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01/21/2025 11:51

Forschungsprojekt nimmt Darmbakterien unter die Lupe

Martin Brandstätter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Julius-Maximilians-Universität Würzburg

    Wie schaffen es Bakterien, sich gegen Angriffe zu wehren? Das ist die zentrale Frage in einem neuen Forschungsprojekt der Würzburger Mikrobiologin Franziska Faber. Gefördert wird sie dabei von der Boehringer Ingelheim Stiftung.

    Während einer bakteriellen Infektion sind die verantwortlichen Krankheitserreger in der Regel vielen Angriffen ausgesetzt. Da sind zum einen Immunzellen, die den Schädling beseitigen wollen. Andere Bakterienarten können sich ebenfalls gestört fühlen und entwickeln eigene Verteidigungsstrategien. Und natürlich setzen auch Antibiotika und weitere Medikamente die Eindringlinge unter Druck.

    Wehrlos diesen Angriffen ausgesetzt sind viele Bakterienstämme allerdings nicht. Sie besitzen diverse Überlebens- und Anpassungsstrategien – angefangen bei der Bildung von Biofilmen über die Produktion sogenannter Endosporen bis hin zur Verwandlung in sogenannte Persister, Zellen, die nicht oder nur sehr langsam wachsen und somit den meisten Antibiotika keinen geeigneten Angriffspunkt bieten.

    600.000 Euro von der Boehringer Ingelheim Stiftung

    Welche Reize bestimmte Überlebensstrategien, wie beispielsweise die Produktion von Endosporen, auslösen und welche molekularen Mechanismen diesen Prozessen zugrunde liegen, ist bislang noch nicht detailliert geklärt.

    Das soll nun ein neues Forschungsprojekt an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) ändern. Verantwortlich dafür ist die Mikrobiologin Franziska Faber, Professorin für Mikrobielle Interaktionen am Institut für Hygiene und Mikrobiologie der JMU. Die Boehringer Ingelheim Stiftung stellt ihr dafür im Rahmen ihres Rise-up!-Programms eine Fördersumme in Höhe von 600.000 Euro zur Verfügung.

    Zwar gibt es bereits zahlreiche Studien, in deren Fokus Veränderungen in der Genexpression stehen, die mit solchen Überlebensstrategien einhergehen. Allerdings wurden dabei ausschließlich große Bakterienpopulationen untersucht – die Ergebnisse zeigen dementsprechend nur „Mittelwerte“ für Tausende bis Millionen Zellen. Dies ist jedoch ein Problem, da viele der Überlebensstrategien nur in einem kleinen Teil einer Bakterien Population ablaufen. „Die genauen zellulären Zustände, die zu den unterschiedlichen Reaktionen von Bakterien auf Stress führen, sind daher noch weitgehend unbekannt“, erklärt Franziska Faber den Hintergrund ihres Projekts.

    Clostridioides difficile im Visier

    Im Unterschied dazu will Franziska Faber das Geschehen in einzelnen Zellen unter die Lupe nehmen. Sie konzentriert sich dabei auf Bakterien vom Typ Clostridioides difficile. Diese sind eine der Hauptursachen für Durchfälle, die nach der Einnahme von Antibiotika auftreten. Mit ihrer Fähigkeit, antibiotikaresistente Sporen zu bilden, sind sie für hohe Rückfallraten sowie damit einhergehend eine erhöhte Sterblichkeit verantwortlich.

    Faber geht dabei den Fragen nach, welche zellulären Zustände mit dem Beginn der Sporenbildung verbunden sind, welche Signale den Prozess der Sporenbildung auslösen und wie die Sporenbildung im Verbund mit anderen Verteidigungstechniken – beispielsweise der Produktion von Toxinen – reguliert wird.

    Dafür kombiniert die Wissenschaftlerin in ihrem auf drei Jahre angelegten Forschungsprojekt diverse Techniken von der Einzelzell-RNA-Sequenzierung bis zur Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung mit genetischen, biochemischen und mikrobiologischen Ansätzen. Auf diese Weise will sie ein genaues Bild von den molekularen Grundlagen gewinnen, die C. difficile so erfolgreich im Kampf gegen Angreifer macht.

    Am Ende, so hofft die Wissenschaftlerin, sollen ihre Ergebnisse auf molekularer Basis einen bestimmten Typ von Bakterienzelle mit einem sogenannten „Virulenz-Phänotyp“ verknüpfen. Mit diesem Wissen werde es möglich, die besonderen Umstände zu identifizieren, die beispielsweise mit der Sporenbildung während der Darmbesiedlung von C. difficile verbunden sind, um in der Folge gezielt Maßnahmen dagegen zu entwickeln.

    Das Rise-up!-Programm

    Das Rise up!-Programm richtet sich an herausragende und ungewöhnlich kreative Grundlagenforscherinnen und Grundlagenforscher aus der Biologie, Chemie und Medizin, die zum ersten Mal eine W2-Professur an einer deutschen Universität angenommen haben. Gefördert werden besonders innovative Forschungsprojekte, die sich nachhaltig auf ihr Fachgebiet auswirken könnten.

    Über die Stiftung

    Die Boehringer Ingelheim Stiftung ist eine rechtlich selbstständige, gemeinnützige Stiftung und fördert die medizinische, biologische, chemische und pharmazeutische Wissenschaft. Errichtet wurde sie 1977 von Hubertus Liebrecht, einem Mitglied der Gesellschafterfamilie des Unternehmens Boehringer Ingelheim. Mit ihren Initiativen, Förderprogrammen und Wissenschaftspreisen setzt sich die Stiftung insbesondere dafür ein, den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die notwendigen Freiräume und beste Bedingungen für hervorragende Grundlagenforschung und Forschungsergebnisse zu schaffen.


    Contact for scientific information:

    Prof. Dr. Franziska Faber, Institut für Hygiene und Mikrobiologie, T: +49 931 31-86280, franziska.faber@uni-wuerzburg.de


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    Criteria of this press release:
    Journalists, Scientists and scholars
    Biology, Medicine
    transregional, national
    Research projects
    German


     

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