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Wissenschaft
Erneut war die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München erfolgreich bei der Bewerbung um eine Alexander von Humboldt-Professur: Stephan Hartmann, Professor für Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie an der Universität Tilburg (Niederlande), wurde mit dem renommierten internationalen Forschungspreis ausgezeichnet. Er wurde von der LMU nominiert und durch den von der Humboldt-Stiftung eingesetzten Ausschuss ausgewählt.
Stephan Hartmann ist einer der international führenden Experten, der natur- und sozialwissenschaftliche Methoden für die Philosophie fruchtbar macht. Nach der Systembiologin Ulrike Gaul, dem Astrophysiker Georgi Dvali und dem Philosophen Hannes Leitgeb könnte mit Hartmann nun ein vierter Humboldt-Professor an die LMU kommen. „Der Erfolg zeigt erneut“, so LMU-Präsident Huber, „dass die LMU ein international kompetitives Forschungsumfeld und attraktive Rahmenbedingungen bietet. Durch eine Berufung Hartmanns setzen wir unsere Profilbildung konsequent fort und werden in der Philosophie zu einem der weltweit forschungsstärksten Standorte.“
Am Knotenpunkt vieler Fachrichtungen
Hartmann gelingt es in seiner Forschung, komplexe Fragestellungen aus verschiedenen Bereichen der Philosophie mit Hilfe von mathematischen Modellen und Computersimulationen neuen Antworten zuzuführen. Durch seine Arbeiten prägte er die mathematische Philosophie entscheidend mit – ein Gebiet, das immer mehr an Bedeutung gewinnt. Letztlich geht es darum, philosophische Probleme in mathematische Probleme zu übersetzen, diese dann mit analytischen oder numerischen Methoden zu lösen und die erhaltenen Lösungen schließlich philosophisch zu interpretieren. Zu den wichtigsten Werken Hartmanns gehört sein gemeinsam mit Luc Bovens von der London School of Economics verfasstes Buch „Bayesian Epistemology“. Darin wendet er die Theorie Bayesscher Netze, die auch für viele wissenschaftliche Anwendungen wichtig ist, auf eine große Bandbreite von philosophischen Problemen an – von der Erkenntnis- bis zur Wissenschaftstheorie. Dabei zeigen sich interessante Querverbindungen zur kognitiven Psychologie und zu Fragestellungen aus der künstlichen Intelligenzforschung. Ein weiterer Forschungsschwerpunkt Hartmanns ist die Philosophie der Natur- und Sozialwissenschaften, wobei er insbesondere zur Methodologie und zu den Grundlagen der Physik – Hartmann ist seiner Ausbildung nach selbst auch Physiker – einflussreiche Beiträge leistete.
Mit seiner Expertise in Wissenschaftstheorie und mathematischer Philosophie soll Hartmann dazu beitragen, die große wissenschaftstheoretische Tradition an der LMU fortzuführen und weiterzuentwickeln. Im kürzlich von Humboldt-Preisträger Hannes Leitgeb gegründeten „Munich Center for Mathematical Philosophy“ (MCMP) forschen Wissenschaftler verschiedener Disziplinen gemeinsam an der Anwendung logisch-mathematischer Methoden auf philosophische Fragestellungen. Hartmann soll zusätzlich zu einem Lehrstuhl für Wissenschaftstheorie gemeinsam mit Leitgeb die Leitung des MCMP übernehmen, dessen Forschung er in idealer Weise komplettieren würde.
Vita
Stephan Hartmann wurde 1968 geboren. Er studierte Physik und Philosophie an der Universität Gießen, wo er im Fach Philosophie promovierte. Anschließend forschte er unter anderem an der LMU sowie den Universitäten Konstanz und Pittsburgh (USA). Von 2002 bis 2005 leitete er die Forschungsgruppe „Philosophy, Probability and Modeling“ an der Universität Konstanz. Von 2003 bis 2007 war Hartmann auch an der London School of Economics tätig, wo er 2004 zum Direktor des „Centre for Philosophy of Natural and Social Science“ (CPNSS) ernannt wurde, bevor er 2006 zum Professor am Department of Philosophy, Logic and Scientific Method berufen wurde. Seit 2007 ist Hartmann Professor und Gründungsdirektor des „Tilburg Center for Logic and Philosophy of Science“ (TiLPS) an der Tilburg University in den Niederlanden.
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