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10/20/2023 14:36

Christliche und nicht-religiöse Personen nutzen Online-Pornografie gleich häufig

Sophie Zervos Kommunikation
GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften

    Die Verwendung von Web-Tracking-Panel-Daten liefert neue Erkenntnisse über die Online-Pornografie-Nutzung der Deutschen. Laut einer neuen Studie, die in Archives of Sexual Behavior veröffentlicht wurde, nutzen deutsche Angehörige des Katholizismus, des Protestantismus sowie religiös Ungebundene mit gleicher Wahrscheinlichkeit Online-Pornografie. Im Vergleich dazu nutzen Angehörige von Minderheitsreligionen wie dem Islam oder dem orthodoxen Christentum in Deutschland Online-Pornografie seltener.

    Die Verwendung von Web-Tracking-Panel-Daten liefert neue Erkenntnisse über die Online-Pornografie-Nutzung der Deutschen. Laut einer neuen Studie, die in Archives of Sexual Behavior veröffentlicht wurde, nutzen deutsche Angehörige des Katholizismus, des Protestantismus sowie religiös Ungebundene mit gleicher Wahrscheinlichkeit Online-Pornografie. Im Vergleich dazu nutzen Angehörige von Minderheitsreligionen wie dem Islam oder dem orthodoxen Christentum in Deutschland Online-Pornografie seltener.

    „Frühere Studien haben gezeigt, dass die Religiosität ein starker Prädiktor für die Nutzung von Pornografie sein kann“, sagt Dr. Pascal Siegers vom GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften. „Wir wollten diese Fragen noch einmal anhand von Webtracking-Daten untersuchen, die weniger von sozial erwünschtem Verhalten beeinflusst sind.“

    Die Autoren der Studie, Maximilian T.P. von Andrian-Werburg, Pascal Siegers und Johannes Breuer, kombinierten Daten aus einem groß angelegten deutschen Online-Webtracking-Panel mit Umfragedaten, die von den Teilnehmer*innen des Panels erhoben wurden. Im Großen und Ganzen stimmen ihre Ergebnisse mit früheren Resultaten aus umfragebasierten Studien in Deutschland und anderen Ländern überein.

    Die Studie hat jedoch auch nennenswerte neue Einsichten hervorgebracht, wie eben den Unterschied in der Rolle der religiösen Zugehörigkeit beim Konsum von Online-Pornografie, insbesondere zwischen Angehörigen der religiösen Mehrheit und Nichtreligiösen in Deutschland sowie Angehörigen von Minderheitsreligionen.

    Dabei unterscheiden sich die Daten für Deutschland von denen anderer Länder: „In Deutschland verringert die Zugehörigkeit zur protestantischen oder katholischen Religion die Wahrscheinlichkeit, Online-Pornografie zu nutzen, nicht signifikant. Dies unterscheidet sich von den Befunden aus anderen Ländern, wie zum Beispiel den Vereinigten Staaten", sagte Dr. Johannes Breuer, ebenfalls von GESIS. „Wir vermuten, dass dies daran liegt, dass deutsche christliche Personen tendenziell liberaler sind als zum Beispiel amerikanische Evangelikale“ fügt Breuer hinzu und ergänzt: „Zu beachten ist, dass die Teilnehmenden des Webtracking-Panels aus Datenschutzgründen das Tracking pausieren können. Daher kann es auch sein, dass konservative amerikanische christliche Personen, die an Webtracking-Studien teilnehmen, eher dazu neigen, das Webtracking stumm zu schalten, wenn sie eine pornografische Website besuchen, so dass es so aussieht, als würden sie solche Seiten nicht besuchen.“

    In den Sozialwissenschaften ist der Konsum von Pornografie gut erforscht, ebenso die Persönlichkeitsmerkmale, die diese Nutzung vorhersagen. Frühere Forschungen haben sich auf Umfragen gestützt, um Daten zu erheben. Umfragen basieren jedoch auf Selbstauskünften, was, wie in diesem Fall, zu Einschränkungen führen kann. So kann es vorkommen, dass Befragte zu wenig über ihren Pornografie-Konsum berichten, weil sie sich nicht mehr genau an die Häufigkeit erinnern können, oder dass sie aus Scham keine genauen Angaben machen. „Mit der Auswertung von Web-Tracking-Panels haben wir eine neue Möglichkeit, die Nutzung von Online-Pornografie zu messen, die weit über die Daten aus Selbstauskünften hinausgeht“, lobt Siegers den neuen methodischen Ansatz. „Frühere Studien von Morichetta und Kollegen haben gezeigt, dass die Panelteilnehmer*innen im Durchschnitt 37 Minuten pro Woche mit Online-Pornografie verbrachten, aber nur 24 Minuten angaben. Man kann also definitiv festhalten, dass die im Internet verfolgten Aktivitäten uns ein genaueres Bild davon geben, was die Leute online tun“.


    Der vollständige Artikel ist kostenlos bei Archives of Sexual Behavior erhältlich:

    von Andrian-Werburg, M.T.P., Siegers, P. & Breuer, J. A. Re-evaluation of Online Pornography Use in Germany: A Combination of Web Tracking and Survey Data Analysis. Arch Sex Behav (2023). https://doi.org/10.1007/s10508-023-02666-8

    Ansprechpartnerin bei GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften:

    Dr. Sophie Zervos
    Pressesprecherin
    sophie.zervos@gesis.org

    Unter Sachsenhausen 6-8
    D-50667 Köln
    Tel.: +49(0)221 / 47694 – 136

    www.gesis.org
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    Als eine der weltweit führenden Infrastruktureinrichtungen für die Sozialwissenschaften steht das GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften Forscher*innen auf allen Ebenen ihrer Forschungsvorhaben mit seiner Expertise und seinen Dienstleistungen beratend zur Seite, so dass gesellschaftlich relevante Fragen auf der Basis neuester wissenschaftlicher Methoden, qualitativ hochwertiger Daten und Forschungsinformationen beantwortet werden können. Um diesen Service heute und in Zukunft sicherzustellen, verknüpft GESIS seine integrierte Erhebungs- und Dateninfrastruktur mit Methoden, Modellen und Algorithmen der Informatik im Anwendungsfeld Sozialwissenschaften und erweitert kontinuierlich sein Angebotsportfolio im Bereich digitaler Verhaltensdaten. GESIS ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft, Konsortialführerin von KonsortSWD in der NFDI und unterhält institutionelle und projektbezogene Kooperationen mit vielen Universitäten und Forschungseinrichtungen im In- und Ausland. GESIS ist an wichtigen europäischen Projekten wie u.a. dem European Social Survey (ESS), der European Value Study (EVS), dem europäischen Archivverbund CESSDA oder dem OECD-Projekt Programme for the International Assessment of Adult Competencies (PIAAC) beteiligt. Außerdem arbeitet das Institut kontinuierlich daran, das junge Forschungsfeld der Computational Social Science durch internationale Konferenzen, Symposien und Workshops in Deutschland und Europa zu stärken und eine weltweite Vernetzung voranzutreiben.


    Contact for scientific information:

    Dr. Johannes Breuer
    Dr. Pascal Siegers


    Original publication:

    von Andrian-Werburg, M.T.P., Siegers, P. & Breuer, J. A. Re-evaluation of Online Pornography Use in Germany: A Combination of Web Tracking and Survey Data Analysis. Arch Sex Behav (2023). https://doi.org/10.1007/s10508-023-02666-8


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    Criteria of this press release:
    Journalists, Scientists and scholars
    Cultural sciences, Psychology, Religion, Social studies
    transregional, national
    Research results, Transfer of Science or Research
    German


     

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