idw - Informationsdienst
Wissenschaft
Interdisziplinäres Team landet unter den Top 5 bei internationalem Wettbewerb der Synthetischen Biologie
Die Studierenden der Philipps-Universität Marburg waren auch bei der jüngsten Ausgabe des iGEM-Wettbewerbes wieder besonders erfolgreich. Im Finale des bedeutendsten internationalen Wettbewerbs der Synthetischen Biologie in Paris errangen sie drei Preise und drei Nominierungen und landeten in ihrer Wettbewerbskategorie erneut in der Spitzengruppe, wobei die Abstände unter den Top 5 denkbar knapp waren. Das Marburger iGEM-Team hat sich dieses Jahr mit der gezielten Veränderung der Naturstoffsynthese zur Erzeugung neuer Antibiotika beschäftigt, die dringend für die Bekämpfung multiresistenter Krankenhaus-Keime benötigt werden. Das Team hat hierbei eine Plattform entwickelt, mit der die Produkte von sogenannten Nicht-Ribosomalen Peptid-Synthasen, hochkomplex aufgebauten Biosynthese-Maschinen aus Bakterien, gezielt und flexibel verändert werden können.
Der „international Genetically Engineered Machine (iGEM) competition“ ist ein internationaler Wettbewerb für Studierende auf dem Gebiet der synthetischen Biologie. Er wird von der gleichnamigen Stiftung ausgerichtet und verfolgt das Ziel, Studierende zum eigenständigen und innovativen Forschen bereits während ihres Studiums anzuregen. In der synthetischen Biologie bauen Forscherinnen und Forscher vorhandene biologische Bausteine um oder kombinieren genetische Bausteine neu, um damit besondere und neuartige biologische Eigenschaften zu entwickeln.
Mehr als 400 Uni-Teams am Start des internationalen Wettbewerbs
„Ich gratuliere den Studierenden und den Projektleitern aus unserem Zentrum für Synthetische Mikrobiologie, den Fachbereichen Biologie, Chemie, Pharmazie, Informatik. Medizin und dem Max-Planck-Institut für Terrestrische Mikrobiologie sehr herzlich“, freut sich Prof. Dr. Thomas Nauss, Präsident der Philipps-Universität. „Sie haben sich erneut in einem Starterfeld behauptet, das mehr als 400 Teams von Universitäten aus der ganzen Welt umfasst und sind unter den Top 5 gelandet.“ Das Team wurde von der Stadt Marburg, Hessen Trade & Invest, den Behring-von-Röntgen- und Else Kröner-Fresenius-Stiftungen, sowie zahlreichen weiteren Firmen unterstützt.
„Dieser erneute Erfolg belegt, wie eng verzahnt und fruchtbar die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Fachbereichen der Philipps-Universität und dem Max-Planck-Institut für Terrestrische Mikrobiologie im Bereich der Synthetischen Biologie nicht nur bei der Exzellenzinitiative, sondern auch bei der Nachwuchsarbeit ist“, so Prof. Dr. Gert Bange, Vizepräsident für Forschung.
Potenzial für neue naturbasierte Wirkstoffe
„Die von unserem iGEM-Team erzielten Ergebnisse stellen auch für die Fachwelt einen nennenswerten Durchbruch dar, da die im Rahmen des Wettbewerbes entwickelte Plattform die Möglichkeit bietet, auf biosynthetischem Wege mit hohem Durchsatz eine Vielzahl von neuartigen, naturbasierten Wirkstoffen zu produzieren und diese im Labormaßstab auf ihre Aktivität gegenüber multiresistenten Keimen zu testen“, erklärt der molekulare Pflanzenphysiologe Prof. Dr. Lars Voll. Er betreute das Studierendenteam gemeinsam mit dem Naturstoffchemiker Prof. Dr. Helge Bode, der Klinischen Mikrobiologin Prof. Dr. Isabelle Bekeredjian-Ding und dem Enzymdesigner Dr. Adrian Bunzel aus dem Zentrum für Synthetische Mikrobiologie (SYNMIKRO).
„Dem Studierenden-Team ist es gelungen, durch Austausch nur eines einzelnen Bausteins einer komplex aufgebauten molekularen Maschine, die erzeugten Produkte so zu verändern, dass sie giftig für andere Mikroorganismen werden können. Der Charme des entwickelten Ansatzes liegt außerdem darin, dass einzelne Bausteine fast beliebig umgebaut werden können“, lobt Prof. Dr. Helge Bode, der Direktor am Max-Planck-Institut für Terrestrische Mikrobiologie (MPI-TM) ist. Seine Kollegin Prof. Dr. Isabelle Bekeredjian-Ding aus dem Fachbereich Medizin ergänzt: „Dieser flexible Ansatz kann in kurzer Zeit zu einer großen Anzahl potentiell neuer Wirkstoffe führen, deren grundsätzliche Eignung im Labormaßstab überprüft werden kann, bevor ihre Tauglichkeit für den klinischen Einsatz eingehender getestet wird.“
Neue Software für die Synthese
Einer der gewonnenen Preise ist dem Team folgerichtig für die Kollektion neu erzeugter Bausteine verliehen worden, ebenso wie der Preis für die beste Software. „Dem Team ist es gelungen, die Erfolgsrate bei der Erzeugung neuer Substanzen mittels eigenständig entwickelter Computermodelle vorherzusagen“, fügt Dr. Adrian Bunzel (auch MPI-TM) an, der die Studierenden bei ihren bioinformatischen Arbeiten unterstützt hat.
Bei der Bewertung im Wettbewerb spielt aber nicht nur die Forschung eine Rolle – die Studierenden sind auch angehalten, ihr Projekt in der Öffentlichkeit darzustellen und mit Experten aus verschiedenen Disziplinen zu diskutieren, um durch deren Rückmeldungen die Ziele ihres Forschungsprojektes besser an gesellschaftliche und industrielle Bedürfnisse anzupassen. Auch dabei war das Marburger Team in diesem Jahr wieder besonders aktiv, was zur besonderen Anerkennung durch die Jury geführt hat.
Nach aktuellen Schätzungen wird die Anzahl der jährlich durch multiresistente Keime geforderten Todesopfer bis zum Jahr 2050 auf 10 Millionen Menschen weltweit ansteigen. Da bleibt es zu hoffen, dass zügig Lösungen für die Entdeckung neuer Wirkstoffe – wie die des Marburger iGEM-Teams – gefunden werden.
Bildtext: Das Marburger iGEM-Team holte erneut einen Spitzenplatz beim Finale in Paris. Foto: Rowena-Elen Günther
Bild zum Download: https://www.uni-marburg.de/de/aktuelles/news/2026/igem26-bild
Prof. Dr. Lars Voll
Fachbereich Biologie
Philipps-Universität Marburg
Tel: 06421 28-22061
E-Mail: lars.voll@biologie.uni-marburg.de
https://Übersicht über die preisgekrönten Teams: https://jamboree.igem.org/2025/results
Criteria of this press release:
Journalists, Scientists and scholars, Students
Biology, Medicine
transregional, national
Contests / awards, Miscellaneous scientific news/publications
German

You can combine search terms with and, or and/or not, e.g. Philo not logy.
You can use brackets to separate combinations from each other, e.g. (Philo not logy) or (Psycho and logy).
Coherent groups of words will be located as complete phrases if you put them into quotation marks, e.g. “Federal Republic of Germany”.
You can also use the advanced search without entering search terms. It will then follow the criteria you have selected (e.g. country or subject area).
If you have not selected any criteria in a given category, the entire category will be searched (e.g. all subject areas or all countries).