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02/05/2026 11:51

Wenn Künstliche Intelligenz allein Regie führt

Nadine Metzler Hochschulkommunikation
Hochschule Bremerhaven

    Egal ob auf Plakaten, in Werbespots oder Bildern und Videos in den sozialen Medien: Künstliche Intelligenz ist inzwischen an vielen Stellen im Alltag zu finden. Dementsprechend laut sind kritische Stimmen, die vor dem Wegfall vieler Arbeitsplätze warnen. Doch was kann KI wirklich, wenn der Mensch möglichst wenig Zeit und Geld in die Produktion investieren möchte? Mit dieser Frage hat sich Prof. Dr. Holger Rada, Leiter des Studiengangs Digitale Medienproduktion an der Hochschule Bremerhaven, beschäftigt. Er hat mehrere KI-Tools gemeinsam ein Musikvideo produzieren lassen, ohne dabei selbst gestalterisch einzugreifen. Das Ergebnis zeigt, was KI heute schon kann - und wo die Grenzen liegen.

    Der Einsatz von Generativer KI wird derzeit stark diskutiert. Zuletzt hatten zwei von Künstlicher Intelligenz generierte Weihnachtswerbespots Kontroversen ausgelöst. Dabei ging es nicht nur um die Qualität, sondern auch um eine generelle Ablehnung von Videos, die von KI statt von Mediengestalter:innen erstellt wurden. Bei Prof. Dr. Holger Rada hat dies die Neugier geweckt. „Ich wollte selbst herausfinden, was nach dem aktuellen Stand der Technik möglich ist, wenn man nur die KI arbeiten lässt und selbst nichts mehr nachbearbeitet. Dabei geht es mir nicht darum, KI durch die rosarote Brille zu sehen. Vielmehr möchte ich zur Diskussion anregen“, sagt er. Die Idee: Mehrere Tools gemeinsam ein Musikvideo erstellen zu lassen, ohne selbst gestalterisch groß einzugreifen. Auch die Musik wurde von KI “komponiert“ (Suno 4.5). Grundlage bildete ein Konzept, das von Gemini 3 auf Basis von drei, vier menschlichen Stichworten entwickelt wurde. Die KI hat Inhalte und Dramaturgie selbst festgelegt. Auch die Prompts für die Charakterentwicklung (Nano Banana Pro) und Videogenerierung (Flow/Veo 3.1 & Runway 4.0) wurden hauptsächlich von der KI erstellt. Die Lippensynchronisation erfolgte mit Heygen Avatar IV. Gemeinsam haben die KI-Werkzeuge ein Lied und die passenden Szenen für das Musikvideo generiert. Das Ergebnis kann auf YouTube unter https://www.youtube.com/watch?v=iVvw95MEkn8 abgerufen werden. „Es gibt einige Stellen, die in dem Video nicht so toll sind und nachbearbeitet werden müssten. Aber das wollte ich nicht, denn genau darum geht es. Es soll eine Machbarkeitsstudie sein, die zeigt, was KI hervorbringt, wenn wir Menschen nicht mehr groß eingreifen“, erklärt der Professor.

    Kritische Auseinandersetzung mit KI wichtig

    Das Video hat er unter anderem im laufenden Medienprojekt „Musikvideo“ gezeigt, um darüber mit seinen Studierenden zu diskutieren. Dort sind die Meinungen gespalten. Einige von ihnen lehnen die Nutzung Künstlicher Intelligenz ab, andere sehen darin in manchen Bereichen eine Arbeitserleichterung. „Künstliche Intelligenz ist Thema in allen Lehrveranstaltungen unseres Studiengangs. Uns ist wichtig, dass unsere Studierenden lernen, wie man sie sinnvoll nutzen kann. Dabei möchten wir auch die kritische Auseinandersetzung fördern. Es muss eine bewusste Entscheidung sein, wann der Einsatz von KI sinnvoll ist und wann etwas lieber auf traditionelle Weise gelöst werden sollte“, erklärt Prof. Rada. Wichtig sei die Transparenz. Es müsse eindeutig zu erkennen sein, wenn Künstliche Intelligenz im Spiel ist. Bei „seinem“ Musikvideo hat er dies nicht nur bereits in den Titel geschrieben, sondern auch über ein Wasserzeichen im Video selbst und im Abspann gekennzeichnet. Dort sind statt beteiligter Personen die KI-Apps aufgelistet, mit denen das Video erstellt wurde.

