idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Grafik: idw-Logo

idw - Informationsdienst
Wissenschaft

idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Instance:
Share on: 
01/30/2026 09:17

KI verbessert individuelle Herzinfarktbehandlung von Krebspatienten

Melanie Nyfeler Kommunikation
Universität Zürich

    Forschende der Universität Zürich haben ein neues Tool entwickelt, das mit Hilfe von KI krebsbezogene und klassische kardiovaskuläre Faktoren kombiniert. Dank dieser genaueren Risikoprognosen werden bessere personalisierte Behandlungen für Krebskranke mit Herzinfarkt möglich.

    Krebspatientinnen und -patienten, die einen Herzinfarkt erleiden, sind einer besonders gefährlichen Kombination verschiedener Risikofaktoren ausgesetzt. Dies macht nicht nur ihre klinische Behandlung herausfordernder, sie werden auch systematisch aus vielen klinischen Studien und bestehenden Risikoscores ausgeschlossen. Daher gibt es bislang für diese vulnerable Patientengruppe kein standardisiertes Instrument zur Risikovorhersage.

    Internationale Studie nutzt Bevölkerungsdaten

    Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung der Universität Zürich hat nun das erste Risikovorhersagemodell für Krebspatientinnen und -patienten mit Herzinfarkt entwickelt. Für die entsprechende Studie wurden mehr als eine Million Herzinfarktpatientinnen und -patienten aus England, Schweden und der Schweiz untersucht, darunter über 47’000 Personen mit einer Krebserkrankung.

    Die Ergebnisse zeigen, dass Krebspatientinnen und -patienten mit Herzinfarkt eine auffallend schlechte Prognose haben: Innerhalb von sechs Monaten starb fast ein Drittel der Untersuchten, etwa jede oder jeder Vierzehnte erlitt eine schwere Blutung und in etwa 15 Prozent der Fälle kam es zu plötzlichen Durchblutungsstörungen. «Für eine gezielte Behandlung ist es daher wichtig, dass wir in der Klinik das individuelle Risikoprofil besser abschätzen können», sagt Erstautor Florian A. Wenzl vom Center for Molecular Cardiology der Universität Zürich und vom National Health Service England.

    Forschungsteam setzt auf künstliche Intelligenz

    Die Forschenden entwickelten dafür das neue Tool ONCO-ACS. Dieses nutzt künstliche Intelligenz, um krebsbezogene und klassische kardiovaskuläre Faktoren zu kombinieren und so die Sterblichkeit, schwere Blutungen und ischämische Ereignisse vorherzusagen. Obwohl Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen traditionell als getrennte Krankheitsbilder betrachtet werden, unterstreichen die Ergebnisse das enge Zusammenspiel beider Erkrankungen. «Abhängig von den Eingenschaften des Tumors können Krebspatientinnen und -patienten ein erhöhtes Blutungsrisiko, eine gesteigerte Neigung zu arteriellen Blutgerinnseln oder beides aufweisen – was eine jeweils unterschiedliche Behandlung mittels Plättchenhemmer nach dem Herzinfarkt erfordert», fasst Wenzl zusammen.

    Ausblick auf personalisierte Behandlung

    Das neue Tool liefert Ärztinnen und Ärzten verlässliche Informationen, um die Behandlung individuell anzupassen und Nutzen und Risiken besser gegeneinander abzuwägen. «Indem sowohl Krebs- als auch Herzerkrankungen berücksichtigt werden, stellt ONCO-ACS einen Schritt hin zu einer wirklich personalisierten Medizin dar. Das Instrument hilft zu entscheiden, wer von invasiven Eingriffen und intensiver medikamentöser Therapie profitiert und wer ein erhöhtes Risiko für Blutungskomplikationen hat», ergänzt
    Letztautor Thomas F. Lüscher vom National Heart and Lung Institute des Imperial College London sowie den Royal Brompton and Harefield Hospitals.

    Die Forschenden hoffen, dass der ONCO-ACS-Score bald in die klinische Praxis integriert und zur Planung zukünftiger Studien genutzt wird – mit dem Ziel, die Behandlung von Krebspatientinnen und -patienten mit Herzinfarkt zu verbessern.


    Contact for scientific information:

    Kontakt
    Dr. Florian A. Wenzl, MD FESC
    Center for Molecular Cardiology
    Universität Zürich
    florian.wenzl@uzh.ch
    +41 76 749 42 50

    Prof. Thomas F. Lüscher, MD FESC
    Royal Brompton and Harefield Hospitals
    Guy's and St Thomas' NHS Foundation Trust
    t.luescher@rbht.nhs.uk
    +44 7502 008 487


    Original publication:

    Literatur
    Wenzl FA, Ow KW, Velders MA, et al. Prediction of mortality, bleeding, and ischaemic events in patients with cancer and acute coronary syndrome: a model development and validation study. Lancet, 29 January 2026. DOI https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(25)02020-3/fullt...


    More information:

    https://www.news.uzh.ch/de/media/releases.html


    Images

    Criteria of this press release:
    Journalists
    Biology, Medicine, Nutrition / healthcare / nursing, Social studies
    transregional, national
    Research projects, Research results
    German


     

    Help

    Search / advanced search of the idw archives
    Combination of search terms

    You can combine search terms with and, or and/or not, e.g. Philo not logy.

    Brackets

    You can use brackets to separate combinations from each other, e.g. (Philo not logy) or (Psycho and logy).

    Phrases

    Coherent groups of words will be located as complete phrases if you put them into quotation marks, e.g. “Federal Republic of Germany”.

    Selection criteria

    You can also use the advanced search without entering search terms. It will then follow the criteria you have selected (e.g. country or subject area).

    If you have not selected any criteria in a given category, the entire category will be searched (e.g. all subject areas or all countries).