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07/13/1998 00:00

Antikörper treibt Lymphome in den Selbstmord

Prof.Dr. Mathias Freund Pressestelle
Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie e.V. (DGHO)

Antikörper treibt Lymphome in den Selbstmord
Beginn eines neuen Kapitels in der Lymphomtherapie

Ein monoklonaler Antikörper bietet vielen Patienten mit einem Tumor des Lymphsystems erstmals die Chance auf eine zugleich wirksame und sanfte Therapie. Der CD20-Antikörper Rituximab greift gezielt B-Lymphomzellen an und löst das zellinterne "Selbstmord-Programm" aus. Im Mai wurde Rituximab als Medikament zur Therapie des rezidivierten "follikulären niedrig-malignen Non-Hodgkin-Lymphoms" zugelassen. In den kommenden Monaten beginnen an zahlreichen deutschen Tumorzentren Studien, in denen auch Patienten mit anderen Lymphomen mit dem Wirkstoff behandelt werden. "Über 90 Prozent aller B-Zell-Lymphome tragen das CD20-Erkennungsmolekül", so Professor Volker Diehl, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie. "Wir sind daher zuversichtlich, daß der Antikörper vielen Patienten helfen kann."

Amerikanische Wissenschaftler entwickelten den CD20-Antikörper vor 6 Jahren. In rasch folgenden klinischen Studien bewies er eine hohe Wirksamkeit gegen das niedrigmaligne Non-Hodgkin-Lymphom (NHL), einem langsam wachsenden Tumor des Lymphgewebes: 50 Prozent der behandelten Patienten sprachen positiv auf den Antikörper an. Dabei verschwand der Tumor bei jedem fünften Patienten vollständig, bei den anderen verkleinerte er sich maßgeblich. Rituximab ist damit bei niedrigmalignem NHL in bestimmten Fällen genauso effektiv wie eine Chemotherapie.

Ein großer Vorteil des Antikörpers ist die gute Verträglichkeit: Bei der ersten der insgesamt vier Infusionen treten grippeähnliche Symptome wie Schüttelfrost, Fieber und Übelkeit auf. Bei den folgenden Infusionen sind viele Patienten gänzlich beschwerdefrei. Da der Antikörper ausschließlich B-Lymphozyten angreift, werden Knochenmark, Haarwurzelzellen und innere Organe nicht geschädigt. So können auch Patienten, für die eine Chemotherapie körperlich zu belastend wäre, mit der Immuntherapie behandelt werden.

Durchbruch beim Wirkungsmechanismus

Der CD20-Antikörper bindet an bestimmte Moleküle auf den Tumorzellen, die CD20-Antigene. Anders als alle bisherigen monoklonalen Antikörper - die in der klinischen Erprobung enttäuschende Ergebnisse brachten - wirkt Rituximab dabei selbst zytotoxisch. Der Grund liegt in der besonderen Struktur: Rituximab ist ein sogenannter chimärer Antikörper, das heißt er besteht aus humanen und Maus-Anteilen. Der Maus-Anteil "erkennt" die CD20-Antigene, der humane Abschnitt sorgt für die antitumorale Wirkung. Wahrscheinlich wirken dabei mehrere Mechanismen gleichzeitig: Zum einen sendet Rituximab der Tumorzelle ein Signal, das zellintern gespeicherte "Selbstmord-Programm" (Apoptose) zu starten. Zum anderen blockiert der Antikörper Ionen-Kanäle in den Zellmembranen und behindert damit das unkontrollierte Wachstum.

Einsatz bei weiteren Tumoren des Lymphsystems

Da gut 90 Prozent aller B-Zell-Lymphome (pro Jahr gibt es rund 8000 Neuerkrankungen) das CD20-Antigen tragen, kann Rituximab wahrscheinlich auch bei diesen Erkrankungen helfen - die Patienten vielleicht langfristig heilen oder zumindest den Tumor zurückdrängen und ihnen damit eine beschwerdefreie Zeit schenken. In den kommenden Monaten beginnen dazu an etwa 30 deutschen Tumorzentren klinische Studien:

Chronisch lymphatische Leukämie (CLL): CLL ist die häufigste Leukämieform bei Erwachsenen. Bei den Patienten kommt es zu einer massenhaften Vermehrung immuninkompetenter B-Lymphozyten, die sich im Blut anreichern und schließlich Knochenmark, Lymphknoten, Milz und Leber infiltrieren. Erste Behandlungen von CLL-Patienten mit Rituximab zeigen ermutigende Ergebnisse. Umfangreiche Studien starten demnächst an den Tumorzentren der Universitäten Köln, Ulm und München.

Intermediäre und hochmaligne Non-Hodgkin-Lymphome: Zur Behandlung dieser schnell wachsenden Lymphome wird in Studien eine Kombination von Chemotherapie und Rituximab eingesetzt. Zunächst soll die Chemotherapie größere Tumormassen zerstören, anschließend der CD20-Antikörper verstreute B-Lymphomzellen beseitigen. Damit vergrößert sich die Chance, daß die Patienten langfristig geheilt werden.

Hodgkin-Lymphom: Das Hodgkin-Lymphon ist ein relativ selten auftretender Lymphknotenkrebs, an dem vorwiegend jüngere Menschen erkranken. Bei etwa 5 bis 15 Prozent dieser Patienten tragen die Tumorzellen das CD20-Antigen. Nur bei diesen Hodgkin-Patienten hat die Antikörper-Therapie daher Aussicht auf Erfolg und soll in einer Studie unter der Leitung der Universitätsklinik Köln erprobt werden.


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Addendum from 07/13/1998

Antikörper treibt Lymphome in den Selbstmord
Beginn eines neuen Kapitels in der Lymphomtherapie

Ergänzung

Ansprechpartner:
PD Dr. Andreas Engert
Medizinische Klinik I
Universität Köln
Joseph-Stelzmann-Straße 9
50924 Köln
Tel. 0221 478-5933
Fax 0221 478-6733
a.engert@uni-koeln.de


Criteria of this press release:
Medicine, Nutrition / healthcare / nursing
transregional, national
Research projects
German


 

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