    Studierende bekommen Werkzeug für sich verändernde Arbeitswelt

    Künstliche Intelligenz verändert die Branche – das ist den Lehrenden bewusst. Sie beobachten die Entwicklungen und bilden sich weiter, um immer die neuesten Tools in ihren Lehrveranstaltungen vorstellen zu können. So auch Professorin Nicole Slink, die im Bereich Kommunikationsdesign lehrt und sich schon länger mit KI beschäftigt. „Wir wissen, dass in unserem Bereich Arbeitsplätze wegfallen werden. Das können wir weder ignorieren, noch schönreden. Allerdings werden dafür auch neue entstehen. Darauf müssen wir in unserem Studiengang reagieren und den Studierenden das entsprechende Werkzeug an die Hand geben“, sagt sie. Sie macht die Erfahrung, dass ihre Studierenden zwar gern Neues ausprobieren, allerdings auch weiterhin selbst aktiv werden möchten. „Viele von ihnen nehmen lieber selbst die Kamera in die Hand oder zeichnen etwas, statt Bilder von KI erstellen zu lassen. Sie beschäftigen sich zudem mit den vielen Herausforderungen, die KI mit sich bringt: Themen wie Urheberrecht oder Datenschutz“, so die Professorin weiter. Auf der anderen Seite biete KI aber eine willkommene Erleichterung und Zeitersparnis, beispielsweise bei der Bearbeitung von Bildern.

    Ähnlich sieht es auch Prof. Rada. Gleichzeitig sei faszinierend, was Künstliche Intelligenz bereits kann: „Noch vor einem Jahr hätte das Video ganz anders ausgesehen. Es hätte viel mehr Darstellungsfehler gegeben. Teile der Personen wären teilweise hinter anderen Objekten verschwunden oder die Charaktere hätten mehr als fünf Finger an der Hand gehabt. Die schnelle Entwicklung ist beeindruckend.“ Bei aller Faszination dürfe aber nicht vergessen werden, wie hoch der Energieverbrauch durch die KI-Nutzung sei. Es sei beispielsweise kritisch zu sehen, dass in den USA ein Atomkraftwerk reaktiviert werden soll, um KI-Rechenzentren mit Strom zu versorgen. Oder dass neue Reaktoren zu diesem Zweck entwickelt werden sollen. „Es ist wichtig, auch für diese negativen Aspekte das Bewusstsein zu schaffen. Nur dann können die Studierenden heute und in Zukunft abwägen, wann der Einsatz von KI wirklich sinnvoll und vertretbar ist“, so der Professor. Abschließend weist er darauf hin, dass die Studierenden in seinem Projekt die Musikvideos am Ende doch ganz traditionell und ohne KI produzieren würden.

    Der Bachelorstudiengang Digitale Medienproduktion setzt auf ein fächerübergreifendes Profil mit einem Ausbildungsschwerpunkt in der Verzahnung der Disziplinen, also der Konzeption, Gestaltung und Entwicklung multimedialer Systeme. Die Design- und Informatikanteile des Studiengangs werden dabei nicht als isolierte Module unterschiedlicher Disziplinen begriffen, sondern bedingen sich gegenseitig und bauen aufeinander auf. Daneben werden Aspekte der Medienproduktion berücksichtigt, die sich mit der Konzeption, Planung, Budgetierung und Vermarktung von Anwendungen befassen. Die Ergebnisse studentischer Medienprojekte können jedes Jahr beim DMP-Tag bewundert werden. Dieser findet 2026 am 12. Juni statt.


    Contact for scientific information:

    Prof. Dr. Holger Rada
    hrada@hs-bremerhaven.de


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    Criteria of this press release:
    Journalists, all interested persons
    Information technology, Media and communication sciences
    transregional, national
    Miscellaneous scientific news/publications, Studies and teaching
    German


     

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