idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Grafik: idw-Logo

idw - Informationsdienst
Wissenschaft

idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Instance:
Share on: 
02/04/2026 14:00

Umfangreiche Süßwasserreserven unter dem Meeresboden erstmals bestätigt

Jana Nitsch Pressestelle
MARUM - Zentrum für Marine Umweltwissenschaften an der Universität Bremen

    Internationales Team liefert erste detaillierte Beweise für seit langem vermutete versteckte Süßwasser-Grundwasserleiter

    Zum ersten Mal hat ein Wissenschaftsteam ein Süßwassersystem unter dem Meeresboden direkt dokumentiert und umfassend beprobt. Diese bedeutende Entdeckung geht auf erste Analysen von Sedimentkernen zurück, die während einer internationalen Expedition gewonnen wurden, geführt von den Fahrtleitenden Professor Brandon Dugan (Colorado School of Mines, Golden, USA) und Professor Rebecca Robinson (Graduate School of Oceanography, University of Rhode Island, USA). Diese Bohrkerne aus dem tieferen Meeresboden werden gerade von einem internationalen Forschungsteam an der Universität Bremen geöffnet, gemeinschaftlich untersucht und beprobt. Im Januar und Februar 2026 arbeiten die Forschenden der Expedition Seite an Seite, um neue Erkenntnisse zur Entstehung, Entwicklung und Bedeutung des neu dokumentierten untermeerischen Süßwassersystem zu gewinnen. Auch Forschende vom MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften sind beteiligt.

    Das Ziel der Expedition ging weit über das Sammeln der Bohrkerne hinaus. Wissenschaftler:innen haben auch das Wasser in den Sedimenten beprobt – inklusive das aus sandigen Lagen, die als Grundwasserleiter dienen, sowie von tonigen Lagen, die üblicherweise das Wasser vor Ort halten und als Aquitards, also Wasserstauer agieren. Obwohl etwa 70 Prozent der Erdoberfläche mit Wasser bedeckt sind, bewegen sich signifikante Wassermengen auch unter der Erde und sind hier gespeichert. Viele Küstengemeinschaften sind für ihre Wasserversorgung auf landgestützte Grundwasserleiter angewiesen. Was weniger Menschen wissen ist, dass in vielen Gegenden diese Aquifere sich bis zur Küste fortsetzen und Zonen von leicht salzigem Grundwasser im Meeresboden vorkommen. Wissenschaftler:innen wissen seit 1976 von der Existenz dieser Offshore-Systeme, doch bis heute sind sie praktisch unerforscht geblieben. Während der Expedition vor Neuengland hat das Wissenschaftsteam erfolgreich Wasser in einer Zone von nahezu 200 Metern im Meeresboden dokumentiert und beprobt.

    Brandon Dugan: „Wir waren begeistert zu sehen, dass Süßwasser in verschiedenen Sedimenttypen vorkommen – sowohl in marinen als auch in terrestrischen. Das Wasser in diesen verschiedenen Materialien wird dabei helfen, besser zu verstehen, unter welchen Bedingungen sie entstanden sind.” Weitere Analysen des Teams werden Aufschluss darüber geben, wo und vor allem wann das Wasser dort hingelangt ist.

    Rebecca Robinson: „Die Bohrkerne enthalten Sedimente mit einer Vielzahl unterschiedlicher Zusammensetzungen und Altersstufen. Es war überraschend, dass der gesamte Abschnitt aus Sedimenten und nicht aus Gestein besteht. Das Sediment hat sich noch nicht in Gestein umgewandelt – damit hatte ich nicht gerechnet, und es wird ein interessanter Bestandteil unserer künftigen Arbeit sein.“ Um zu verstehen, wann und wie die Sedimente abgelagert wurden, entwickelt das Wissenschaftsteam jetzt Altersmodelle.

    Aufschluss über ähnliche Grundwasserleiter weltweit

    Der Ansatz, der während der IODP³-NSF-Expedition 501 verfolgt wird, wird nicht nur das Verständnis der Grundwassersysteme vor der Küste Neuenglands vertiefen, sondern auch über ähnliche verborgene Grundwasserleiter weltweit. Da viele Küstenregionen für ihre Trinkwasserversorgung auf Grundwasser angewiesen sind, haben die ersten Ergebnisse der Expedition eine große gesellschaftliche Bedeutung. Die Forschung wird auch Aufschluss darüber geben, wie Nährstoffe, zum Beispiel Stickstoff, durch die Sedimente des Kontinentalschelfs zirkulieren und wie diese Prozesse die Häufigkeit und Vielfalt der in diesen Umgebungen lebenden Mikroben beeinflussen. Diese Ziele stehen in engem Einklang mit dem wissenschaftlichen Rahmenwerk für Ozeanforschungsbohrungen 2050 – eine der Grundlagen des wissenschaftlichen Programms von IODP³. Letztendlich wird die Expedition dazu beitragen zu entschlüsseln, wie Sedimente und Flüssigkeiten durch das System Erde zirkulieren, und das Wissen über Veränderungen des Meeresspiegels und den Süßwasserfluss unter dem Ozeanboden vertiefen. „Die Forschenden werden weiter an den Proben arbeiten – zum Beispiel, um das Grundwasser genauer zu datieren, was für den Fortschritt unseres Wissens von entscheidender Bedeutung ist“, fügt Rebecca Robinson hinzu.

