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01/13/2026 16:50

„Oscar der Verbundwerkstoff-Branche“ für innovatives Batteriegehäuse: TU Chemnitz gewinnt „JEC Innovation Award 2026“

Dipl.-Ing. Mario Steinebach Pressestelle und Crossmedia-Redaktion
Technische Universität Chemnitz

    Forschende der Professur Strukturleichtbau und Kunststoffverarbeitung der TU Chemnitz entwickelten gemeinsam mit Industrie- und Forschungspartnern ein neuartiges Fertigungsverfahren für thermoplastische Batteriegehäuse und wurden dafür in Paris ausgezeichnet – Sieger-Exponat wird im März auf internationaler Leitmesse JEC World präsentiert

    Es ist ein äußerst großer Erfolg für den Chemnitzer Leichtbau auf internationaler Bühne: Die Professur Strukturleichtbau und Kunststoffverarbeitung (Leitung: Prof. Dr. Lothar Kroll) der Technischen Universität Chemnitz ist mit dem renommierten „JEC Innovation Award 2026“ ausgezeichnet worden. In der Kategorie „Automotive and Road Transportation – Process“ setzte sich das Team der TU Chemnitz gemeinsam mit seinen Industrie- und Forschungspartnern gegen die weltweite Konkurrenz durch. Die als „Oscar der Verbundwerkstoff-Branche“ geltende Auszeichnung wurde am 12. Januar 2026 im Rahmen einer feierlichen Zeremonie in Paris verliehen. Insgesamt wurden 154 Bewerbungen eingereicht, aus denen 33 Finalisten ausgewählt wurden. In elf Kategorien wurde nun jeweils ein Gewinner gekürt.

    Paradigmenwechsel in der Elektromobilität

    Das prämierte Projekt „GroKuBat“ (Großserienfähiges Kunststoff-Batteriegehäuse) liefert eine Antwort auf eine der drängendsten Fragen der Automobilindustrie: Wie lassen sich schwere Metallkomponenten in der Elektromobilität sicher, schnell und nachhaltiger substituieren? „Mit diesem Erfolg demonstrieren wir eindrucksvoll, dass faserverstärkte Thermoplaste reif für die Großserie sind“, sagt Prof. Dr. Wolfgang Nendel, stellvertretender Leiter der Professur Strukturleichtbau und Kunststoffverarbeitung an der TU Chemnitz. „Unser Ziel war es nicht nur, ein metallisches Referenzkonzept funktional zu ersetzen. Wir wollten zeigen, dass wir durch intelligente Prozessführung und Materialkombinationen sowohl ökologisch als auch ökonomisch überlegen sein können, ohne Abstriche bei der Sicherheit zu machen. Diese Auszeichnung bestätigt insbesondere die Innovationskraft des Forschungsstandorts Chemnitz.“

    Technologischer Durchbruch: Unter zwei Minuten pro Bauteil

    Der Kern der Innovation ist ein hochautomatisierter Fertigungsprozess auf Basis der Fließpresstechnologie. Durch die Kombination von kommerziell verfügbaren lang- und endlosfaserverstärkten Thermoplasten gelang es den Forschenden, Zykluszeiten von deutlich unter zwei Minuten pro Bauteil zu realisieren. Damit wurde der Nachweis erbracht, dass sich Kunststoffgehäuse auch in hohen Stückzahlen wettbewerbsfähig gegenüber etablierten Lösungen aus Aluminium oder Stahl fertigen lassen.

    Überzeugende Fakten: Leichter, grüner, sicher

    Die internationale Fachjury würdigte besonders die ganzheitlichen Verbesserungen, die das Projekt vorweisen kann. Neben dem Nachweis der großserienfähigen Herstellung der großformatigen Traktionsbatteriegehäuse betrifft dies die Gewichtsersparnis: Das Batteriegehäuse ist rund 15 Prozent leichter als die Aluminium-Referenz, was die Reichweite von E-Fahrzeugen direkt erhöht. Auch die Nachhaltigkeit ist vorbildlich: Über den gesamten Lebenszyklus werden die CO2-Emissionen um etwa 25 Prozent reduziert – dank geringerer Masse, effizienterer Fertigung und optimierter Recyclingfähigkeit. Zudem überzeugt das innovative Batteriegehäuse in puncto Sicherheit: Umfangreiche Tests, darunter Simulationen und physische Versuche zum Euro-NCAP-Pfahlaufprall, belegen, dass das Kunststoffgehäuse die strengen Anforderungen an die strukturelle Integrität vollständig erfüllt.

