt Professor Stefan Jablonski, für die Lehre zuständiger Vizepräsident der Universität Bayreuth.
Jablonski weiß um die Kritik, die am neuen Modell der Systemakkreditierung zuweilen geäußert wird: Den Prozess, der an einer Universität zur Qualitätssicherung von Studiengängen abläuft, sicherzustellen und zertifizieren zu lassen, sei nicht weniger Aufwand als der, der heute schon in den einzelnen Programmakkreditierungen betrieben werden muss. So reden die Skeptiker. Der Vizepräsident der Universität Bayreuth sieht die Dinge jedoch anders.
Vorausgesetzt die Zentrale Universitätsverwaltung und die Fakultäten ziehen an einem Strang, "lässt sich der Aufwand, den wir künftig betreiben müssen, ganz sicher verringern", so Jablonski. Mehr als 80 Studiengänge hat die Universität Bayreuth zu bieten. Bis dato waren sie alle einer Programmakkreditierung zu unterziehen, der nach einigen Jahren eine Reakkreditierung folgte. Dahinter steht ein bürokratischer Akt von erheblichem Ausmaß: Universitäten, die einer Akkreditierungsagentur einen Studiengang zur Begutachtung vorlegen, müssen zunächst einen ausführlichen Selbstbericht verfassen, in dem Aspekte wie Kapazi-tätskennzahlen, Struktur, Studierbarkeit, Ziel des Studiengangs und dessen Nutzen auf dem Arbeitsmarkt behandelt werden. Darüber hinaus braucht es ein Modulhandbuch, in dem eben die Module des Studiengangs, die Inhalte, Lern- und Lehrziele bis ins Detail verzeichnet sind.
Liegt all dies vor, prüft die beauftragte Agentur in einem ersten Schritt die prinzipielle Akkreditierungswürdigkeit des vorgesehenen Studiengangs und leitet dann die Programmakkreditierung selbst ein. Dabei werden Unterlagen geprüft, finden Begehungen statt, werden Akkreditierungen vergeben, mit Auflagen versehen oder auch mal versagt. Für die Ewigkeit ist allerdings selbst dieses ebenso umfassende wie langwierige Verfahren nicht gemacht.
Die Universität Bayreuth hat gehandelt und in diesen Tagen bei einer Akkreditierungsagentur einen Antrag auf Systemakkreditierung gestellt. Der Unterschied zum bisherigen Vorgehen: Nicht mehr die Ein- und Durchführung des einzelnen Studiengangs wird unter Qualitätsgesichtspunkten bewertet. "Wir lassen vielmehr den Prozess der Studieneinführung, Studiengestaltung und Studiendurchführung akkreditieren", sagt Jablonski.
Dass damit nicht mit einem Schlag all die berechtigten Fragen nach der Qualität der Studiengänge ad acta gelegt werden können, liegt auf der Hand. Den Vorteil sieht der Vizepräsident der Universität Bayreuth an anderer Stelle: "Wir versprechen uns von der Systemakkreditierung eine Chance, Studiengänge systematisch und strukturiert bei ihrer Qualitätssicherung unterstützen zu können. Wir sehen dabei einen integrierten Gesamtansatz und ganz sicher keine Gleichmacherei." Anders gesagt: Es gibt genügend Fragestellungen und genug Aufgaben, vor denen alle Studiengänge in gleicher Weise stehen. Ob es gilt, Kapazitätsberechungen anzustellen oder Passagen aus Prüfungsordnungen zu formulieren - sicher nicht alles, wohl aber einiges lässt sich gemeinsam effizienter erledigen.
Voraussichtlich zwei Jahre wird es dauern, bis die Universität Bayreuth systemakkreditiert ist. Zahlreiche Dienststellen in der Verwaltung werden während dieser Zeit gefordert sein. Und auch und gerade in den Fakultäten steht ein erhebliches Maß an Mehrarbeit für dieses Projekt an. Die Erfassung der Prozesse, die der Lehrstuhl von Stefan Jablonski für Angewandte Informatik vorantreibt, ist bereits weit gediehen - und schon daraus ergeben sich Ansätze zur Verbesserung. In diesem Zusammenhang bildet die Abteilung für akademische und studentische Angelegenheiten der Zentralen Universitätsverwaltung die Schnittstelle zwischen der Hochschulleitung und den Fakultäten. Die Abteilung unterstützt die Fakultäten aktiv bei der Durchführung des Verfahrens der Systemakkreditierung.
Im Sommersemester 2010 geht die Bayreuther Systemakkreditierung in die heiße Phase. Dann findet die erste Begehung mit der Akkreditierungsagentur Acquin statt. Stichprobenartig werden die Zertifizierer dabei Merkmale von Studiengängen wie etwa deren Studierbarkeit oder die Güte von Modulbeschreibungen bewerten. Was dabei herauskommt, gibt der Universität zunächst eine grundsätzliche Orientierung. Erst ein Jahr später steht die ernste Prüfung an. Ein gutes Dutzend der in Bayreuth angebotenen Studiengänge wird dabei ausgelost und sehr genau unter die Lupe genommen werden. Was geprüft wird, entspricht bis ins Detail einer Programmakkreditierung: "Und wenn diese Stichproben zu einem guten Ergebnis kommen, geht man davon aus, dass der gesamte Prozess der Studieneinführung und Studiendurchführung an der Universität Bayreuth gut etabliert ist", so der Vizepräsident. "Dann traut man uns auch offiziell zu, dass wir Studiengänge selbst akkreditieren."
Info: An der Universität Bayreuth wird in den nächsten zwei Jahren eine Arbeits-gruppe das Projekt Systemakkreditierung vorantreiben. Hierbei wird unter anderem auch auf die Expertise und Erfahrung von Professor Helmut Ruppert zurückgegriffen. Der ehemalige Präsident der Universität hatte sich während seiner Amtszeit für die Systemakkreditierung, die Hochschulen mehr Verantwortung und mehr Gestal-tungsmöglichkeiten gibt, stark gemacht.
Criteria of this press release:
interdisciplinary
transregional, national
Science policy, Studies and teaching
German

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