    Die Expedition ist eine Zusammenarbeit zwischen dem International Ocean Drilling Programme (IODP³) und der US National Science Foundation (NSF). Die Bohrkerne wurden zwischen Mai und August 2025 im Rahmen einer Offshore-Operation geborgen. Für die Onshore-Operation trifft sich das Wissenschaftsteam im Kernlager am MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen. „Wir schätzen es sehr, diese Spitzenforschung am MARUM durchführen zu können, unterstützt durch die erstklassigen Labore und Einrichtungen und engagierte Mitarbeitende“, fügt Brandon Dugan hinzu.

    Die Bohrkerne werden archiviert und nach einem einjährigen Moratorium für die wissenschaftliche Gemeinschaft für weitere Forschung zugänglich gemacht. Alle Expeditionsdaten werden im Datenportal der IODP³ Mission Specific Platform (MSP) in PANGAEA frei zugänglich sein, und die Ergebnisse werden veröffentlicht.
    Internationaler Ansatz

    40 Mitglieder des Wissenschaftsteams aus 13 Nationen (Australien, China, Frankreich, Deutschland, Indien, Italien, Japan, Niederlande, Portugal, Schweden, Schweiz, Vereinigtes Königreich, USA) nehmen an der Expedition teil. Die Expedition wird vom Europäischen Konsortium für Ozeanforschungsbohrungen (ECORD) im Rahmen des Internationalen Programms für Ozeanbohrungen (IODP³) durchgeführt. IODP³ ist ein von 17 Ländern getragenes, öffentlich finanziertes internationales Programm, das die in den Sedimenten und Gesteinen des Ozeanbodens aufgezeichnete Erdgeschichte und -dynamik erforscht und die Umgebung am Meeresboden überwacht. Mit Hilfe mehrerer Plattformen – ein einzigartiges Merkmal von IODP³ – untersuchen Wissenschaftler:innen die tiefe Biosphäre unter dem Meeresboden, Umweltveränderungen, Prozesse und Auswirkungen sowie die Zyklen und die Dynamik der festen Erde.

    Das MARUM gewinnt grundlegende wissenschaftliche Erkenntnisse über die Rolle des Ozeans und des Meeresbodens im gesamten Erdsystem. Die Dynamik des Ozeans und des Meeresbodens prägen durch Wechselwirkungen von geologischen, physikalischen, biologischen und chemischen Prozessen maßgeblich das gesamte Erdsystem. Dadurch werden das Klima sowie der globale Kohlenstoffkreislauf beeinflusst und es entstehen einzigartige biologische Systeme. Das MARUM steht für grundlagenorientierte und ergebnisoffene Forschung in Verantwortung vor der Gesellschaft, zum Wohl der Meeresumwelt und im Sinne der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen. Es veröffentlicht seine qualitätsgeprüften, wissenschaftlichen Daten und macht diese frei zugänglich. Das MARUM informiert die Öffentlichkeit über neue Erkenntnisse zur Meeresumwelt, und stellt im Dialog mit der Gesellschaft Handlungswissen bereit. Kooperationen des MARUM mit Unternehmen und Industriepartnern erfolgen unter Wahrung seines Ziels zum Schutz der Meeresumwelt.


    Contact for scientific information:

    IODP³-NSF Expedition 501 Co-Chief Scientists:
    Professor Brandon Dugan
    Colorado School of Mines, Golden (USA)
    E-Mail: dugan@mines.edu
    Professor Rebecca Robinson
    Graduate School of Oceanography, University of Rhode Island (USA)
    Email: rebecca_r@uri.edu

    IODP³-NSF Expedition 501 Operations:
    Dave McInroy
    ECORD Science Operator
    British Geological Survey (GB)
    E-Mail: dbm@bgs.ac.uk
    ECORD/MARUM Pressearbeit:
    Ulrike Prange
    ECORD Science Operator
    MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen
    E-Mail: uprange@marum.de


    More information:

    https://www.ecord.org/expedition501/ Über die Expedition
    https://iodp3.org/documents/expedition-501-scientific-prospectus/ Wissenschaftlicher Prospekt
    https://iodp3.org/about/ Über das internationale Forschungsprogramm IODP³
    https://www.ecord.org/ Über den europäischen Teil des Programms
    https://www.ecord.org/expeditions/msp/concept/ Über Missions-Spezifische Plattform-Expeditionen
    https://expedition501.wordpress.com/2025/02/19/faq1/Offshore FAQ zur Expedition (engl)


    Images

    Mit Hilfe der „Munsell Soil Colour Chart“ werden die Bohrkerne hinsichtlich Farbe und Struktur so genau wie möglich visuell beschrieben. Foto: Diekamp@ECORD_IODP3_NSF
    Mit Hilfe der „Munsell Soil Colour Chart“ werden die Bohrkerne hinsichtlich Farbe und Struktur so ge ...
    Source: Diekamp@ECORD_IODP3_NSF
    Copyright: Diekamp@ECORD_IODP3_NSF


    Criteria of this press release:
    Journalists
    Environment / ecology, Geosciences, Oceanology / climate, Physics / astronomy, Social studies
    transregional, national
    Cooperation agreements, Research projects
    German


     

    Help

    Search / advanced search of the idw archives
    Combination of search terms

    You can combine search terms with and, or and/or not, e.g. Philo not logy.

    Brackets

    You can use brackets to separate combinations from each other, e.g. (Philo not logy) or (Psycho and logy).

    Phrases

    Coherent groups of words will be located as complete phrases if you put them into quotation marks, e.g. “Federal Republic of Germany”.

    Selection criteria

    You can also use the advanced search without entering search terms. It will then follow the criteria you have selected (e.g. country or subject area).

    If you have not selected any criteria in a given category, the entire category will be searched (e.g. all subject areas or all countries).