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Wissenschaft
Mit seinen „Proof of Concept“ (PoC)-Grants unterstützt der Europäische Forschungsrat (ERC) Wissenschaftler dabei, das wirtschaftliche Potential ihrer Forschungsergebnisse weiterzuentwickeln. Zwei Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) wurden jetzt für die prestigereiche Förderung ausgewählt: Hellmut Augustin entwickelt neuartige Maus-Tumormodelle, die eine bessere Übertragbarkeit der Ergebnisse gewährleisten und gleichzeitig die Anzahl der in Versuchen eingesetzten Tiere reduzieren sollen. Michael Platten plant, einen KI-gesteuerten Klassifikator weiterzuentwickeln, um die aufwendige Herstellung therapeutischer T-Zellen für die Immuntherapie zu beschleunigen.
Das Besondere an den „Proof of Concept“-Grants des ERC: Dieses Fördermittel kann nur beantragen, wer bereits eine ERC-Förderung erhält. Der Forschungsrat will den Wissenschaftlern damit ermöglichen, eventuelle Anwendungsbereiche ihrer in einem ERC-Förderprojekt erzielten Forschungsergebnisse zu prüfen und zu erschließen.
Krebserkrankungen sind extrem komplex und betreffen den gesamten Körper, so dass viele Fragestellungen nur an lebenden Organismen untersucht werden können. Dazu werden fast ausschließlich Mäuse eingesetzt. Um Krebs in den Nagern zu erforschen, nutzen Forschende heute verschiedene Techniken. Z.B. werden dem Tier Tumorzellen übertragen oder der Krebs wird durch gentechnische Eingriffe induziert. Die verschiedenen Ansätze haben jedoch Nachteile, die oft dazu führen, dass die Situation im Menschen nicht angemessen nachgebildet wird. Mit dem Projekt SpheroMouse will Hellmut Augustin, Leiter der Abt. Vaskuläre Onkologie und Metastasierung am DKFZ sowie der Abt. Vaskuläre Biologie und Tumorangiogenese an der Universitätsmedizin Mannheim die Aussagekraft dieser Forschung verbessern. Sein Ziel ist, die Ergebnisse aus Tierversuchen besser auf die Situation am Menschen anzupassen und dadurch die wissenschaftliche Qualität und die Übertragbarkeit der präklinischen Maus-Tumorforschung zu steigern.
Sein Ansatz beruht darauf, winzige, kaum ein zehntel Millimeter große Fragmente etablierter Tumoren zu transplantieren, die aus gentechnisch veränderten Mausmodellen gewonnen wurden. Die Vorgehensweise ermöglicht wissenschaftliche Erkenntnisse mit höherer Aussagekraft und deutlich verbesserter Übertragbarkeit auf den Menschen als die bisher überwiegend genutzten Zelllinien-Tumormodelle. Die Fragmente können molekular standardisiert, in Biobanken gelagert und bequem versandt werden, so dass sie Forschenden weltweit zur Verfügung stehen. Gleichzeitig leistet das Projekt auch einen wesentlichen Beitrag zum Tierschutz, denn reproduzierbarere Ergebnisse in standardisierten Modellen führen dazu, dass weniger Tiere für Versuche eingesetzt werden müssen.
Personalisierte T-Zell-Therapien gelten als vielversprechende neue Behandlungsoptionen gegen verschiedene Krebsarten. Die therapeutischen T-Zellen werden im Labor zunächst mit speziellen Sensor-Proteinen ausgestattet, den „T-Zell-Rezeptoren“, die den individuellen Tumor erkennen. Doch die Identifizierung der passenden T-Zell-Rezeptoren ist ein besonders zeitaufwändiger Schritt bei der Herstellung personalisierter therapeutischer T-Zellen.
Michael Platten ist Leiter der Klinischen Kooperationseinheit Neuroimmunologie und Hirntumorimmunologie am DKFZ und Direktor der Neurologischen Klinik an der Universitätsmedizin Mannheim. Der Arzt und Wissenschaftler hatte kürzlich einen KI-gesteuerten Klassifikator entwickelt, der tumorabtötende T-Zell-Rezeptoren aus Patientenproben identifiziert. “predicTCR” kann die Zeit zur Identifizierung therapeutischer TCRs von heute etwa vier Monaten auf unter zwei Wochen verkürzen. Mit den ERC-Mitteln will Platten predicTCR nun von einem Forschungsalgorithmus in einen robusten, validierten und vollständig automatisierten Prozess umwandeln, der für den klinischen Einsatz geeignet ist.
Dazu sollen zunächst Maßnahmen zur Qualitätskontrolle entwickelt werden, die vermeiden, dass unwirksame therapeutische Zellen ausgewählt werden. Außerdem wollen die Forschenden sicherstellen, dass beim Einsatz von predicTCR zur Auswahl von tumorgerichteten T-Zell-Rezptoren für eine klinische Studie alle erforderlichen Regeln eingehalten werden. Ein regelkonformes predicTCR würde ermöglichen, zelluläre Immuntherapien auch gegen seltene Krebsarten zu entwickeln. Ein weiteres Ziel der Forschenden ist es, tumorreaktive T-Zell-Rezeptoren zu identifizieren, um „gebrauchsfertige” Zelltherapien zu entwickeln, die gegen viele verschiedene Krebsarten wirksam sind.
Fotos der Grant-Inhaber stehen zum Download zur Verfügung unter:
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Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Beim Krebsinformationsdienst (KID) des DKFZ erhalten Betroffene, Interessierte und Fachkreise individuelle Antworten auf alle Fragen zum Thema Krebs.
Um vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik zu übertragen und so die Chancen von Patientinnen und Patienten zu verbessern, betreibt das DKFZ gemeinsam mit exzellenten Universitätskliniken und Forschungseinrichtungen in ganz Deutschland Translationszentren:
Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT, 6 Standorte)
Deutsches Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK, 8 Standorte)
Hopp-Kindertumorzentrum (KiTZ) Heidelberg
Helmholtz-Institut für translationale Onkologie (HI-TRON) Mainz – ein Helmholtz-Institut des DKFZ
DKFZ-Hector Krebsinstitut an der Universitätsmedizin Mannheim
Nationales Krebspräventionszentrum (gemeinsam mit der Deutschen Krebshilfe)
Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.
Ansprechpartner für die Presse:
Dr. Sibylle Kohlstädt
Pressesprecherin
Strategische Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Krebsforschungszentrum
Im Neuenheimer Feld 280
69120 Heidelberg
T: +49 6221 42 2843
E-Mail: S.Kohlstaedt@dkfz.de
E-Mail: presse@dkfz.de
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Criteria of this press release:
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Biology, Medicine
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