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01/23/2026 10:00

S3-Leitlinie zum Mammakarzinom aktualisiert: Personalisierte Therapien für Betroffene von Brustkrebs im Fokus

Clara Teich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Krebsgesellschaft e. V.

    Das Leitlinienprogramm Onkologie hat die S3-Leitlinie zur Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms aktualisiert. Unter anderem wurden die Empfehlungen für Diagnostik und Screening überarbeitet, Deeskalationsstrategien bei lokalen Therapien empfohlen und zahlreiche neue medikamentöse Therapien aufgenommen. Die S3-Leitlinie entstand unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Senologie e.V. (DGS), der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG) und der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. sowie unter Mitwirkung von 47 weiteren Fachgesellschaften und Organisationen.

    Brustkrebs ist mit Abstand die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Laut Robert Koch-Institut erkranken jährlich rund 74.000 Menschen an dieser Tumorart. Etwa ein Prozent der Neuerkrankungen betrifft Männer. Da die Tumore, auch dank der Früherkennungsangebote, häufig in frühen Stadien erkannt werden, haben die meisten Patient*innen eine gute Prognose. Auch Verbesserungen in der Versorgung haben dazu geführt, dass die Sterblichkeit in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich gesunken ist.

    Die aktualisierte S3-Leitlinie zum Mammakarzinom trägt dazu bei, die Versorgung der Patient*innen weiterhin zu verbessern, indem sie auf gezieltere Behandlungswege, schonendere Verfahren und ein breites Spektrum neuer, innovativer Medikamente verweist.

    Screening und genetische Beratung weiterentwickelt
    Etwa 30 Prozent aller Brustkrebserkrankten in Deutschland weisen eine familiäre Belastung auf und erfüllen die Einschlusskriterien für eine genetische Untersuchung. Für diese Patient*innengruppe gibt es in der Leitlinie neue Kriterien für genetische Tests und angepasste Beratungs- und Therapiepfade.

    Weniger ist manchmal mehr: Deeskalation operativer Maßnahmen

    Neu in der Leitlinie ist, dass für bestimmte Patient*innengruppen auf die Sentinel-Lymphknotenbiopsie (Sentinel-Node-Biopsie, SLNE) verzichtet werden soll. „Die Methode erfolgte bislang als Routineeingriff beim Mammakarzinom“, so Professor Achim Wöckel, Universitätsklinikum Würzburg. Gemeinsam mit Professorin Ute-Susann Albert, ebenfalls vom Universitätsklinikum Würzburg und Professor Wolfgang Janni, Universitätsklinikum Ulm, koordiniert er die Aktualisierung der Leitlinie. „Mit der Methode wird überprüft, ob sich Zellen des Tumors im lokal angrenzenden Lymphknotengebiet ausgebreitet haben. Studien zeigen aber, dass sie bei bestimmten Tumor-Eigenschaften keinen Vorteil bringt.“

    Auch die Notwendigkeit axillärer Lymphknotenentfernung – die etwa zu Lymphödemen und Bewegungseinschränkungen im Arm führen kann – wurde neu bewertet: In der Adjuvanz soll bei ausschließlicher Mikrometastasierung auf eine weitere gezielte Therapie der Lymphabflussgebiete verzichtet werden. Wie bereits bei brusterhaltender Therapie bekannt, sollte nun auch bei Patient*innen mit Mastektomie und anschließender Bestrahlung bei pT1-pT3/cN0-Tumoren und einem oder zwei positiven Sentinel-Lymphknoten auf eine Axilladissektion verzichtet werden.
    „Das ist ein wichtiger Schritt zur Vermeidung unnötiger operativer Eingriffe – ganz im Sinne der Deeskalation bei niedrigem Risiko“, sagt Wöckel.

    Mehr Präzision dank molekularer Marker

    Neu aufgenommen wurde die Empfehlung, im Rahmen der Diagnostik eine ganze Reihe von Biomarkern zu bestimmen. Darüber hinaus wurde in der Leitlinie eine umfangreiche Bewertung neuer medikamentöser Therapien vorgenommen.

    Basierend auf den im Rahmen der Diagnostik bestimmten Tumormarkern können die Therapien gezielt für das jeweilige molekulargenetische Profil des Tumors gewählt werden – etwa mit CDK4/6-Inhibitoren beim HR-positiven, HER2-negativen metastasierten Mammakarzinom, oder PARP-Inhibitoren bei BRCA1/2-Mutationen. Auch die Therapiewahl im metastasierten Stadium richtet sich künftig konsequenter nach molekulargenetischem Profil: HER2-low, PIK3CA-mutiert, BRCA-defizient – für all diese Subgruppen gibt es neue, auf das Tumorprofil zugeschnittene, Therapiepfade, die in der aktualisierten Leitlinie aufgeführt sind.

