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Initiative von Forschenden der Unis Hohenheim und Freiburg / 20 Expert:innen von 9 Forschungseinrichtungen empfehlen gezieltes Management statt pauschaler Bejagung
Ob Wolf, Biber oder Saatkrähe – eine Bejagung dieser geschützten Tierarten kann Konflikte mit der Landwirtschaft sogar verschärfen. Darauf weisen 20 Forschende aus ganz Baden-Württemberg in einem offenen Brief an die Politik hin. Auch eine Übernahme ins Jagdrecht sehen die Expert:innen kritisch: Sie betonen, dass ein notwendiger Abschuss von Problemtieren dadurch erschwert würde. Um Konflikte mit der Landwirtschaft zu verringern und zugleich diesen ökologisch wichtigen Arten Raum zu geben, plädieren sie für ein gezieltes Management statt pauschaler Bejagung. Es stelle einen Erfolg der Naturschutzpolitik dar, dass es diese gefährdeten Arten wieder in Baden-Württemberg gibt.
Weidetiere, die vom Wolf gerissen wurden, Überschwemmungen durch Biber-Staudämme und Ernteeinbußen durch Saatkrähen: Geschützte Tierarten können massive Konflikte auslösen. Oft wird der Ruf nach vermehrter Bejagung laut. „Doch der Schuss kann nach hinten losgehen und die Probleme sogar verschärfen“, erklärt Professor Marco Heurich von der Universität Freiburg, einer der vier Initiatoren der Stellungnahme.
Bejagung kann Konflikte sogar verschärfen
„Wenn man Tiere in wachsenden Populationen schießt, werden sie oft schnell durch Artgenossen ersetzt“, erläutert der Experte für Wildtierökologie. Bei Wölfen im Rudel könne ein Abschuss sogar dazu führen, dass mehr Weidetiere gerissen werden, vermutlich aufgrund einer gestörten Rudelstruktur, wenn Elterntiere getötet werden.
Andere Maßnahmen seien wesentlich erfolgreicher, berichtet Mitinitiator Professor Johannes Steidle, Tierökologie von der Universität Hohenheim. „Weidehalter in Sachsen-Anhalt zum Beispiel setzen Zäune und Herdenschutzhunde ein. Damit hatten sie – in einer Region mit hoher Wolfsdichte – bei 25.000 Weidetieren in sechs Jahren keinerlei Risse zu verzeichnen.“
Auch bei Biber und Rabenvögeln setzen die Fachleute auf gezieltes Management: „Biber-Leitfaden, Biberbeauftragte oder Verfügungen auf Basis des Naturschutzrechts stellen eine gute Basis dar, um Konflikte ohne das Jagdrecht zu lösen“, so der Experte.
In einigen Fällen sei ein gezielter Abschuss von Problemtieren unumgänglich – und dann müsse dieser unbürokratisch und schnell möglich sein, um die betroffenen Landwirt:innen zu schützen. Die Forschenden befürchten, dass eine Aufnahme der Arten in das Jagdgesetz – wie sie in Baden-Württemberg für den Wolf kürzlich beschlossen wurde – den Abschuss erschwert, denn der Schutzstatus der Arten bleibe davon unberührt. Mit einem Abschussantrag müsste sich daher nicht nur die Naturschutzbehörde, sondern zusätzlich auch noch die Jagdbehörde befassen und zahlreiche betroffene Jagdpächter beteiligt werden.
Betroffene Arten haben wichtige ökologische Funktionen
„Früher gefährdete Arten wie der Saatkrähe sind wieder zahlreich in Baden-Württemberg zu finden, und regional ausgestorbene Arten wie Wolf und Biber sind zurückgekehrt. Und das ist ein großer Erfolg der Naturschutzpolitik“, hält Lars Krogmann, Direktor des Naturkundemuseums Stuttgart und Professor an der Universität Hohenheim, fest. „Diese Tiere sind wichtige ökologische Schlüsselarten. Der Wolf etwa fördert die Baumverjüngung in Wäldern, der Biber trägt zur Offenhaltung von Feuchtgebieten bei“, erklärt er.
Die Vereinten Nationen haben die „UN-Dekade zur Wiederherstellung von Ökosystemen“ von 2021 bis 2030 ausgegeben, auch Deutschland und die EU haben sich dieser Agenda verpflichtet. „Baden-Württemberg kann stolz sein auf seine Erfolge im Naturschutz und sollte sie nicht gefährden.“
Kontakt für Medien
Prof. Dr. Johannes Steidle, Universität Hohenheim, Fachgebiet für Chemische Ökologie,
+49 711 459 23 667, jsteidle@uni-hohenheim.de
Prof. Dr. Marco Heurich, Universität Freiburg, Wildlife Ecology and Conservation Biology,
+49 855 29600136, marco.heurich@wildlife.uni-freiburg.de
Prof. Dr. Frank Schurr, Universität Hohenheim, Institut für Landschaftsökologie,
+49 711 459-22865, frank.schurr@uni-hohenheim.de
Prof. Dr. Lars Krogmann, Universität Hohenheim & Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart,
+49 711 89 36 112, lars.krogmann@smns-bw.de
Text: Elsner
https://www.uni-hohenheim.de/fileadmin/uni_hohenheim/Aktuelles/Uni-News/Pressemi... Offener Brief
https://www.uni-hohenheim.de/presse Zu den Pressemitteilungen der Universität Hohenheim
Criteria of this press release:
Journalists
Biology, Environment / ecology, Zoology / agricultural and forest sciences
transregional, national
Transfer of Science or Research
German

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