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01/13/2026 12:30

Neue Nachwuchsgruppe am DIfE erforscht die Interaktion zwischen Darm und Gehirn

Dr. Ina Henkel Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

    Seit dem 1. Januar 2026 hat eine neue Nachwuchsgruppe unter der Leitung von Dr. Ignacio Rebollo ihre Arbeit am Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) aufgenommen. Ausgestattet mit einem ERC Starting Grant in Höhe von 1,5 Millionen Euro untersuchen Rebollo und sein Team die Wechselwirkung zwischen Signalen, die im Darm entstehen, sowie deren Auswirkungen auf die Gehirnaktivität, die Stimmung und das Denkvermögen. Ihre Forschungsaktivitäten sollen das Verständnis und die Behandlung psychischer Erkrankungen verbessern.

    Der European Research Council (ERC) hat Dr. Ignacio Rebollo mit dem renommierten ERC-Grant ausgezeichnet und würdigt damit die zukunftsweisende Forschung des Nachwuchswissenschaftlers. Mit dem mit 1,5 Millionen Euro dotierten Forschungsstipendium hat Rebollo am DIfE die neue Nachwuchsgruppe Darm-Gehirn-Interaktionen gegründet. Ziel ist es, mithilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT) bei gesunden Individuen und bei Personen mit Depression zu analysieren, wie Signale aus dem Darm – von den schnellen elektrischen Rhythmen der Magenkontraktionen bis zu den langsameren, subtileren Hormoneinflüssen – das Gehirn formen. Um die komplexen Mechanismen zu entschlüsseln, setzt Rebollo auf fortschrittliche Bildgebungstechniken und physiologische Messungen.

    Darm-Gehirn-Kommunikation entschlüsseln

    „Ich freue mich sehr, mit meiner Nachwuchsgruppe eine Führungsposition und Mentorenrolle zu übernehmen und mich auf diese Entdeckungsreise zu begeben“, sagt Dr. Rebollo. „Seit über einem Jahrzehnt arbeite ich auf diese Forschungsvision hin, und jetzt, mit der Unterstützung des ERC und einem talentierten Team, bin ich bereit, einen echten Beitrag zu unserem Verständnis der Darm-Gehirn-Achse und letztendlich von psychischen Erkrankungen zu leisten, die alarmierend zugenommen haben.“

    Rebollo fokussiert sich auf die Integration von Darmsignalen, denn die meisten Forschungsansätze zum Gehirn haben bisher den direkten Einfluss des Darms übersehen. Gemeinsam mit seinem Team will er diese Wissenslücke schließen, indem er präzise Aufzeichnungen der Magenaktivität durch Elektroenzephalographie (EGG), Hormonproben und Gehirnscans basierend auf der EEG- und fMRT-Technologie kombiniert. Rebollo erklärt: „Der Darm und das Gehirn agieren wie zwei Instrumente in einem Orchester, die in unterschiedlichen Tempi spielen – schnelle Beats von den Magenkontraktionen und langsamere Harmonien von den Hormonen. Gemeinsam setzen sie die ‚Partitur‘ dafür, wie wach, hungrig oder emotional aufgewühlt wir uns fühlen.“

    Mit seiner Nachwuchsgruppe möchte er untersuchen, wie unterschiedliche Ausprägungen der Wachsamkeit als Zustand andauernder Aufmerksamkeit die Koordination zwischen Gehirn und Magen beeinflussen oder wie sich wichtige Darmhormone wie Ghrelin, Insulin und Glucagon-like Peptide-1 auf Stimmung, Appetit und Gehirnaktivität auswirken. Auch pharmakologische Werkzeuge sollen eingesetzt werden, um Darm- und Gehirnzustände gezielt zu modulieren.

    Auf dem Weg zu neuen Behandlungsmöglichkeiten

    Durch die detaillierte Charakterisierung des Darm-Gehirn-Dialogs bietet das Projekt ungeahnte Einblicke in die Art und Weise, wie innere Signale eigene Gedanken und Gefühle beeinflussen. „Dieser Echtzeit-Dialog hat eine große gesellschaftliche Relevanz“, sagt Dr. Rebollo. „Stellen Sie sich vor, man beobachtet einen Anstieg der Magenkontraktionen, der mit einer Veränderung der Gehirnaktivität zusammenfällt – das sind die Verbindungen, die mein Team und mich begeistern und die wir beleuchten wollen.“

    Die Forschungsergebnisse könnten den Weg für neuartige, darmzentrierte Strategien zur Erkennung und Behandlung von Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen ebnen, einschließlich diätetischer Interventionen, hormoneller Therapien und nicht-invasiver Stimulationsverfahren.

    Zusammenarbeit und Expertise

    Rebollos aktuelle Arbeiten, einschließlich einer Co-Erstautorenschaft in Nature Mental Health im Jahr 2025*, die einen Zusammenhang zwischen der Kopplung von Magen und Gehirn und psychischen Symptomen aufdeckte, belegen die Dynamik in diesem Forschungsbereich. Rebollo pflegt enge Forschungspartnerschaften mit führenden Wissenschaftler*innen an der Universität Aarhus in Dänemark, dem niederländischen Radboud Universitätsklinikum und der Universität der Republik in Urugay.

    Prof. Tilman Grune, Wissenschaftlicher Direktor am DIfE, gratuliert: „Wir freuen uns, einen talentierten Wissenschaftler zu unterstützen. Das fünfjährige Projekt markiert einen entscheidenden Moment sowohl für Dr. Rebollo als auch für das DIfE. Sein Forschungsthema stellt eine bedeutende und willkommene Ergänzung zu den strategischen Prioritäten unseres Instituts dar.“

    Hintergrundinformationen

    * Banellis, L., Rebollo, I., Nikolova, N., Allen, M.: Stomach–brain coupling indexes a dimensional signature of mental health. Nature Mental Health 3(8), 899-908 (2025). [Open Access]

    Der European Research Council (ERC) ist die führende Förderorganisation für bahnbrechende, risikoreiche Forschung in Europa. Der ERC unterstützt herausragende Wissenschaftler*innen und ihre ehrgeizigen, von der Neugier getriebenen Projekte. Er fördert innovative Ideen, unabhängig von der Forschungsdisziplin, und stärkt damit Europas Position an der Spitze des Wissens.


    Contact for scientific information:

    Dr. Ignacio Rebollo
    Leiter der Nachwuchsgruppe Darm-Gehirn-Interaktionen
    Tel.: +49 33 200 88 - 2519
    E-Mail: ignacio.rebollo@dife.de


    Images

    Messung der Magenaktivität.
    Messung der Magenaktivität.
    Source: David Ausserhofer
    Copyright: DIfE

    Dr. Ignacio Rebollo leitet seit Januar 2026 die neue Nachwuchsgruppe "Darm-Gehirn-Interaktionen" am DIfE.
    Dr. Ignacio Rebollo leitet seit Januar 2026 die neue Nachwuchsgruppe "Darm-Gehirn-Interaktionen" am ...
    Source: David Ausserhofer
    Copyright: DIfE


    Criteria of this press release:
    Journalists, all interested persons
    Biology, Medicine, Nutrition / healthcare / nursing, Psychology
    transregional, national
    Organisational matters, Research projects
    German


     

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