    Präsentation im März auf der Weltleitmesse JEC World 2026

    Während der Preis bereits in Paris entgegengenommen wurde, steht die große öffentliche Präsentation des Sieger-Bauteils jedoch noch bevor. Die Professur Strukturleichtbau und Kunststoffverarbeitung wird das Batteriegehäuse auf der Weltleitmesse JEC World 2026 vorstellen. Diese findet vom 10. bis 12. März 2026 ebenfalls in Paris statt. Besucherinnen und Besucher können das Exponat am Gemeinschaftsstand der Wirtschaftsförderung Sachsen (Halle 5, Stand D97) besichtigen und sich mit den Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen über das Fertigungsverfahren austauschen.

    Hintergrund: Verbundprojekt „GroKuBat“

    Bei rein batterieelektrisch betriebenen Pkw hat sich die im Fahrzeugunterboden angeordnete Traktionsbatterie als Bauform etabliert. Trotz der dadurch erreichten günstigen Schwerpunktlage besteht weiterhin die Forderung nach gewichtsreduzierten Batterien, da ein hohes Gewicht weiterhin negative Auswirkungen auf Reichweite und Fahrdynamik hat. Der verstärkte Einsatz von Leichtbau-Materialien für Batteriegehäuse, wie beispielsweise glasfaserverstärkte Thermoplaste, ist eine vielversprechende Option, um dem hohen Gewicht entgegenzuwirken. Im Rahmen des Verbundprojekts „GroKuBat“ (Großserienfähiges Kunststoff-Batteriegehäuse) wurde ein derartiges Gehäuse für einen Großserieneinsatz unter Einbezug der gesamten Wertschöpfungskette entwickelt und aufgebaut. Das Forschungsvorhaben wurde durch das Bundeswirtschaftsministerium im Rahmen der Förderrichtlinie „Neue Fahrzeug- und Systemtechnologien“ von 2022 bis 2024 unterstützt. Der Erfolg basiert auf der engen Zusammenarbeit zwischen Forschung und Industrie. Neben der TU Chemnitz (Professur Strukturleichtbau und Kunststoffverarbeitung) gehörten zum Konsortium die Partner Mahle Filtersysteme GmbH (Projektkoordinator), Formenbau GF GmbH, In2p GmbH, Gerlinger Industries GmbH, Wickert Maschinenbau GmbH sowie das Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie (ICT).


    Contact for scientific information:

    Tino Zucker, Telefon +49 (0)371 531-32460, E-Mail tino.zucker@mb.tu-chemnitz.de und Frank Schettler, Telefon +49 (0)371 531-38924, E-Mail frank.schettler@mb.tu-chemnitz.de


    Images

    Sie nahmen den „JEC Innovation Award 2026“, für den sich die TU Chemnitz erfolgreich beworben hat, entgegen (v. l.): Steve Büchner (Wickert Maschinenbau), Rüdiger Knauß (MAHLE International), Frank Schettler (TU Chemnitz), Martin Dietze (Formenbau GF).
    Sie nahmen den „JEC Innovation Award 2026“, für den sich die TU Chemnitz erfolgreich beworben hat, e ...

    Copyright: Foto: JEC

    Preisgekröntes Bauteil: Das Kunststoff-Batteriegehäuse wurde auf einer Wickert-Compositepresse im Laborgebäude des MERGE Research Centre „Lightweight Technologies“ der TU Chemnitz gefertigt.
    Preisgekröntes Bauteil: Das Kunststoff-Batteriegehäuse wurde auf einer Wickert-Compositepresse im La ...

    Copyright: Foto: Professur Strukturleichtbau und Kunststoffverarbeitung


    Criteria of this press release:
    Business and commerce, Journalists, Scientists and scholars
    Environment / ecology, Materials sciences, Mechanical engineering, Traffic / transport
    transregional, national
    Contests / awards, Research projects
    German


     

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