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Wissenschaft
Polyandrie ist verbreitet: Weibliche Hausmäuse – und Weibchen vieler anderer Arten – paaren sich häufig mit mehr als einem Männchen; ihre Würfe haben dann mehrere Väter.
Der Kontext entscheidet: Ein Vorteil der Mehrfachvaterschaft zeigt sich unter Standardfutter mit geringerer Nährstoffqualität – erkennbar an größeren Würfen.
Eine Frage bleibt offen: Weibchen zeigen dieses Verhalten auch dann, wenn die Nahrung hochwertig ist – obwohl der Nutzen dort nicht eindeutig ist.
Viele Tiere tun etwas, das Forschende noch immer überrascht: Weibchen paaren sich oft mit mehr als einem Männchen. Dieses Verhalten – Polyandrie – wirft seit Langem eine geradeheraus gestellte Frage auf: Warum den Nachwuchs auf mehrere Väter verteilen – und hilft das Müttern oder Jungtieren, zu überleben?
Neue Arbeiten am Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie gehen diesem Rätsel anhand von Hausmäusen nach. Die Studie legt nahe, dass der Wert mehrfacher Paarungen nicht festgeschrieben ist, sondern von der Umwelt geprägt wird – besonders von der Qualität der Nahrung, die der Mutter zur Verfügung steht.
Um dies zu testen, richteten die Forschenden mehrere experimentelle, semi-natürliche Gehege ein, in denen jeweils Hunderte männliche und weibliche Mäuse in Umgebungen lebten, die natürliche Lebensräume möglichst genau nachbilden sollten. Jedes Individuum wurde während seines gesamten Lebens mit winzigen subkutanen RFID-Tagsverfolgt. Die Futterqualität unterschied sich zwischen den Gehegen: Einige Mäuse erhielten eine hochwertige Nahrung, andere ein Standardfutter mit geringerer Nährstoffqualität. Über vier Jahre beobachtete das Team 255 Würfe von mehr als 100 Weibchen, erfasste Paarungsereignisse und die Zahl der Väter, die zu jedem Wurf beitrugen – um Fortpflanzungsstrategien unter unterschiedlichen Ressourcenbedingungen zu untersuchen.
Das Muster war deutlich. In beiden Umwelten hatte rund ein Drittel der Würfe mehrere Väter. Doch der messbare Vorteil – größere Wurfgrößen – zeigte sich nur unter den schlechteren Bedingungen mit Standardfutter. In Umgebungen mit hochwertiger Nahrung brachten Weibchen große Würfe zur Welt – unabhängig davon, wie viele Männchen sie gezeugt hatten.
Über die Maus hinaus unterstreichen die Ergebnisse einen allgemeineren Punkt: Fortpflanzungsverhalten kann eine Antwort auf Umstände sein. Wenn Ressourcen von geringerer Qualität sind, könnten Weibchen sich mit mehreren Männchen paaren und damit die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass zumindest ein Teil des Nachwuchses überlebt – ein Ansatz, der als bet-hedging bezeichnet wird. Wenn Nahrung reichlich vorhanden ist, sind solche Strategien womöglich weniger nötig. Und doch zeigen Weibchen dieses Verhalten weiterhin. Die Frage ist nun: Warum?
Mit Blick nach vorn eröffnen die Ergebnisse eine Spurensuche danach, wie Tiere ihr Paarungsverhalten an Veränderungen der Futterqualität, Populationsdichte und andere ökologische Zwänge anpassen – Erkenntnisse, die helfen könnten, Unterschiede in Paarungssystemen, Elternstrategien und Lebensgeschichten zwischen Arten zu erklären, die in sich rasch wandelnden Umwelten bestehen müssen.
Fragkiskos Darmis
Doctoral Researcher
Max Planck Institute for Evolutionary Biology
Research Group Behavioural Ecology of Individual Differences
darmis@evolbio.mpg.de
Max Planck Institute for Evolutionary Biology
Darmis, F., Guenther, A. Environmental quality shapes the fitness payoffs of multiple paternity. BMC Ecol Evo 25, 134 (2025). https://doi.org/10.1186/s12862-025-02478-5
Criteria of this press release:
Journalists
Biology
transregional, national
Research results, Transfer of Science or Research
German

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