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Wissenschaft
Seit 15 Jahren lädt der Naturschutzbund Deutschland (NABU) Bundesbürger zur „Stunde der Wintervögel“ ein. Im Rahmen dieser bundesweiten Aktion werden Naturfreunde gebeten, im Januar eine Stunde lang Vögel in ihrem Garten oder in der freien Natur zu zählen und die Ergebnisse dem NABU zu melden. Das Medieninteresse ist groß – wer möchte nicht gerne wissen, welche Vögel sich bei uns auch im Winter wohlfühlen und wie viele es davon gibt?
Um allerdings aus den gemeldeten Zahlen auf die Gesamtpopulation der Wintervögel zu schließen, sind eine Reihe statistischer Fallstricke zu beachten, die ein solches Hochrechnen behindern. „Bislang wurden im Durchschnitt 2,3 Prozent weniger Vögel pro Garten gezählt als im Vorjahr“, meldete der NABU am 14. Januar. Diese Meldung wurde in einigen Medien als Indiz für einen Rückgang der Wintervögel interpretiert. Aber die Besuchsfrequenz eines Vogelhäuschens hängt von vielen Faktoren ab, beispielsweise dem Wetter oder der Lage des Vogelhäuschens. Wird es in die Nähe der Hundehütte verlegt, kommen mutmaßlich weniger Vögel vorbei. Deshalb ist auch die vom NABU gemeldete Rangliste der Wintervögel nur mit großer Vorsicht auf die Gesamtpopulation übertragbar: „Der Haussperling verteidigt nach dem spannenden Kopf-an-Kopf-Rennen mit der Kohlmeise knapp den ersten Platz. Damit bilden Haussperling, Kohlmeise, Blaumeise, Amsel und Feldsperling die Top 5 der gemeldeten Wintervögel.“
Eichelhäher: Wenn das Mastjahr die Statistik verzerrt
Aber gilt das für alle Wintervögel? Warum diese Liste möglicherweise in die Irre führt, erklärt der NABU anhand des Eichelhähers selbst: „Der Eichelhäher wurde im Vergleich zum Vorjahr seltener gesichtet. Vermutlich sorgte das Eichelmastjahr mit einer Rekordmenge an Früchten für genügend Wintervorräte in Wäldern, sodass die Vögel seltener Gärten und Futterstellen aufsuchten.“ Auch die Abnahme der gemeldeten Wasservögel und die Zunahme der Kraniche hat wohl, wie der NABU wiederum selbst bemerkt, andere Gründe als Verschiebungen in den jeweiligen Populationen: „Viele kleinere Teiche und Dorfgewässer sind zugefroren, sodass sich die Tiere vermutlich an noch offenen größeren Seen und Flüssen sammeln.“ Ganz anders verhält es sich bei den Kranichen: „Im Vergleich […] zum Vorjahr wurden mehr von ihnen gesichtet. Offenbar zieht es die majestätischen Vögel aktuell bei einer sogenannten Winterflucht weiter in Richtung Südwesten.“
Also, liebe Vogelfreunde: Eine Stunde Vogelzählen in der Wintersonne ist gesund und fördert das Naturverständnis, aber bitte ziehen Sie keine vorschnellen Schlüsse auf alle Wintervögel insgesamt.
Prof. Dr. Walter Krämer, walterk@statistik.tu-dortmund.de
https://www.rwi-essen.de/presse/wissenschaftskommunikation/unstatistik
Criteria of this press release:
Business and commerce, Journalists, Scientists and scholars, Students, Teachers and pupils, all interested persons
interdisciplinary
transregional, national
Miscellaneous scientific news/publications
German

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