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01/26/2026 09:14

Herzinsuffizienz: Einfluss von Umweltbedingungen bisher unterschätzt

Nadine Berger M. Sc. Unternehmenskommunikation
Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

    Ob eine Herzinsuffizienz entsteht und wie sie verläuft, hängt nicht nur von körperlichen, sondern auch von externen Einflussfaktoren und der Dauer der Exposition ab. Das haben Forschende der Universitätsmedizin Mainz mit einer internationalen Forschungsgruppe mittels einer systematischen Übersichtsstudie herausgefunden. Demnach sind sowohl individuelle Risikofaktoren, wie beispielsweise Bluthochdruck und Bewegungsmangel, als auch belastende Umweltfaktoren, wie schlechte Luft, Lärm und Hitze, wichtige Ansatzpunkte für die Prävention. Die Studienergebnisse sind heute in der aktuellen Ausgabe von Nature Reviews Cardiology veröffentlicht worden.

    Weltweit sind mehr als 64 Millionen Menschen von Herzinsuffizienz betroffen, in Deutschland sind es mehr als vier Millionen. Trotz moderner medikamentöser Therapien und interventioneller Verfahren sind die Heilungschancen gering und die langfristige Überlebensprognose ungünstig: Etwa die Hälfte der Erkrankten verstirbt innerhalb von sechs Jahren nach der Diagnose. Umso wichtiger ist daher die Prävention. Bisher standen vor allem individuelle Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Zuckerkrankheit und genetische Veranlagungen im Fokus von Prävention und Therapie.

    Dr. Omar Hahad, Wissenschaftler am Zentrum für Kardiologie der Universitätsmedizin Mainz und Erstautor der Studie, hat nun zusammen mit anderen Wissenschaftler:innen die Thematik umfassender untersucht. In ihrer Übersichtsstudie „The environmental exposome in heart failure risk and progression“ fokussierten sie sich auf das sogenannte Exposom, die Gesamtheit aller Umwelt- und Lebensbedingungen, denen ein Mensch im Laufe seines Lebens ausgesetzt sein kann. Dabei kamen sie zu dem Ergebnis, dass diese Faktoren maßgeblichen Einfluss darauf haben können, ob eine Herzinsuffizienz entsteht und wie sie verläuft.

    Umweltfaktoren wirken langfristig und gleichzeitig

    Die internationale Forschungsgruppe mit Beteiligten aus den USA, unter anderem Harvard Medical School, Yale School of Medicine und Columbia University, wertete zahlreiche Studien zum Einfluss einzelner Umweltbelastungen auf Herzinsuffizienz aus. Dazu zählen unter anderem Feinstaub, Verkehrs- und Fluglärm, extreme Temperaturen, künstliches Licht in der Nacht und toxische Metalle wie Blei und Cadmium. Entscheidend für die Krankheitsentwicklung ist, so ein Ergebnis der Studie, dass diese Einflüsse nicht isoliert auftreten, sondern gleichzeitig, über Jahre hinweg und häufig bereits in frühen Lebensphasen wirken. „„Die kontinuierliche Interaktion des Menschen mit den Einflussfaktoren seiner Umwelt führt zu einer erheblichen kumulativen Belastung auf Bevölkerungsebene“, erklärt Dr. Hahad.

    Umweltbelastungen verstärken soziale Ungleichheiten

    Das Risiko, diesen Faktoren ausgesetzt zu sein, ist nicht für jeden Menschen gleich hoch. Besonders stark betroffen sind Menschen mit niedrigerem sozioökonomischem Status. Sie leben häufiger in Gebieten mit schlechter Luft, höherer Lärmbelastung und geringem Zugang zu Grünflächen. Gleichzeitig haben sie oftmals eingeschränkten Zugang zu Präventions- und Therapiemaßnahmen – und infolge dessen eine erhöhte Mortalität.

