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Wissenschaft
Wie können Stadtviertel nachhaltig saniert werden, ohne soziale Interessen aus dem Blick zu verlieren oder wirtschaftliche Zwänge zu verschärfen? Dieser Frage widmet sich das neue Forschungsprojekt „Transformation zu nachhaltigen Quartieren – Strategien im Umgang mit Zielkonflikten“ (NaQZiel). In zwei Stadtvierteln, auch Quartiere genannt, in Wuppertal und Dortmund werden innovative Ansätze erprobt, um ökologische, soziale und ökonomische Anforderungen bei der Quartierserneuerung besser miteinander zu vereinbaren.
Der Nutzen für die Bürger*innen steht dabei im Mittelpunkt. Sozialverträgliche Sanierungen, transparente Entscheidungsprozesse und echte Beteiligungsmöglichkeiten sollen dazu beitragen, dass Klimaschutz nicht als Belastung, sondern als gemeinschaftliche Zukunftsaufgabe wahrgenommen wird.
Dafür sucht das Projektteam Antworten auf die Frage, wie Zielkonflikte bei energetischen Sanierungen konstruktiv bearbeitet werden können. Denn Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz – ein zentraler Baustein auf dem Weg zur Klimaneutralität – treffen in der Praxis häufig auf unterschiedliche Interessen von Bewohner*innen, Wohnungsunternehmen, Politik und Verwaltung. „Wir wollen zeigen, dass nachhaltige Quartierserneuerung dann besonders wirksam ist, wenn technische Lösungen und die Einbindung sozialer Perspektiven zusammenkommen“, erklärt Jun.-Prof. Dr. Karoline Augenstein. „Nachhaltigkeit bedeutet immer beides: ökologische Wirkung und soziale Gerechtigkeit, denn erst diese Verbindung macht Quartierserneuerung zukunftsfähig“, ergänzt Prof. Dr. Maria Behrens. Die beiden Wissenschaftlerinnen vom Zentrum für Transformationsforschung und Nachhaltigkeit (transzent) der Bergischen Universität leiten das Projekt.
In den beiden Quartieren „Wohnpark Schellenbeck“ in Wuppertal und „Bergmannsgrün“ in Dortmund werden deshalb sogenannte Reallabore eingerichtet und wissenschaftlich begleitet. Konkret bedeutet das, dass modernste energetische Standards sowie innovative Bau- und Energielösungen umgesetzt werden und zugleich neue Formen der Kommunikation und Beteiligung erprobt werden, ebenso wie neue Suffizienz-Strategien, die darauf abzielen, den Energiebedarf der einzelnen Person und Gemeinschaft durch neue Verhaltensmuster und Strukturen bewusst zu begrenzen und die Lebensqualität der Beteiligten bestenfalls zu steigern. So will das Projektteam Zielkonflikten von Beginn an begegnen.
Kurz- und langfristig gedacht
Ein besonderes Merkmal von NaQZiel ist der transdisziplinäre Forschungsansatz: Wissenschaft, Wohnungsunternehmen wie die gwg wuppertal und VIVAWEST, Mieter*innenvereine, lokale Initiativen sowie Bewohner*innen arbeiten eng zusammen. Die systematische Analyse der in den Reallaboren erprobten Prozesse soll ein übertragbares Modell liefern, das auch in anderen Städten und Regionen angewendet werden kann.
gwg-Geschäftsführer Oliver Zier: „Wenn Menschen verstehen, warum Veränderungen notwendig sind und sie aktiv mitgestalten können, entstehen tragfähige Lösungen für klimaneutrale und lebenswerte Quartiere.“
VIVAWEST-Geschäftsführer Haluk Serhat: „Wir haben den ersten Bauabschnitt unseres Modellquartiers Bergmannsgrün bereits wissenschaftlich begleiten lassen. Die gesammelten Ergebnisse gerade hinsichtlich des sozialen Miteinanders vor Ort können wir nun im Rahmen des Projekts vertiefen und daraus weitere Maßnahmen für die Quartiersentwicklung bei VIVAWEST ableiten.“
Durch die enge Vernetzung in der Region Wuppertal-Dortmund und den kontinuierlichen Wissenstransfer über die Modellquartiere hinaus leistet NaQZiel einen wichtigen Beitrag für den Strukturwandel und die nachhaltige Stadt- und Regionalentwicklung in Nordrhein-Westfalen.
Das Projekt wird aus dem EFRE/JTF-Programm NRW 2021-2027 im Rahmen von Regio.NRW-Transformation durch die Europäische Union und das Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert. Mit einer Fördersumme von rund 1,1 Millionen Euro läuft NaQZiel über drei Jahre von Januar 2026 bis Ende 2028.
Julius Merkens & Luisa Hieckel
Zentrum für Transformationsforschung und Nachhaltigkeit
E-Mail transzent@uni-wuppertal.de
Zum Auftakt trafen sich die Mitglieder des Projekts NaQZiel in Wuppertal.
Source: Charlotte Braun
Copyright: transzent
Criteria of this press release:
Journalists
Construction / architecture, Energy, Environment / ecology, Social studies
transregional, national
Cooperation agreements, Research projects
German

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