    „Die neue S3-Leitlinie bringt eine klarere Ausrichtung auf personalisierte Behandlungsstrategien, reduziert überflüssige Eingriffe und integriert gezielt neue Wirkstoffe für definierte Patient*innengruppen“, so Wöckel. „Darüber hinaus haben wir ganze Themenbereiche aufgenommen, die es bislang noch nicht in der Leitlinie gab: Brustkrebs bei Transpersonen, Brustrekonstruktion und Brustkrebs bei speziellen Tumorentitäten. Nun gibt es auch für diese Fragestellungen in der Behandlung des Mammakarzinoms eine evidenzbasierte Orientierungshilfe.“

    Die neue S3-Leitlinie ist auf dieser Webseite abrufbar: https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/mammakarzinom

    Zudem sind die Inhalte der Leitlinie im Leitlinien-Hub auch digital verfügbar: https://hub.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinie/frueherkennung-diagnostik-...

    Zusätzlich sind die Inhalte in der kostenfreien Leitlinien-App integriert. Weitere Informationen unter: https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/app


    Das Leitlinienprogramm Onkologie

    Leitlinien sind systematisch entwickelte Entscheidungshilfen für Leistungserbringer und Patient*innen zur angemessenen Vorgehensweise bei speziellen Gesundheitsproblemen. Sie stellen ein wesentliches Instrument zur Förderung von Qualität und Transparenz medizinischer Versorgung dar. Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), die Deutsche Krebsgesellschaft e. V. und die Deutsche Krebshilfe haben sich mit dem im Februar 2008 gestarteten Leitlinienprogramm Onkologie das Ziel gesetzt, gemeinsam die Entwicklung und Fortschreibung sowie den Einsatz wissenschaftlich begründeter und praktikabler Leitlinien in der Onkologie zu fördern und zu unterstützen. Mittlerweile umfasst das Leitlinienprogramm 36 S3-Leitlinien, die zu einem großen Teil auch als laienverständliche Patientenleitlinien vorliegen. Mehr unter: https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/home

    Die Deutsche Gesellschaft für Senologie

    Die Deutsche Gesellschaft für Senologie e.V. (DGS) engagiert sich seit 1981 für die Brustgesundheit von Frauen. Sie erforscht, lehrt und vermittelt Wissen über die normalen und gestörten Funktionen der weiblichen Brust. Ein besonderes Anliegen ist es, den Erfahrungsaustausch zwischen WissenschaftlerInnen unterschiedlicher medizinischer Disziplinen sowie Leistungserbringern im Gesundheitswesen anzuregen. Die DGS hat dafür neben der jährlich stattfindenden Jahrestagung auch eine Akademie gegründet, die DAS. Weiterhin war die DGS mit der ersten Zertifizierung von Brustzentren der Initiator für die onkologische Qualitätssicherung und ist federführend für die Erstellung und Aktualisierung der S3-Leitlinie „Mammakarzinom“ verantwortlich. Mehr unter: https://www.senologie.org/

    Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG)

    Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG) ist eine der großen wissenschaftlichen Fachgesellschaften in Deutschland. Sie hat sich der Stärkung der Fachgebiete der Frauenheilkunde und Geburtshilfe verschrieben und fördert das gesamte Fach sowie seine Subdisziplinen, um die Einheit des Faches Frauenheilkunde und Geburtshilfe weiterzuentwickeln. Als medizinische Fachgesellschaft engagiert sich die DGGG fortwährend für die Gesundheit von Frauen und vertritt die gesundheitlichen Bedürfnisse der Frau auch in diversen politischen Gremien.
    Mehr unter: https://www.dggg.de/

    Die Arbeitsgemeinschaft für Gynäkologische Onkologie

    Die Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) ist eine selbstständige AG der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG) und der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. (DKG). Die AGO verfolgt die Förderung der Wissenschaft und Forschung sowie die Aus- und Weiterbildung von Medizinerinnen und Medizinern in den Themen- und Aufgabenbereichen der gynäkologischen Onkologie einschließlich der Mammatumoren. Mehr unter: https://www.ago-online.de/

    Pressekontakt Deutsche Krebsgesellschaft e.V.
    Clara Teich und Angelina Gromes
    Tel.: 030 3229329-60
    E-Mail: presse@krebsgesellschaft.de

    Pressekontakt Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG) | Deutsche Gesellschaft für Senologie e.V. (DGS)
    Sara Schönborn | Heiko Hohenhaus | Manuela Rank | Melanie Herberger
    Telefon: 030-514 88 33 33
    E-Mail: presse@dggg.de und presse@senologie.org


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    Criteria of this press release:
    Journalists
    Medicine, Nutrition / healthcare / nursing
    transregional, national
    Scientific Publications, Transfer of Science or Research
    German


     

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