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Wissenschaft
Tanz, Ekstase und Heilkunde in Antike und Mittelalter
Öffentliche Lesung von Jürgen Wasim Frembgen
Zur religiösen Bedeutung von Tanz, Ekstase und Heilkunde in Antike und Mittelalter tauschen sich Spezialisten beim Workshop "Religion für die Sinne" am 25. und 26. November 2009 in der Ruhr-Universität aus. Auf Einladung des Internationalen Kollegs für geisteswissenschaftliche Forschung (IKGF) "Dynamiken der Religionsgeschichte" befassen sie sich mit Tanz und Ekstase, Trance und Besessenheit in verschiedenen Religionen. Ein Höhepunkt der Veranstaltung ist die öffentliche Lesung von Jürgen Wasim Frembgen am 25.11., 19.30 Uhr in der Augustinuskirche, Ökumenisches Kirchenforum im Unicenter.
Der renommierte Islamwissenschaftler und Ethnologe an Universität und Völkerkundemuseum München liest aus seinem Erfahrungsbericht über seine Reise zu den brodelnden heiligen Stätten in Sehwan Scharif in Pakistan.
Erfahrungsbericht aus Pakistan und Tanzperformance
Jürgen Wasim Frembgen präsentiert in seinem neuen Buch "Am Schrein des roten Sufi. Fünf Tage und Nächte auf Pilgerfahrt in Pakistan" ein anderes, lebensfrohes Gesicht des Islam. Er berichtet von seinem Besuch in der Provinz Sindh, dem Kernland der islamischen Mystik, wo alljährlich ein dionysisches Fest gefeiert wird: ein einwöchiger Exzess rauschhafter Spiritualität zu Ehren des roten Sufi, des mythenumrankten Wunderheiligen Lal Schahbas Qalandar (gest. 1274). "Am Schrein des roten Sufi" zeigt ein hierzulande wenig beachtetes, freudvolles Gesicht des Islam, geprägt von Toleranz, Gemeinschaftsgefühl, Rausch und Hingabe. Spannend und farbig schildert der Ethnologe seine Begegnungen mit skurrilen heiligen Männern, Wanderderwischen, Trancetänzerinnen und Hidschra-Transvestiten und berichtet schließlich vom eigenen Hineingezogenwerden in den musikalischen, archaischen, spirituellen Sog der gemeinschaftlichen Ekstase. Es entsteht ein Sittengemälde islamischen Volksglaubens von bleibender Eindrücklichkeit. Zur Lesung gehört eine indische Tanzperformance von Dr. Heike Moser von der Uni Tübingen mit dem Titel "Mit den Augen sprechen - Kutiyatam, Sanskrittheater aus Kerala /Südindien". Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, der Eintritt ist frei.
Tanz als Weg zur Annäherung an Gott
Tanz gilt als eines der bedeutendsten Phänomene vieler Religionen. Dabei kann er zum Beispiel als Ausdruck und Ziel einer Annäherung an Gott ekstatische Formen annehmen, die für Außenstehende nicht selten den Charakter einer Besessenheit tragen. Heilkunde im religiösen Kontext sucht eine Harmonisierung zwischen natürlicher und übernatürlicher Wirklichkeit herzustellen. Tanz und Ritual spielen dabei ebenso eine Rolle, wie Beschwörungen und Exorzismen. Der Workshop untersucht an Fallbeispielen die Attraktivität der Ausdrucksformen von Tanz, Ekstase und Heilkunde für die Verdichtung von Religionen und ihre Ausbreitung. Im Fokus stehen Fragen wie: Inwieweit sind Tanz, Ekstase und Heilkunde konstitutiv für Religion? Was sind die identitätsstiftenden Merkmale ihrer religiösen Ausdrucksformen und was macht sie attraktiv? Welche Bedeutungsvariabilität lässt sich erkennen, die diese religiösen Ausdrucksformen als attraktive Kontakttypen innerhalb des Religionsaustausches manifestieren? Was sind die Bedingungen, Modi und Folgen der religiösen Ausdrucksformen, wenn sie als Kontakttypen zwischen verschiedenen Religionen zu identifizieren sind und lässt sich daraus eine Theorie des Religionskontaktes ableiten?
Internationales Forschungskolleg Religionsgeschichte
Das Internationale Kolleg für Geisteswissenschaftliche Forschung zum Thema "Dynamiken der Religionsgeschichte zwischen Asien und Europa" (Koordinator: Prof. Dr. Volkhard Krech), das das Bundesforschungsministerium seit 2008 mit rund 12 Mio. Euro über sechs Jahre fördert, hat sich vorgenommen, ein Verständnis für die wechselseitige Durchdringung der großen religiösen Traditionen im Wechselspiel von Adaption und Abgrenzung zu schaffen. Die Ausgangsthese ist, dass sich die großen religiösen Traditionen im wechselseitigen Kontakt miteinander konstituieren, etablieren und weiterentwickeln. Diese Perspektive schließt freilich den Konflikt zwischen Religionen nicht aus, lenkt den Blick aber anders, als das häufig in der gesellschaftlichen Öffentlichkeit und den Medien geschieht, auch auf historische und gegenwärtige Konstellationen wechselseitiger Verschränkung.
Weitere Informationen
Philipp Reichling, Internationales Kolleg für Geisteswissenschaftliche Forschung, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-24706, E-Mail: philipp.reichling@rub.de
Redaktion: Meike Drießen
http://www.abc-der-menschheit.de/coremedia/generator/wj/de/01__Wissenschaftsjahr... - Informationen über das Kolleg
Criteria of this press release:
Music / theatre, Philosophy / ethics, Religion
regional
Miscellaneous scientific news/publications, Scientific conferences
German

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