    Prävention über die Medizin hinausdenken

    Die Autor:innen der Studie kommen aufgrund der erlangten Erkenntnisse zu der Empfehlung, Prävention und Versorgung von Herzinsuffizienz ganzheitlicher zu denken und zu gestalten. Neben medizinischen Maßnahmen plädieren sie für Maßnahmen zum Schutz der Luftqualität sowie vor Lärm und Hitze.

    Originalpublikation:

    Omar Hahad, Sojin Wass, Sanjay Rajagopalan, Shady Abohashem, Hua Hao, Ana Navas-Acien, Lavanya Bellumkonda, Kai Chen, Robert D. Brook, Khurram Nasir, Philipp Lurz, David E. Lanfear, Arvind Bhimaraj, Sadeer Al-Kindi.
    The environmental exposome in heart failure risk and progression, Nature Reviews Cardiology (2026)

    DOI: https://doi.org/10.1038/s41569-026-01247-1

    Kontakt:
    Dr. rer. Physiol. Omar Hahad
    Zentrum für Kardiologie
    Universitätsmedizin Mainz
    E-Mail Omar.Hahad@unimedizin-mainz.de

    Pressekontakt:
    Nadine Berger M. Sc.
    Stabsstelle Unternehmenskommunikation
    Universitätsmedizin Mainz
    Telefon 06131 17-8434
    E-Mail pr@unimedizin-mainz.de

    Über die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
    Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die einzige medizinische Einrichtung der Supramaximalversorgung in Rheinland-Pfalz und ein international anerkannter Wissenschaftsstandort. Sie umfasst mehr als 60 Kliniken, Institute und Abteilungen, die fächerübergreifend zusammenarbeiten und jährlich rund 403.000 Menschen stationär und ambulant versorgen. Hochspezialisierte Patientenversorgung, Forschung und Lehre bilden in der Universitätsmedizin Mainz eine untrennbare Einheit. Rund 3.700 Studierende der Medizin und Zahnmedizin sowie rund 590 Fachkräfte in den verschiedensten Gesundheitsfachberufen, kaufmännischen und technischen Berufen werden hier ausgebildet. Mit rund 9.000 Mitarbeitenden ist die Universitätsmedizin Mainz zudem einer der größten Arbeitgeber der Region und ein wichtiger Wachstums- und Innovationsmotor. Weitere Informationen im Internet unter https://www.unimedizin-mainz.de


    Contact for scientific information:

    Dr. rer. Physiol. Omar Hahad
    Zentrum für Kardiologie
    Universitätsmedizin Mainz
    E-Mail Omar.Hahad@unimedizin-mainz.de


    Original publication:

    Omar Hahad, Sojin Wass, Sanjay Rajagopalan, Shady Abohashem, Hua Hao, Ana Navas-Acien, Lavanya Bellumkonda, Kai Chen, Robert D. Brook, Khurram Nasir, Philipp Lurz, David E. Lanfear, Arvind Bhimaraj, Sadeer Al-Kindi.
    The environmental exposome in heart failure risk and progression, Nature Reviews Cardiology (2026)

    DOI: https://doi.org/10.1038/s41569-026-01247-1


    Images

    Umweltbedingungen wie Feinstaub, Lärm und Hitze erhöhen das Risiko, an Herzschwäche zu erkranken.
    Umweltbedingungen wie Feinstaub, Lärm und Hitze erhöhen das Risiko, an Herzschwäche zu erkranken.

    Copyright: Canva/UM

    Dr. Omar Hahad, Erstautor der Übersichtsstudie "The environmental exposome in heart failure risk and progression"
    Dr. Omar Hahad, Erstautor der Übersichtsstudie "The environmental exposome in heart failure risk and ...
    Source: Oliver Rüther


    Criteria of this press release:
    Journalists, all interested persons
    Environment / ecology, Medicine, Nutrition / healthcare / nursing
    transregional, national
    Research results, Scientific Publications
    German


     

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